Corona verstärkt Armut

Rentner erhält das 20.000 Essen bei der Gemeinschaft Sant’Egidio

In der Pandemie hat sich die Anzahl der Menschen verdreifacht, die sich am Wochenende bei der Mensa von der Gemeinschaft Sant’Egidio eine warme Mahlzeit holen. Die Ausgabe des 20.000. Essens ist daher auch ein deutliches Warnsignal für die wachsende Armut seit Beginn der Krise.

Rentner Ernst Schwab hat das 20.000 Essen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Empfang nehmen dürfen.

München – Es gibt noch einiges zu tun: Nachdem die Helferinnen und Helfer von Sant’Egidio im gemeinsamen Plenum die Aufgaben besprochen und aufgeteilt haben, geht es noch für ein gemeinsames Gebet in die Kirche St. Sylvester in Alt-Schwabing, die direkt neben dem Englischen Garten liegt. Noch ein kurzes Innehalten bevor um 12 Uhr die Essensausgabe beginnt. Danach werden unten im Pfarrzentrum die heutigen Gerichte in hellblaue Taschen verpackt: Rinderbraten und Spinatknödel für die Vegetarier. Währenddessen sammeln sich langsam die ersten Menschen draußen vor der Tür. Ein geordnetes Gewusel: Jeder weiß, was zu tun ist, denn Corona verlangt einen geregelten Ablauf. An der Tür steht eine Helferin mit Desinfektionsspray, FF2-Masken und Wartenummern werden verteilt und reichlich Abstand gehalten. Alles ist ein bisschen wie immer, dennoch ist heute ein besonderer Tag, der ein wenig zum Feiern anmutet. Heute wird das seit Beginn der Pandemie 20.000. Essen ausgegeben.

Wachsende Armut in der Pandemie

 Mit reichlich Applaus darf der 78-jährige Ernst Schwab heute als Erster seine Essenstüte abholen. Dazu gibt es einen Blumenstrauß und eine Glückwunschkarte. Die geballte Aufmerksamkeit verunsichert den kleinen Herren zuerst, doch dann strahlt er bald bis über seine Maske hinaus. „Ich habe mich sehr gefreut“, erzählt der Rentner, der schon seit Jahren bei Sant’Egidio vorbeikommt. Bei all der Feierlichkeit kommt aber auch etwas anderes zutage: Die wachsende Armut in der Pandemie. Seit Beginn der Corona-Krise hat sich die Anzahl der Menschen, die bei Sant’Egidio Hilfe gesucht hat von 100 auf 300 erhöht, sodass das durch Spenden finanzierte Essen nun anstatt nur samstags auch sonntags ausgegeben wird. „Viele sind ganz neu in die Armut gefallen“, erzählt Sant’Egidios Leiterin Ursula Kalb. Sie beobachtet, dass vor allem Menschen aus prekären Beschäftigungsverhältnissen während der Pandemie arbeitslos geworden sind und ihre Wohnung verloren haben. Außerdem würden auch mehr ältere Menschen mit Migrationshintergrund vorbeikommen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie