Prävention von Missbrauch

Schutz und Aufklärung bei den Verbänden

In Rom kommen die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen zusammen, um über den Kampf gegen den Missbrauch in der Kirche zu beraten. In den Verbänden - wie bei der Caritas oder den Maltesern - wird der Kampf bereits geführt.

Missbrauch vorbeugen durch genaues Hinschauen.

München – Um Missbrauchsprävention wirkungsvoll zu betreiben, haben die Malteser ein Schutzkonzept entwickelt. Grundlage ist dabei der Versuch, bei den Mitarbeitern „Sprachfähigkeit“ herzustellen, so nennt es Sophie Sedlmeier. Sie ist Diözesanreferentin für Verbandsentwicklung. Denn nur wenn Situationen bewusst gemacht und klar benannt würden, könne man sie auch aufklären, so Sedlmeier.

Schutzkonzept als Grundlage

Mit einem solchen Schutzkonzept arbeitet auch die Präventionsbeauftragte der Diözesan-Caritas, Manuela Huber. Es setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen: Vorgaben des Trägers, Verhaltenskodizes, Fort- und Weiterbildungen und Hilfestellungen für den Fall, dass es doch einmal zu einem Übergriff kommen sollte. Dieses Schutzkonzept setzt Manuela Huber im Augenblick als Einzelkämpferin für die Caritas um: für Sozialstationen, Kitas, Behinderten- und Seniorenheime. Huber ist Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Prävention, für Einzelfalleinschätzungen, gibt Workshops und Schulungen.

Diese Schulungen gehören auch bei den Maltesern zum Grundstock der Präventionsarbeit. Je nachdem ob es sich um Haupt- oder Ehrenamtliche handelt, sind die Schulungen entsprechend angepasst. Eine spezielle Interventionsschulung richtet sich an leitende Mitarbeiter, die im konkreten Fall eingreifen müssen. Unterstützend gibt es eine Präventionsbroschüre für den Notfall, bei der Caritas heißt das „Rahmenordnung“ mit einem entsprechenden Ablaufplan. Um von vornherein mögliche Gefährdungen zu minimieren, müssen Bewerber bei den Maltesern ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Vorbeugen durch genaues Hinschauen

Um sich in der Präventionsarbeit von Anfang an richtig aufzustellen, hat sich der Verband Hilfe von außen geholt, unter anderem den Psychologen Benjamin Wellinger. Für ihn steht die Sensibilisierung der Mitarbeiter im Vordergrund. Denn vor den Schulungen können Ehren- und Hauptamtliche oft wenig mit dem Thema anfangen: „Die kommen oft mit einem großen Fragezeichen und fragen sich, was sie in so einem Kurs sollen. Aber sie gehen meist mit einem Aha-Effekt, weil sie gelernt haben, inwieweit man auch als Beobachter präventiv tätig sein kann.“ Im Fall der Fälle wüssten die Kursteilnehmer auch, wen sie bei den Maltesern anrufen könnten, so der Psychologe. Mit Schulungen und Workshops soll auch die Verunsicherung vermindert werden, die generell bei den Themen Missbrauch und Misshandlung herrschen.

Entsprechend ablehnend stehen auch bei der Caritas viele Mitarbeiter den Aufklärungsveranstaltungen gegenüber, sagt Präventionsbeauftragte Manuela Huber: zum einen, weil das Thema so heikel ist, aber auch, weil im Tagesgeschäft zu wenig Ressourcen dafür existieren und solche Termine „obendrauf“ gepackt werden. Dabei ist das Lernen, wie Mitarbeiter richtig mit diesem Thema umgehen, unverzichtbar. Vor allem, so Huber, weil inzwischen auch schon eine Übersensibilisierung stattgefunden hat: „Viele Erzieherinnen sind verunsichert – wenn zum Beispiel ein Kind stürzt, wissen sie oft nicht, ob sie es einfach in den Arm nehmen dürfen! Das ist dann über das Ziel hinausgeschossen“. Wertschätzung und Respekt, und das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz – darauf kommt es an, so Manuela Huber.

Der katholische Hintergrund bei Caritas und Maltesern macht den Umgang mit der Missbrauchsproblematik nicht leichter. „Aber wir wachsen dran“, sagt die Malteser-Referentin Sophie Sedlmeier. „Wir wollen aufeinander achten und gemeinsam ein gutes Zusammenleben entwickeln in diesem Verband!“

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch