Heiligenverehrung

Reliquie vom Patron der Ministranten gefunden

In den Tresoren vieler Sakristeien lagern längst vergessene Schätze. In München-Haidhausen ist nun eine ganz besondere Heiligenreliquie wieder zum Vorschein gekommen.

Pater Friedrich mit Knochenreliquie des heiligen Jesuiten Johannes Berchman. © SMB/Hasel SMB/Hasel

München - Normalerweise öffnet Pfarradministrator Pater Alfons Friedrich den schrankgroßen Safe in der Sakristei der Haidhauser Pfarrkirche St. Johann Baptist nur zu hohen Festtagen. Dann holt er von dort einen besonders wertvollen Kelch für die Eucharistiefeier oder eine edle Monstranz für die Aussetzung des Allerheiligsten hervor.

Jetzt schaut Pater Friedrich aus einem eher routinemäßigen Anlass in den Tresor. Die Katalogisierung der Sakralgegenstände der Pfarrei steht gerade an. Dabei macht der Salesianer einen Überraschungsfund. Ganz unten im Safe liegt eine alte braune Kiste mit der Aufschrift: „Heiliger Johannes Berchmans, Patron der Ministranten, Gedenktag 26. November“.

Urkunden bezeugen Echtheit 

In der Kiste findet er ein kleines Wechselreliquiar, in der sich eine circa ein Millimeter große Knochenreliquie des heiligen Jesuiten (1599 – 1621) befindet. Mehrere Urkunden, die die Echtheit der Reliquie bezeugen, liegen auch mit dabei. Eine ist datiert auf den 2. November 1933, und der damalige Generalvikar des Erzbistums, Ferdinand Buchwieser, erklärt darin, dass es gestattet ist, die Reliquie „bei Gottesdiensten der Münchner Ministranten zur Verehrung anzusehen und zum Kuss zu reichen“.

Wer war Johannes Berchmans?

Johannes Berchmans ist am 13. März in Diest (Belgien) geboren. Er war der Sohn eines Schuhmachers. Mit 17 Jahren schloss er sich dem Jesuitenorden an und wurde mit 19 Jahren zum Studium nach Rom geschickt. Er war für seine Tugendhaftigkeit bekannt und war ein Vorbild für die strengere Einhaltung der Ordensregeln. Er starb mit 21 Jahren an einer unheilbaren Krankheit. Er ist Patron der Studenten, der Jugend und Ministranten. Sein Andenken wird am 26. November gefeiert.

Ministrantentreffen zu Ehren des Patrons

Dass diese Verehrungsform tatsächlich praktiziert wurde, bestätigt ein ebenfalls beigelegter undatierter Artikel, der wahrscheinlich aus der Münchner Kirchenzeitung stammt. Er schildert, wie die Münchner Ministranten gemeinsam im Liebfrauendom den Gedenktag ihres Patrons gefeiert haben. Der Autor nennt darin als Höhepunkt „die imposante Ministrantenprozession in höchst erbaulicher Weise, ein herrliches Bild“.

Nach dem Segen sei „zum ersten Male eine wertvolle Reliquie des Hl. Johannes Berchmans den nahezu 400 Ministranten zum Kusse“ gereicht worden, heißt es weiter. Aufgrund dieser Angaben kann man davon ausgehen, dass Ende November 1933 im Dom das erste große Ministrantentreffen erstmals zu Ehren Johannes Berchmans stattgefunden hat.

Wiederbelebung Berchmans als Mini-Patron geplant

Wie die Reliquie später nach Haidhausen gelangt ist und wie sie dort in St. Johann Baptist eingesetzt wurde, weiß Pater Friedrich nicht. Er könne sich aber durchaus vorstellen, das Reliquiar einmal im Jahr aus dem Safe zu holen, um die neu aufgenommenen Ministranten damit zu segnen. Überhaupt hat es ihm der Heilige, der außerhalb des Jesuitenordens nur wenig bekannt sein dürfte, angetan. Seit seinem Reliquienfund beschäftigt sich Pater Friedrich intensiv mit dem Belgier Johannes Berchmans, einem jungen Ordensmann aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der fest entschlossen war, schon in jungen Jahren ein heiligmäßiges Leben zu führen. Dieses klare Zeugnis des fröhlichen Jesuiten eigne sich gut für die Kinder und Jugendlichen von heute, findet Pater Friedrich. Und als Salesianer, dem die Jugendarbeit besonders am Herzen liegt, scheint er tatsächlich fest entschlossen zu sein, Johannes Berchmans neben dem heiligen Märtyrer Tarcisius als zweiten Patron der Ministrantenschar von St. Johann Baptist zu etablieren.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
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