Hilfe für Bedürftige

Sant´Egidio tut München gut

Weltstadt mit Herz – das ist München. Die vor 50 Jahren gegründete Laiengemeinschaft Sant´Egidio erhält es am Pochen.

Blumen und Kerzen für lebende und verstorbene Freunde beim Festgottesdienst zum Jubiläum von Sant´Egidio in der Münchner Ursulakirche.

Eine Geste der Gemeinschaft Sant´Egidio geht mir besonders nahe: Stirbt einer der Obdachlosen, um die sich die Gemeinschaft kümmert, dann wird in einer eigenen Messe für ihn gebetet und an den Verstorbenen wie an einen Angehörigen erinnert, oft in einer prominenten Innenstadt-Kirche. „Freunde“ nennen die Sant´-Egidio-Mitarbeiter die Wohnsitzlosen, mit denen sie in Verbindung stehen. Fehlt jemand über längere Zeit, dann fragen sie auch bei der Münchner Polizei nach, die ihnen dann oft eine Todesnachricht melden muss. Damit ist für Sant´Egido die Sache aber nicht erledigt, die Beziehung reicht über den Tod hinaus, das Miteinander geht weiter. Das Diesseits und das Jenseits ist gut katholisch bei Sant´Egidio nicht voneinander getrennt. Schranken zu überwinden, Grenzen durchlässig zu machen oder auch den unsichtbaren Vorhang wegzuziehen, der vor der Not hängt - das macht diese in Italien gegründete Laien-Gemeinschaft aus, die heuer ihren 50. Geburtstag begeht. In München, wo Sant´Egidio seit längerer Zeit aktiv ist und seit 2011 über einen festen Sitz im Pfarrverband Altschwabing verfügt, hat sich Kardinal Reinhard Marx am vergangenen Wochenende eigens Zeit für den Festgottesdienst genommen.

Menschliche Verpflichtung wahrnehmen

Schranken und Grenzen überwinden, heißt bei Sant´Egidio, dass Frauen und Männer, denen nichts fehlt, die einen ordentlichen Beruf haben, auf diejenigen zugehen, die darüber nicht oder nicht mehr verfügen. Und zwar nicht herablassend, sondern eben freundschaftlich und ohne professionelle Distanz, die ein Sozialarbeiter zum Beispiel nie verlieren darf.

Für den Notleidenden nicht nur eine materielle Verpflichtung, sondern eine menschliche zu spüren, auch das ist eine Grenzüberschreitung im besten Sinne. Nicht jedem ist das gegeben. Wer will das verurteilen, wenn es jemandem schwer fällt sich anderen Menschen zu zuwenden, die so völlig anders leben als man selbst. Sant´Egidio übernimmt da stellvertretend eine Arbeit und eine Verantwortung, auch für mich, die nicht jeder zu leisten imstande ist..

Gerade im wohlhabenden München ist das ja täglich zu spüren, wie unsicher der Umgang mit denjenigen ist, die arm sind und nicht mithalten können. Jeden Freitag, um 17.30 Uhr besuchen die Mitarbeiter von Sant´Egidio solche Menschen auf der Straße, bringen Tee und etwas zu essen mit und schenken vor allem Zeit für ein Gespräch. An jedem Samstag lädt die Gemeinschaft dann bedürftige, aber auch einsame alte Menschen zu einem Mittagessen in Schwabing ein.

Symbolische Termine

Freitagnachmittag und Samstag, sind auch symbolische Termine – Termine für die Pflege von Freundschaften. Genauso verstehen das die Sant´-Egidio-Mitglieder. Und es wirkt auch deshalb so glaubwürdig, weil hier eine Laiengemeinschaft wirkt, keine Ordensleute, sondern normale Studenten, Azubis oder Angestellte, die selbst eine Familie haben.

Sant´Egido tut der Welt und insbesondere dieser Stadt, diesem München gut. 50 Jahre sind in der Kirchengeschichte keine lange Epoche. Das ist in der Regel erst die Anfangszeit für geistliche Bewegungen. Und nachdem dieser Anfang gelungen ist, bin ich mir sicher, dass hinter die 50 auch noch eine Null kommt. Denn auch die kommenden 450 Jahren wird diese Welt Sant´Egidio noch brauchen, um Schranken niederzureißen, die den Weg zu Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit blockieren.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Die Grenzüberschreiter