Gewalt gegen Polizei

Polizei-Bischof: Polizisten brauchen unsere Solidarität

Die jüngsten Übergriffe auf Polizisten haben auch die Polizeiseelsorge auf den Plan gerufen. Polizei-Bischof Wolfgang Bischof erklärt, was es nun braucht, um die Krise zu entschärfen.

Polizei-Bischof Wolfgang Bischof im Interview mit mk online © EOM

München – Dass aus Worten Taten werden können, haben die jüngsten Übergriffe gegen Polizisten in Stuttgart und Frankfurt am Main gezeigt. In sozialen Netzwerken wurde zuvor zu aggressivem Verhalten gegen Polizeibeamte aufgerufen. Nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd Ende posteten zehntausende User unter den Hashtags wie #Georgefloyd und #Blacklivesmatter zunächst Beiträge, die sich gegen Rassismus und Polizeigewalt richteten.

Auch in Deutschland wurde heftig über das Thema diskutiert. Später änderte sich der Ton aber massiv. Aus Tweets gegen Polizeigewalt wurden Tweets gegen die Polizei. In München schlugen die Wellen hoch, als vor kurzem bekannt wurde, dass Polizisten angeblich Männern mit dunkler Hautfarbe den Zutritt zum Englischen Garten in München verweigert haben sollen.

Zweifel am Sinn des Polizeidienstes

Dass die Polizei von vielen nicht mehr automatisch als Freund und Helfer angesehen wird, ist eine Entwicklung, die auch dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Polizeiseelsorge und die Polizeiarbeit in Deutschland, Wolfgang Bischof, Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Es dürfe nicht sein, dass Gewaltverhalten gegen die Polizei in sozialen Medien dokumentiert und von einigen regelrecht gefeiert werde, so der Münchner Weihbischof gegenüber mk online. Hinter den Uniformen steckten Menschen mit Gefühlen. Wenn es dann auch noch zu Übergriffen wie in Stuttgart und Frankfurt kommt, zweifelten manche Polizisten am Sinn ihres Dienstes. In dieser Zwickmühle versuchten die Polizeiseelsorger den Beamten zu helfen. Die Polizisten könnten sich den Seelsorgern ohne Vorbehalte anvertrauen, versichert Bischof. Schließlich sei die Polizeiseelsorge ein absolut geschützter Bereich, in dem die inneren seelischen Dinge ausgesprochen werden könnten.

Corona Krise hat Polizisten dünnhäutiger gemacht

In Corona Zeiten habe dieser Austausch zwischen Polizisten und Seelsorgern zudem eine weitere Dimension bekommen. Denn die Beamten in Uniform müssten sich wie alle anderen Bürger auch persönlich mit dem gefährlichen Virus auseinandersetzen. „Habe ich den Virus, habe ich ihn nicht, wo trage ich ihn hin? Das sind Fragen, die das Innerste des Menschen berühren und die die Betroffenen natürlich auch dünnhäutiger werden lassen.“ Das alles spiele eine Rolle bei den Corona bedingten Kontrollen, die die Polizisten durchführen müssen. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, wenn die Beamten dabei auch noch angegriffen werden. Die Kirche stehe hier ohne Wenn und Aber an der Seite der Polizisten, betont der Polizei-Bischof. Diese „sind auf unsere Solidarität angewiesen“. Sie bräuchten zudem das „Wissen darum, dass das, was sie in uns aller Auftrag tun, wertgeschätzt wird“.

Polizei-Bischof setzt auf Vernunft der Feiernden

Der Weihbischof setzt deshalb vor allem auf die Vernunft der Menschen und hofft, dass Übergriffe wie in Stuttgart und Frankfurt in bayerischen Städten vermieden werden können. Gerade im Freistaat sitze man ja gerne gemütlich beieinander und auch hier fördere die Aufforderung der Polizei, die Mindestabstände einzuhalten, natürlich die Emotionalität der Feiernden. Er hoffe aber, dass es bei den Corona bedingten Kontrollen auch in Zukunft „nur zu verbalen Attacken“ gegenüber der Polizei kommen werde.

Polizei muss sich Fehlentwicklungen stellen

Und natürlich müsse auch die Polizei bereit sein, sich kritisch zu hinterfragen. Wenn einzelne Beamte sich rassistisch verhielten, sei das eine Fehlentwicklung, der man sich stellen müsse, meint Bischof. Die ganze Polizei unter Rassismus-Verdacht zu stellen, lehnt er ab. In den kommenden Wochen und Monaten komme es nun darauf an, die sachlichen Dinge von den emotionalen zu trennen. Die Beteiligten müssten sich fragen, ob in der konkreten Auseinandersetzung Emotionalität überbordend ist und sich dem realen Hintergrund entzieht. Hier müsse man genau hinschauen und im Zweifelsfall auch deutlich sagen, „dass Grenzen nicht überschritten werden dürfen“, so Bischof weiter. Nur auf diese Weise könne es gelingen, dass am Ende alle Betroffenen ohne größeren Schaden durch die Krise kommen.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de