Broschüre „Religiöse und kulturelle Vielfalt“

Respektvolles Miteinander an Schulen

Ein Kind ist Muslim, ein anderes katholisch und wieder ein anderes hat gar keinen Glauben. Religiöse und kulturelle Vielfalt gehört an Bayerns Schulen längst zum Alltag. Aber, wie wird sie gelebt? Lehrerinnen und Lehrer hilft da eine neue Broschüre.

Die neue Broschüre für Schulen

München – Oft beginnt es schon mit dem Schulgottesdienst: Wer geht eigentlich mit? Ganz klar, gezwungen wird niemand. Aber was ist, wenn Achmed und Chen-Lu auch mit möchten? Oder aber, wenn Xaver fragt, warum Yusuf nicht mitgeht. Fragen auf die ein Lehrer eingehen muss.

Religiöse und kulturelle Vielfalt ist an unseren Schulen längst Alltag. Aber, so die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sie stelle Lehrerkräfte auch vor eine große Herausforderung. Deshalb sei es wichtig, Lehrer und Lehrerinnen stark zu machen, denn nur ein starker Lehrer sei ein guter Lehrer, meint Fleischmann. Und um Stärke zu erlangen ist Wissen und Information wichtig.

Die neue Broschüre „Religiöse und kulturelle Vielfalt an Schulen“ bietet den Pädagogen die Möglichkeit sich auf diesem Gebiet fit zu machen. Auf rund 90 Seiten erhalten sie neben grundlegenden und wissenschaftlichen Beiträgen konkrete Anregungen und Tipps für den schulischen Alltag. Unterrichtsmaterialien sollen helfen, die integrative Arbeit trotz aller Schwierigkeiten optimal fortsetzen zu können. Ziel ist es, wertschätzendes Miteinander zu stärken und alle am Schulleben Beteiligten darin zu unterstützen, die Potentiale von Vielfalt zu erkennen und zu nutzen.

Die Broschüre gibt der BLLV zusammen mit der Erzdiözese München und Freising heraus. Sie wird ab kommender Woche an alle bayerischen Grund- und Mittelschulen verteilt.

Positiv gelebte Pluralität

Wie Fleischmann sieht Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump die religiöse Vielfalt als Bereicherung: „Wir dürfen Religion nicht als Problem verstehen und aus dem schulischen Miteinander verbannen, in der falschen Hoffnung, dadurch Konflikte zu vermeiden.“ Stattdessen gelte es, die religiöse, aber auch die soziale und kulturelle Prägung der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen und als Chance zu sehen: „Gerade in den Schulen kann eingeübt werden, wie man anderen Überzeugungen mit Respekt und Interesse begegnet, ohne dass die Tradition des eigenen Glaubens geschmälert oder aufgegeben werden muss.“ Das bedeute, so Krump, keinesfalls eine Vermischung der Religionen, sondern das Ziel sei Verständigung und Frieden. Pluralität müsse positiv gelebt werden, damit sie für die Kinder zu einer Bereicherung werde, fügt sie hinzu. Die Lehrkräfte bei dieser schwierigen Aufgabe zu unterstützen sei ihr ein Anliegen und deshalb sei ihr die Broschüre eine Herzensangelegenheit.

Die Fragen der Kinder

„Die Kinder sind die Gesellschaft von morgen“, betont auch BLLV Präsidentin Fleischmann. Sie ist überzeugt davon, dass Mädchen und Buben selbst die Vielfalt wollen. Als Lehrerin, Rektorin, aber auch in ihrer Zeit beim BLLV habe sie es nie erlebt, dass Kinder gegenüber Mitschülern sagen: „Äh? Wer ist denn das? Was will der denn?“ „Kinder wollen verstehen, sie wollen etwas über andere erfahren und andere annehmen und das ist eine Riesen-Chance“, fügt sie hinzu. Dabei sei es ihr wichtig Lehrer zu motivieren stark zu sein und sich die Zeit zu nehmen, Kinderfragen zu beantworten. Lehrer sollten, so Fleischmann, sich fragen: „Was ist jetzt hier im Klassenzimmer Thema?“ Und das, was Thema ist, solle dann besprochen werden. Natürlich sei das ein schwieriger Balanceakt und es sei nicht leicht zu sehen, dass der Lehrer im Zimmer nebenan im Mathebuch schon auf Seite 87 sei, während man selbst noch auf Seite 50 rumdümple. Aber das Schönste am Lehrerberuf sei es, die Fragen der Kinder aufzunehmen. „Wir sind Pädagogen. Wir ERZIEHEN und BILDEN.“ Also müssen wir uns die Zeit nehmen zu schauen – was sind die Themen der Kinder“, so die BLLV-Präsidentin. Die Frage, warum Yusuf nicht mit in den Schulgottesdienst geht sei deshalb eine ganz wichtige, die Platz zwischen Mathe und "Lesen lernen" finden müsse.

Die Broschüre „Religiöse und kulturelle Vielfalt in Schulen“ möchte die Lehrer und Lehrerinnen unterstützen und erklärt so die Festtage der unterschiedlichen Religionen genauso wie sie Tipps für die konkrete Gestaltung von gemeinsamen Festen gibt.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de