Heilsame Klänge

Singen ist gut für Körper und Seele

Chorleiterin Beate Winter erzählt von der Heilkraft des Singens und den Herausforderungen in Corona-Zeiten.

Singen tut Körper und Geist gut. © fizkes - stock.adobe.com

Die Münchnerin Beate Winter ist Sängerin aus Leidenschaft. Schon als Zehnjährige sang sie im Kirchenchor und entdeckte so den Gesang und die geistliche Musik für sich. Kurz vor dem Abitur wechselte sie auf die Berufsfachschule, um dann ein Gesangsstudium zu beginnen. Ihre Stimmlage ist tagesabhängig: Eigentlich ist sie Altistin, doch manchmal schafft sie es bis zum Mezzosopran. Besonders viel Freude machen ihr Stücke, die sie schon lange singt, zum Beispiel „Sei stille dem Herrn“ aus dem „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Georg Friedrich Händels „Ombra mai fu“. Seit über zehn Jahren leitet Winter einen Kinder- und einen Frauenchor.

Freude der Chorleiterin überträgt sich auf die Sänger

Die Begeisterung fürs Singen vermittelt sie, indem sie ihre eigene Freude nach außen trägt. Vor allem für die Kinder ist außerdem ein abwechslungsreiches Programm mit viel Bewegung nötig, damit sie den Spaß am Singen behalten. Die meisten Kinder kämen auch trotz Corona zur Probe, auch wenn sie nun beim Singen auf den nötigen Abstand achten und auf Körperkontakt verzichten müssten, erzählt Winter. Gerade Ungeübten falle es beim erforderlichen Abstand schwer, den erfahreneren Sängern musikalisch zu folgen, beobachtet die Chorleiterin. Das Singen soll die Kinder in eine andere Ebene bringen, die nichts mit ihrem Alltag zu tun hat.

Heilsame Lieder für die Seele

Vor Kurzem hat Beate Winter die sogenannten heilsamen Lieder für sich entdeckt. Das sind zum Beispiel Kanons wie „Froh zu sein, bedarf es wenig“ oder speziell komponierte Lieder „für die Seele“, wie sie es nennt. Sie alle haben einfache Harmonien und Texte – und werden über viele Minuten gesungen, da sie erst dann ihre heilsame Wirkung entfalten. So wird der Sänger noch mehr an seinen Atem gebunden und es fällt ihm leichter, sich zu fokussieren. Denn durch die ständige Wiederholung muss man irgendwann nicht mehr über Text und Melodie nachdenken und kann sich in die Musik fallen lassen. Auch der Gedanke an den Atem spielt dann keine Rolle mehr. „Wenn ich zehn Minuten lang Töne von mir gebe, ist das so, als würde ich meinen Körper zehn Minuten lang innerlich massieren“, erklärt die Sängerin. Sie selbst fühlt sich mit Stücken am wohlsten, die sie ohne viel zu überlegen aus sich heraus singen kann.

Singen wirkt sich aufs Atmen aus

 

Auch auf die Atmung wirkt sich das Singen aus: Sie wird tiefer, weil man mehr ausatmen muss, ähnlich wie beim autogenen Training oder Meditieren. Vielen Menschen gibt die Routine der wöchentlichen Chorstunde Kraft. Manchmal weiß auch die Chorleiterin nicht, wie sie die Probe überstehen soll, und plötzlich geht sie im Singen auf und ist ganz im Moment. So gehe es auch den Mitgliedern ihrer Chöre. Derzeit begleitet Winter viele Gottesdienste musikalisch: Da die Gemeinden nicht mitsingen dürfen, wurde sie gebeten, die Lieder in der Messe zu singen. Eine Aufgabe, die sie gern und dankbar übernimmt, ist doch die geistliche Musik für sie mehr als nur eine akustische Gestaltung der Messe, sondern Ausdruck einer wunderbaren Gotteserfahrung. (Maximilian Lemli)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie