Interview

Polizeibischof nimmt Beamte in Schutz

"In der Uniform stecken Menschen" stellt Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof im Interview über Polizei und Rassismus klar. Er ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Seelsorge in der Bundespolizei.

Der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof ist seit 2016 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Seelsorge in der Bundespolizei.

München – Der Umgang von US-Polizisten mit Afroamerikanern hat auch in Deutschland für Gesprächsstoff gesorgt. Der Vorwurf von latentem Rassismus in den Reihen der Beamten wurde erhoben. Zugleich sehen sich Polizisten bei Einsätzen immer öfter starken Aggressionen ausgesetzt. Im Interview spricht der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof (59) über die derzeitige Lage. Er ist seit 2016 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Seelsorge in der Bundespolizei.

Herr Weihbischof, die Polizei ist auf vielfältige Weise in die Schlagzeilen geraten. Sind Sie und Ihre dort tätigen Seelsorgekollegen derzeit besonders gefragt?

Wolfgang Bischof: Ja. Ich erlebe das selbst und auch die Polizeiseelsorger in den bayerischen Regionen berichten es mir: Gewalt gegen Polizisten ist leider zu einem großen Thema geworden. Daraus folgt, dass viele Polizeibeamte das seelsorgliche Gespräch suchen.

Welche Sorgen und Probleme werden an Sie herangetragen?

Bischof: Beamte berichten von Gewalt, insbesondere von verbaler Gewalt und offenen Anfeindungen. Und die Erfahrung beschimpft zu werden, verbalen Attacken ausgeliefert zu sein, Menschenverachtendes über seinesgleichen zu lesen oder zu hören, lässt leider manch guten, rechtschaffenen Polizeibeamten den Sinn des eigenen Wirkens hinterfragen.

Das Vorgehen der US-Polizei im Fall George Floyd führte auch hierzulande zu Diskussionen. Die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken behauptete zudem, es gebe auch bei der deutschen Polizei "latenten Rassismus". Was ist Ihr Eindruck?

Bischof: Solche pauschalen Verdächtigungen oder gar Verurteilungen sind ungerecht und falsch. Wir müssen immer wachsam sein und genau hinsehen, wenn es Verdachtsfälle von Rassismus in der Polizei gibt. Wenn sie bemerkt werden, muss dagegen konsequent vorgegangen werden. Und wenn sich Verdachtsfälle erhärten, müssen die betreffenden Beamten bestraft und aus dem Dienst entfernt werden. Es gilt Null Toleranz: Das hat sich die Polizeiführung auf ihre Fahnen geschrieben und auch wir als Polizeiseelsorge vermitteln das im berufsethischen Unterricht.

Zuletzt sorgte eine als Satire gedachte taz-Kolumne für Aufregung, die die Polizei in die Nähe von Müll rückte. Die Chefredakteurin entschuldigte sich und erklärte, der Beitrag sei "danebengegangen". Wie ist Ihre Haltung dazu?

Bischof: Mir ist klar, dass Satire einem besonderen Schutz unterliegt, aber das gilt auch für die Würde des Menschen. Die Würde der Polizeibeamten ist in dieser Kolumne leider ignoriert worden. Viele Polizistinnen und Polizisten fühlten sich persönlich verletzt. Umso wichtiger war für sie zu sehen, dass sie viel Rückhalt aus der Bevölkerung erfahren in den Sozialen Medien und im direkten Gespräch. Ich hoffe sehr, dass die breite Diskussion über diesen Text zur Folge hat, dass die gesellschaftliche Debatte über unsere Polizei besonnener geführt wird. Es muss verstanden werden, dass in der Uniform Menschen stecken. (kna)