Bayerischer Kultusminister

Piazolo über Stellenwert und Zukunft von Bildung

Junge Menschen sollen lernen, reflektiert mit digitalen Medien umzugehen. Das fordert der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in einem Interview mit der Münchner Kirchenzeitung (MK). Ausdrücklich lobt er das Engagement der katholischen Kirchen in Sachen Bildung.

Der bayerische Kultusminister Piazolo will Jugendlichen Orientierung im digitalen Zeitalter geben

Münchner Kirchenzeitung (MK): Wie definieren Sie als bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus den Begriff Bildung?
Piazolo
: Im Sinne unserer Bayerischen Verfassung zielt Bildung im Kern immer auf eine umfassende Persönlichkeitsbildung ab. Sie berücksichtigt alle Facetten des menschlichen Lebens und befähigt durch den Dreiklang aus Wissen, Können und Werten zu einem erfüllten und erfolgreichen Leben. Dabei schafft sie auch die grundsätzlichen Voraussetzungen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eröffnet zugleich Startchancen für eine gelingende berufliche Laufbahn. Dazu leisten unsere Schulen einen wertvollen Beitrag. Die Lehrerinnen und Lehrer bereiten unsere jungen Menschen bestmöglich auf die Anforderungen vor, die ihnen in Zukunft begegnen werden.

MK: Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Bildung gelingen kann?
Piazolo: Als übergeordnetes Ziel sehe ich es an, für vergleichbar gute Lebens- und Bildungschancen in allen Landesteilen zu sorgen. Ganz zentral ist dabei das differenzierte Schulsystem. Mit seiner hohen Durchlässigkeit können die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Anlagen, Interessen und Talenten einen Bildungsweg finden, der ihnen bestmöglich entspricht.

MK: Welche Bildungsinhalte sollten heute unbedingt jungen Menschen vermittelt werden? Wo gibt es Nachholbedarf beispielsweise bei der Digitalisierung?
Piazolo
: Es ist wichtig, den jungen Leuten im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung die notwendige Orientierung zu geben und ihnen Konzepte anzubieten, auf die sie zurückgreifen können. Sie sollen beispielsweise reflektiert und sinnvoll mit digitalen Medien umgehen können und auch für deren Gefahren sensibilisiert sein, das ist mir ganz wichtig. Auch sollen sie in ihrer Persönlichkeit und ihren Werten gestärkt sein. Dazu gehört unter anderem die Verwurzelung in Heimat und Kultur, die wir auch im Unterricht weiter fördern wollen, zum Beispiel indem wir die Beschäftigung mit der regionalen Kultur noch weiterentwickeln.

MK: Welche Rolle nimmt die katholische Kirche im Bereich der Bildung ein?
Piazolo
: Die katholische Kirche in Bayern engagiert sich vielfältig im Bereich der Bildung, sowohl unserer jungen Menschen als auch der Erwachsenen. Im Bereich der Schule denke ich hier beispielsweise an den konfessionellen Religionsunterricht, der in inhaltlicher Verantwortung der Kirche erteilt wird, oder an die stattliche Anzahl der Schulen in Bayern, die sich in kirchlicher Trägerschaft befinden und an denen mit besonderer Akzentsetzung hervorragende Bildungsarbeit geleistet wird. Darüber hinaus eröffnet die katholische Kirche mit einem breiten Spektrum an Angeboten den Menschen im Freistaat die Möglichkeit, sich in mannigfaltiger Hinsicht Kenntnisse anzueignen und sich insbesondere fundiert eine Meinung zu verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Themen zu bilden. Dabei hat sie immer auch die kulturelle und politische Bildung sowie das soziale Miteinander und das ehrenamtliche Engagement im Blick.

MK: Wie wichtig ist für Sie der Religionsunterricht?
Piazolo: Der konfessionelle Religionsunterricht ist im Grundgesetz verankert und ist eine wichtige Säule im bayerischen Bildungswesen. Er fördert die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Ausgehend von der eigenen konfessionellen Tradition erschließen sich in ihm die Schülerinnen und Schüler mit dem religiösen Zugang zur Wirklichkeit eine spezifische Dimension der Welterfahrung. Dabei ist die religiöse Mündigkeit der Schülerinnen und Schüler ein zentrales Anliegen des Religionsunterrichts. Das bedeutet, sie zu befähigen, im Blick auf zentrale Fragen des Lebens einen reflektierten Standpunkt einzunehmen und aus einer – auch religiös – begründeten Perspektive heraus einen verantwortlichen Umgang mit der Umwelt und ihren Mitmenschen zu pflegen. Der Religionsunterricht regt auf diese Weise zum Dialog und respektvollen Miteinander mit Mitgliedern anderer Glaubensrichtungen an. Damit unterstützt er das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft.

MK: Gibt es Ihrer Ansicht nach ein katholisches Spezifikum beim Thema Bildung?
Piazolo
: Der Blick auf das biblisch-christliche Menschenbild macht klar: Bildung muss stets den einzelnen Menschen mit seiner unveräußerlichen Würde ins Zentrum stellen. Indem die Kirchen dies immer wieder ins Bewusstsein rufen, leisten sie einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen sowie bildungspolitischen Diskurs. Auf der anderen Seite nehmen es die Schulen auch als ihre Aufgabe wahr, die Schülerinnen und Schüler zur Anerkennung kultureller und religiöser Werte zu erziehen sowie Kenntnisse von Geschichte, Kultur, Tradition und Brauchtum unter besonderer Berücksichtigung Bayerns zu vermitteln und die Liebe zur Heimat zu wecken.

MK: Haben Sie bei diesem Thema einen Wunsch oder eine Bitte an die Kirche?
Piazolo: Ich freue mich über das vielfältige Engagement der katholischen Kirche für die Bildung der Menschen in Bayern und hoffe, dass sie auch weiterhin mit spannenden und fundierten Angeboten die Menschen für kulturelle und politische Bildung begeistert und ihnen wertvolle Anregungen für ein gutes und respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft mitgibt.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de