Kirchenleute als Erfinder

Schwarzpulver, Waschmaschine und Blitzableiter

Neben Feuerwehrmann, Dinosaurierforscher und Polizist ist es vermutlich die Traum-Berufsvorstellung vieler Kindergartenkinder: Erfinder. Wichtige Dinge für die Menschheit entwickeln, das ist schon seit vielen Jahrhunderten der Traum. Und so gingen auch einige Kirchenleute unter die Erfinder.

Ein mährischer Mönch soll schon vor Benjamin Franklin den Blitzableiter erfunden haben. © Devmarya - stock.adobe.com

Bum – Es knallt, es rumst, das Schwarzpulver

Ein Franziskaner-Bruder soll es im 14. Jahrhundert gewesen sein, der es erfunden hat. Berthold Schwarz soll bei Experimenten, in denen er eigentlich einen goldenen Farbton herstellen wollte, Salpeter, Schwefel und Holzkohle mit einem Mörser zerkleinert haben. Das Ganze stellte er in einen Ofen und kurz drauf knallte es. Schwarz hatte glücklicherweise zuvor den Raum verlassen. Und dann wurde es mystisch. Der bei der Explosion herausgeschleuderte Stößel steckte fest im Deckenbalken und konnte selbst nach dem Berühren mit den Reliquien der Heiligen Barbara nicht entfernt werden. Erfunden war das erste Schwarzpulver für Kanonen. Angeblich geht auch der Name „Mörser“ für kurzläufige Steilfeuergeschütze auf den Vorfall im Kloster zurück. Eine Erfindung, die Schwarz 1388 mit dem Leben bezahlt haben soll.

Ob das alles so stimmt oder ob das Schwarzpulver doch schon zuvor in China erfunden wurde, wie andere Quellen angegeben, ist genauso unklar, wie, ob es den Mönch tatsächlich gab. Die Stadt Freiburg widmete ihm dennoch ein steinernes Denkmal.

Den Durchblick haben – die Brille

Um 1.000 nach Christus berichtet der Araber ibn al-Haitham in seinem Werk „Schatz der Optik“ über eine geschliffene optische Linse, die das Auge gezielt unterstützen soll.

Etwa um 1240 ließen sich clevere Mönche in Westeuropa von al-Haithams Ideen inspirieren: Sie fertigten den ersten Lesestein. Dieser bestand weitgehend aus Quarz oder Bergkristall. Etwas später wurde aus dem Halbedelstein Beryll, von dem die Brille ihren Namen hat, eine Linse geschliffen. Diese wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts dann mit einem Stil vors Auge gehalten – die Brille war geboren.

Die ältesten erhaltenen Nietenbrillen stammen von Nonnen aus dem 14. Jahrhundert – gefunden 1953 bei der Renovierung des Frauenklosters Wienhausen in der Lüneburger Heide, wo sie in die Ritzen des Chorgestühls gefallen waren.

Der Durchbruch für jede Hausfrau – die Waschmaschine

Es war ein deutscher, evangelischer Theologe, der diesen Traum wahrgemacht haben soll. Jacob Christian Schäffer konstruierte 1766 die erste Waschmaschine. Eigentlich hatte er für Papierversuche eine Maschine gesucht, die als Ersatz für Papiermühlen dienen sollte und dabei stieß er auf die Beschreibung einer Waschmaschine, die aus England nach Hannover und Braunschweig importiert worden war. Tests mit dieser stellten ihn nicht zufrieden, so dass er eine eigene konstruierte. Die Erfahrungen damit veröffentlichte er in der Zeitschrift "Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine".

Ob das Modell ihren Namen verdient, sei dahingestellt. Eigentlich handelte es sich „nur“ um einen großen Holzbottich, in dem sich eine Drehkurbel befand, die von Hand bedient werden musste. Aber Schäffer verkaufte davon 60 Stück und legte den Grundstein für die Zukunft des Waschens.

Schutz vor Unwetter – der Blitzableiter

Offiziell gilt Benjamin Franklin als Erfinder des Blitzableiters. Ein mährischer Mönch, Prokop Divic, hatte es sich aber schon Mitte des 18. Jahrhunderts zum Ziel gesetzt, Menschen mithilfe von Elektrizität zu heilen. Seine Experimente führten dazu, dass er schon vor Franklin eine Art Blitzableiter erfand. Allerdings setzte dem Land zu dieser Zeit eine große Dürre zu, man machte den Blitzableiter dafür verantwortlich und verbannte ihn als Teufelszeug. Es wurde dem Erfinder verboten, ihn zu installieren.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
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