Serien-Kritik: Altered Carbon

Selber Gott spielen

Ewiges Leben. Das klingt wie ein Traum. In der Romanverfilmung „Altered Carbon“ ist das bereits in 350 Jahren möglich.

Die Serie „Altered Carbon“ ist beim Streamingdienst Neflix zu sehen.

München – Die Gattung Science-Fiction hat schon oft Dinge vorweggenommen, die dann Wirklichkeit geworden sind: Dass zum Beispiel Menschen einst zum Mond reisen werden, hat Jules Verne schon Mitte des 19. Jahrhunderts prophezeit. George Orwell hat in seinem Roman „1984“ einen Überwachungsstaat vorausgesagt und der Brite Richard Morgan hat vor etwas mehr als 10 Jahren über eine Zukunft geschrieben, in der Menschen ewig leben werden. Im Original heißt sein Roman „Altered Carbon“ und wurde 2003 mit dem Philip K. Dick-Award ausgezeichnet. Jetzt ist die Geschichte im Serienformat verfilmt worden und ist seit Februar 2018 auf dem Streamingdienst Netflix zu sehen.

Ein Cyberkrimi

Die Handlung beginnt damit, dass der Elitesoldat Takeshi Kovacs (Joel Kinnaman) nackt in einem Labor aufwacht. Beim Blick in den Spiegel stellt er fest, er ist nicht mehr derselbe Mann, sondern befindet sich in einem anderen Körper. Möglich ist das durch eine Technologie, bei der das Bewusstsein auf einen Computerchip gespeichert und in jeden beliebigen leeren Körper eingesetzt werden kann. Schnell erfährt der Hauptcharakter, dass er das dem wohlhabenden Laurens Bancroft (James Purefoy) zu verdanken hat. Der möchte, dass Kovacs einen Mord aufklärt: Nämlich den Mord an Laurens Bancroft selbst, der sich nicht an den Vorfall erinnern kann, da das nicht auf seinem Chip gespeichert worden ist. Widerwillig nimmt Kovacs, dessen Körper Eigentum von Bancroft ist, den Auftrag an. Bald wird er selbst Ziel von Mordanschlägen einer mysteriösen Gruppe. Wer das ist und warum sie hinter den Elitesoldaten her sind, das möchte Takeshi Kovacs natürlich herausfinden.

Leben nach dem Tod

Wie verändert sich die Menschheit, wenn der Tod nicht mehr existiert? Mit dieser Frage beschäftigt sich „Altered Carbon“ und regt zum Grübeln an. Autor Richard Morgan entwirft eine Dystopie, in der Gewalt beinahe schon salonfähig ist. Schließlich sind Körper austauschbar. Angst vor dem Tod muss auch niemand mehr haben. Religionen sind auf dem Rückmarsch. Von den Gläubigen gibt es nur noch Fanatiker, so beschreibt Morgan diese Zukunftsvision.

Nackte Haut und Gewaltszenen

Die Adaption von „Altered Carbon“ setzt auf futuristische Optik“. Die Kulissen sind echte Hingucker, die Kostüme praktisch gehalten. Die Serie geizt weder mit nackter Haut noch mit Gewaltszenen, was die Thematik einerseits unterstreicht, andererseits zarte Gemüter abschrecken wird. Es gibt viele Rückblenden, die den Hauptcharakter Takeshi Kovacs nach und nach enthüllen. Viele Figuren tauchen auf, die Dialoge sind manchmal etwas platt. Für die Geschichte ist aber viel Aufmerksamkeit gefragt. Denn der Kriminalfall ist sehr verworren und wer den Gesprächen nicht genau zuhört, der muss zurückspulen.

Kurzgesagt: Die Idee ist das, was „Altered Carbon“ ausmacht. Ebenso wie die ethischen Fragestellungen dahinter. In der Serie kommen sie leider etwas zu kurz. Wer sich eingängiger damit beschäftigen möchte, sollte zum Buch greifen.

Der Autor
Ralph Würschinger
Radio-Redaktion
r.würschinger@st-michaelsbund.de

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