Gebet

Rosenkranz auf dem Laufband

So verbindet der österreichische Coach Karl Herndl die körperliche mit der seelischen Ertüchtigung .

Die Zeit auf dem Laufband lässt sich für das Gebet nutzen. © fotolia/Syda Productions

Was macht man eigentlich, wenn man auf dem Laufband joggt? Videos ansehen, CDs hören oder einfach nur auf die Uhr blicken, und sich darüber ärgern, dass erst fünf Minuten vergangen sind? Ich habe etwas völlig anderes ausprobiert und damit die besten Erfahrungen gemacht: Rosenkranz beten!Gleich vorweg, ich halte mich dabei nicht streng an den traditionellen Ritus, sondern erlaube mir eine Abwandlung der „Geheimnisse“. Mein Gebet will ausdrücken, was mir in

der Beziehung zu Jesus an einem bestimmten Tag besonders wichtig ist. Darüber hinaus soll mein Gebet dazu dienen, aktuelle schöne Erlebnisse und Freuden, aber auch Sorgen und Nöte vor Gott zu bringen. Ich bitte um Zuwendung durch den dreieinigen Gott und um die Fürsprache der Gottesmutter Maria. Das Gebet am Laufband hilft mir übrigens auch, das vierte Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ zu achten. Meine betagte Mutter ist Mitglied im „Lebendigen Rosenkranz“ und hat mich gebeten, diese Aufgabe mit ihr mitzutragen.

Finger helfen beim Zählen

Ich bete immer sieben „Gesätze“, diese Ordnung tut mir gut. Die zehn Ave-Maria eines Abschnittes können auch ohne Rosenkranz leicht mitgezählt werden. Daumen hoch beim ersten Ave-Maria, für die weiteren berühre ich mit dem Daumen die Kuppen der anderen Finger. Zuerst kommt die rechte Hand an die Reihe, dann die linke. Und um mich zu orientieren, wie weit ich im gesamten Rosenkranzgebet schon gekommen bin, habe ich Hilfen eingebaut. So bete ich zum Beispiel im dritten Abschnitt immer für meine drei Kinder („… Jesus, der meinen Kindern den Weg zu Gott zeigen möge“). Im fünften Abschnitt bitte ich um Erleuchtung für mein Leben aus den fünf Büchern Mose. Mein persönliches Rosenkranzgebet auf dem Laufband ist also eine Mischung aus Bekenntnis, Dank- und Bittgebet. Am Anfang und am Ende bete ich das Ehre sei dem Vater und das Glaubensbekenntnis und zwischen den Gesätzen ein Vaterunser.

Karl Herndl betet beim Sport den Rosenkranz.
Karl Herndl betet beim Sport den Rosenkranz. © privat

Zeit fürs Gebet

Ich bete sehr langsam und lasse die einzelnen Worte wirken. Die Pausen zuzulassen, ist gar nicht so einfach, wenn man gestresst auf das Laufband geht, es gelingt aber im Verlauf der Übung immer besser. Insgesamt bin ich eine Stunde mit dem Laufen und dem Beten beschäftigt. Ich habe das Gefühl, dass die sieben Gesätze für mich genau das richtige Maß sind.Dieses Erlebnis auf dem Laufband zeigt mir immer wieder, wie wichtig wiederkehrende Gebete für meine Seele sind. Ich kann dabei wunderbar abtauchen in ein tiefes Gespräch mit dem Schöpfer, Jesus und seiner Mutter. Außerdem ist es mir wichtig, regelmäßig Zeit für das Gebet zu finden. So nutze ich die Stunde auf dem Laufband und verbinde die körperliche Ertüchtigung mit der seelischen.

Es kommt immer wieder vor, dass ich die geplante Übungseinheit verschieben muss, wenn ich noch auf den Rückruf eines Kunden warte, oder die Details für die Planung eines Einsatzes als Coach keinen Aufschub dulden. Irgendwann ist es dann aber doch so weit, dass ich Zeit für den Sport finde. Ich spüre dann, wie ich am Anfang noch aufgewühlt bin und mich die Gedanken des Tages nicht loslassen. Je mehr ich mich aber auf das Laufen und Beten einlasse, desto besser gelingt es, Frieden zu finden, echten inneren Frieden. Der Mann, der auf das Laufband steigt, ist immer ein anderer als der, der davon wieder heruntergeht. Der Geist ist wieder frei geworden. Die Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen hat beruhigt und Kraft gespendet, um das Notwendige neu anzugehen. (Karl Herndl)

Der Autor des Textes lebt in Klagenfurt. Er ist Vortragender, Buchautor und Coach von Führungskräften und Verkäufern.