Altarweihe und Priesterjubiläum in Haar

So war der erste öffentliche Auftritt nach Marx' Rücktrittsgesuch

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigt sich bei Altarweihe in Haar gelöst, humorvoll und entschlossen. Für sein Handeln erhielt er viel Zuspruch.

Nach dem Festgottesdienst wurden Luftballons in den Himmel geschickt.

Haar – Es war der mit Spannung erwartete erste öffentliche Auftritt von Kardinal Reinhard Marx nach der Veröffentlichung seines <link https: mk-online.de meldung external-link-new-window internal link in current>Angebots an Papst Franziskus, auf das Amt als Erzbischof von München und Freising verzichten: Am Sonntag, 6. Juni, kam der Kardinal in den Münchner Vorort Haar, um in der Pfarrkirche St. Konrad im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes einen neuen Altar zu weihen und zugleich das 25-jährige Priesterjubiläum von Dekan und Pfarrer Kilian-Thomas Semel zu feiern.

Scherzhafte Kommentare

Mit der Altarweihe und dem Jubiläum stand die Feier unter dem Vorzeichen zweier erfreulicher Ereignisse, und auch Kardinal Marx ließ keinen Zweifel daran, dass er in der Absicht gekommen war, Entschlossenheit, Zuversicht und gute Laune zu verbreiten – und nicht etwa Sorge, Anspannung oder Niedergeschlagenheit, was ihm angesichts der aktuellen Entwicklungen wohl niemand übelgenommen hätte. Er flocht sogar auffallend oft scherzhafte Kommentare in den Gottesdienst mit ein: Als kurz vor der Taufwasserweihe ein Handy laut klingelte, entkrampfte er den peinlichen Moment mit dem Scherz, das sei eine „Stimme von oben“, und als ihn der Fotograf zu Beginn der Predigt noch fotografieren wollte, bestimmte er in gespielter Strenge: „Ein Foto noch, dann is a Ruah!“ – womit nur zwei von einer ganzen Handvoll humorvoller Äußerungen wiedergegeben seien.

Marx: Menschen brauchen Priester

In seiner ausführlichen Predigt konzentrierte sich Kardinal Marx – in Bezugnahme auf das Priesterjubiläum und die Altarweihe – auf das Priestertum und die Eucharistie. Trotz aller Skandale, trotz allem Versagen der Kirche bräuchten die Menschen nach wie vor Priester, die ihnen das Geheimnis Gottes aufschlössen und den Himmel öffneten. Sie sehnten sich auch zukünftig nach „heiligen Priestern“, die ein Leben lang von Gott „bezeichnet und gezeichnet“ seien, sagte der Kardinal in Anspielung auf Stammvater Jakob, der eine Nacht lang mit Gott ringen musste, bevor er – fortan hinkend – von diesem den Segen erhielt. Die Eucharistie wiederum sei keine Burg, in die man sich zurückzieht, sondern eine Kraftquelle, ein Ort von Trost, Mut und Zuversicht, und ohne sie sei keine Kirche möglich. Und es sei die große Aufgabe der Priester in der Zeit nach Corona, das Volk Gottes neu zur Eucharistie zu sammeln.