Neue pastorale Stelle in Oberammergau

Planen für die Passion

Passionsspiele 2020 - die sind doch erst in gut drei Jahren. Aber schon jetzt nehmen sie Fahrt auf. Das Erzbistum München und Freising hat für die Vorbereitung und Begleitung Angelika Winterer beauftragt.

Passionsspiele in Oberammergau - für die Vorbereitung und Begleitung hat das Erzbistum München und Freising eine eigene Stelle eingerichtet © SMB/Czech

München/Oberammgau – Wenn Angelika Winterer in den nächsten Monaten auf den Kofel oder den Laber steigt, dann gehen auch immer die nächsten Oberammergauer Passionsspiele mit. Die 42jährige ist eine Art theologische Begleiterin für das Ereignis, das 2020 den Namen des kleinen oberbayerischen Dorfes wieder in alle Welt hinausträgt. Ganz offiziell ist sie für die „pastorale Vorbereitung und Begleitung der Passionsspiele“ von der Erzdiözese angestellt. Schon vor ihrer Einführung am vierten Adventssonntag beschäftigt sich Angelika Winterer mit spirituellen Bergwanderungen.

Auf denen will sie mit den Teilnehmern die berühmten „lebenden Bilder“ durchmeditieren. Die biblischen Szenen gehören zu jeder Aufführung des Passionsspiels dazu. „Die ersten Routen sind zusammen mit dem Bildungswerk und dem Alpenverein schon geplant“, sagt die passionierte Bergsteigerin, die auf jedem Alpenpfad neue Einfälle für ihre Aufgabe hat. Zuhause wälzt sie dann viele Bücher: Denn auch einen Leseclub will sie vor den Passionsspielen anbieten. Dabei können sich Gruppen über Romane austauschen, in denen Menschen aus dem Alten oder Neuen Testament die Hauptrolle spielen.

Kein folkloristisches Jesus-Spektakel

Schon die ersten Ideen machen das Ziel ihrer Arbeit deutlich: Menschen zu begleiten, die mit der Passion in Berührung kommen oder sich tiefer damit befassen wollen. Denn eines ist für Angelika Winterer klar: Die Tradition in Oberammergau ist kein folkloristisches Jesus-Spektakel: „Das hat etwas mit dem Leben zu tun und kann uns auch helfen, angesichts der unzähligen Passionen unseres Lebens und der ganzen Welt“, sagt die Theologin. In gut drei Jahren stehen hunderte Oberammergauer dafür wieder auf der Bühne. Die ersten Vorabflyer für die Reiseanbieter werden schon getextet. Für Besuchergruppen aus anderen Pfarreien will Winterer dann Begegnungsmöglichkeiten schaffen, vielleicht in der Vorstellungspause auch Bühnenakteure zu „Backstage-Gesprächen“ einladen. Zunächst einmal will sie aber bei den „Leuten heraushören, was sie brauchen könnten“.

Pastorale Passionsbegleiterin in Oberammergau: Angelika Winterer
Pastorale Passionsbegleiterin in Oberammergau: Angelika Winterer © SMB/Schmid

Stückl kennt sich aus

Da schwingt viel Respekt bei Winterer mit. Die treue Erfüllung des Gelübdes seit fast 400 Jahren, dass ein ganzes Dorf für das Ereignis zusammenwirkt und eine halbe Million Gäste freundlich begrüßt – das sei etwas ganz besonderes, betont sie: „Und das in einer Zeit, wo die Kirchlichkeit immer mehr verblasst und auch der Zugang zu unserer christlichen Botschaft, das ist schon eine Leistung“. Mit dem Spielleiter Christian Stückl hat sich Winterer, die ihre Doktorarbeit zum Römerbrief geschrieben hat, schon „auf einen Kaffee getroffen“ und war beeindruckt, wie „gut er sich theologisch auskennt“. Wie er das Stück inszenieren wird, darauf ist schon jetzt gespannt. Es wird schließlich ihre allererste Passion sein, die sie miterlebt. Wie stark deren Bilder wirken können, hat sie aber bereits bei einem Aufenthalt in Bolivien erfahren. Dort begleitete sie einen befreundeten Priester zu Katechesen in Indio-Dörfer. Dabei hatte er immer ein Bild von der Abendmahl-Szene in Oberammergau im Gepäck, weil das die Einheimischen so begeisterte. (Alois Bierl)

Die Einführung von Angelika Winterer findet am 18. Dezember um 10.00 Uhr in der Oberammergauer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul statt.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele