Festgottesdienst

So wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Priesterweihe 2020 aus

Domzeremoniar Bernhard Stürber bereitet die Priesterweihe im Münchner Liebfrauendom vor. Die Vorbereitungen haben ihn dieses Jahr einige schlaflose Nächte gekostet.

Einen vollbesetzten Dom wie bei der Priesterweihe 2019 wird es dieses Jahr nicht geben.

München – Literweise Desinfektionsmittel hat Domzeremoniar Bernhard Stürber für die Priesterweihe nicht bestellt. So viel sei da gar nicht nötig. Die Kommunionausteilung werden nur ein bis zwei Helfer sowie die beiden Neupriester Jasper Gülden und Andreas Kolb übernehmen. „Da braucht’s nur ein paar Spritzerl auf die Hände“, sagt Stürber. Der Diakon bereitet alle großen Gottesdienste im Münchner Liebfrauendom vor, auch die Priesterweihe im Corona-Jahr 2020.

Recht viel mehr Desinfektionsmittel wird auch nicht benötigt, wenn Kardinal Reinhard Marx den beiden jungen Männern die Hände auflegt. Wahrscheinlich müssen sie dabei einen Mund- und Nasenschutz tragen, wenn sich bis zum 27. Juni die Vorschriften nicht ändern. „Aber ohne Handauflegung geht es nicht, die ist seit frühester Zeit konstitutiv für die Weihe.“

Andere liturgische Gesten hat der Domzeremoniar nach Rücksprache mit dem Erzbischof aber abgeändert. Ihr Treueversprechen gegenüber Kardinal Marx werden die beiden Neupriester aus zwei Metern Abstand sprechen. Sonst ist es üblich, dass es der Bischof von Angesicht zu Angesicht entgegennimmt und die Weihekandidaten dabei ihre Hände in die seinen legen. In diesem Jahr werden sie sich nur tief verneigen, wenn sie ihr Versprechen geben. Auf die sogenannte Prostratio, also das Niederwerfen vor dem Altar während der Allerheiligenlitanei, brauchen die Neupriester dagegen nicht zu verzichten. „Ich bin ja fast schon Infektionsschutzexperte“, sagt Diakon Stürber lachend, „das Liegen auf dem vorher sowieso geputzten Fußboden birgt kein Ansteckungsrisiko.“

Nur wenige Personen dürfen mitfeiern

Insgesamt dürfen sich im Altarraum 16 Personen aufhalten, Ministranten und Lektoren nicht mitgezählt. In „normalen“ Jahren sind es oft an die hundert und mehr. Ebenfalls schütter wird es auf den Kirchenbänken aussehen. Seitlich vom Presbyterium dürfen die Kollegen aus dem Priesterseminar Platz nehmen, ohne Sicht auf den Altar und mit eingeschränkten Blick auf die fest installierten Übertragungsleinwände im Seitenschiff. Darüber hinaus sind nur rund 70 Gäste zugelassen und die haben alle eine persönliche Einladung. Es sind die engsten Angehörigen der beiden Weihekandidaten, Vertreter aus dem Ordinariat, dem Studienkurs und den Heimatpfarreien. „Gott sei Dank sind es nur zwei“, seufzt Stürber. „Das hätte ich mir auch nie gedacht, dass ich über eine niedrige Zahl bei der Weihe einmal froh bin.“ Bei mehr Neupriestern hätte jeder von ihnen noch weniger Gäste einladen können.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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