Darf man dieses Jahr Fasching feiern?

Seien wir nicht scheinheilig!

In Köln startet die fünfte Jahreszeit: Karneval. Doch darf man dieses Jahr feiern? In Zeiten von Terror, Krieg und Flüchtlingskrise? Die Antwort der gebürtigen Kölnerin Katharina Sichla fällt deutlich aus.

Katharina Sichla kommt aus Köln und arbeitet als Redakteurin beim Sankt Michaelsbund, dem katholischen Medienhaus in München.

Ich kann die Frage nicht nachvollziehen. Auch in den letzten Jahren gab es Kriege, Terror und Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Damals hatten wir kein Problem unsere Kostüme anzuziehen und zu feiern. Und jetzt – da die Probleme nicht mehr weit weg sind, sondern vor unserer Haustür – machen wir uns Gedanken. Das finde ich scheinheilig. Ganz nach dem Motto: Was nicht in meinem direkten Umfeld passiert, interessiert mich auch nicht. Meiner Meinung nach, hätten wir die Diskussion schon die vergangenen Jahre führen müssen. Oder eben auch nicht. Denn ich finde, egal wie schrecklich die Situation oder die politische Lage ist, Karneval darf – soll vielleicht auch – gefeiert werden.

Das war auch zu anderen Zeiten so, zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg. Köln, zum Beispiel, lag in Schutt und Asche, als es am 28. Februar 1949 endlich wieder soweit war: Der Rosenmontagszug schlängelte sich durch die Stadt. Drumherum herrschte Chaos, doch der Zug gab den Jecken die Normalität zurück. Denn neben düsteren Erlebnissen, gehört auch der Spaß zum Leben. Außerdem bedeutet Karneval nicht, ernste Themen auszusparen: Die Wagen der Rosenmontagszüge, viele Büttenreden und auch einige Lieder sind trotz aller Ausgelassenheit politische Statements.

Karneval verbindet Menschen aller Konfessionen, Hautfarben und Ansichten. Sie alle haben denselben Wunsch: Gemeinsam friedlich zu feiern. Und gerade jetzt, wo die Flüchtlingsdebatte das Land spaltet, finde ich ein solch verbindendes Element wichtig! In einem Song der kölschen Band Brings heißt es: „Denn mir sin all all all nur Minsche. Et Hätz om rechte Fleck.“ (Denn wir sind alle alle alle nur Menschen. Mit dem Herz am rechten Fleck.) In diesem Sinne: Alaaf und Helau.

Katharina Sichla kommt aus Köln und arbeitet als Redakteurin beim Sankt Michaelsbund, dem katholischen Medienhaus in München.