75 Jahre Messdiener

Paul Bauer: Der vermutlich älteste Ministrant des Erzbistums

An Kirchweih feiert der 84-jährige Paul Bauer sein Kronjuwelenjubiläum als Ministrant in der Münchner Pfarrei Sankt Joseph. In den letzten Jahrzehnten hat ihn nichts von diesem Dienst abbringen können.

Zum 70. Ministranten-Jubiläum gab’s eine Urkunde vom Papst für Paul Bauer.

München – Er liegt schon ein Dreivierteljahrhundert zurück, aber an seinen ersten Gottesdienst als Ministrant kann Paul Bauer sich trotzdem noch genau erinnern. „Es war der Kirchweihsonntag 1946 und der damalige Pfarrer von St. Joseph war Pater Joachim.“ Unter dem strengen Kapuziner lernte er das Ministrieren – inklusive der Gebete: auf Latein. „Am ersten Tag habe ich das aber natürlich noch nicht alles gekonnt“, gesteht Bauer heute.

Gottesdienste in der Gärtnerei

Damals war er neun Jahre alt. Jetzt, mit 84, ministriert er noch immer. Die Josephskirche in der Münchner Maxvorstadt kennt er wie seine Westentasche. Heute ist sie eine der größten Kirchen Münchens. Als Bauer 1946 mit dem Ministrieren anfing, sah die Kirche aber noch komplett anders aus: Vollkommen zerstört vom Krieg standen nur noch die Außenwände des 1902 errichteten neuromanischen Baus. „Von der Fassade bis zum Presbyterium konnte man wie durch einen Tunnel durchschauen“, erinnert sich der Urministrant. Weil die Kirche nicht nutzbar war, suchte die Gemeinde nur wenige hundert Meter weiter Zuflucht in Paul Bauers Elternhaus in der Adalbertstraße. Dort lebt er heute immer noch.

Damals fanden die ersten Gottesdienste, in denen er ministrierte, im Pflanzenkeller seines Großvaters statt. Nur ein paar Stockwerke betrug der Weg zum Gottesdienst also. Umso häufiger musste er ihn jedoch gehen. Auch ohne Kirchengebäude pflegten die Kapuziner von St. Joseph ein strammes Gottesdienstprogramm. „Werktags waren es vier Messen und an Sonntagen sogar sechs“, weiß Bauer.

Der wahrscheinlich älteste Ministrant der Diözese

Heute wird nur noch ein Bruchteil der Gottesdienste gefeiert, dafür steht die Kirche aber wieder. Doch auch anderenorts hat Bauer während seiner langen Messdienerkarriere ministriert. So zum Beispiel am großen Festaltar auf der Theresienwiese, auf der 1960 im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses ein Gottesdienst stattfand – „das war ein echtes Highlight!“. Damals war Bauer 23.

Jetzt ist er mit 84 Jahren der wahrscheinlich älteste Ministrant im Erzbistum. Die meisten seiner Kollegen sind neun bis 25 Jahre alt. Älter als 27 ist nur ein Prozent aller Messdiener in der Diözese. In den Werktagsgottesdiensten ist er inzwischen meist der einzige Ministrant. An den Sonn- und Feiertagen überlässt er aber gerne den Jüngeren das Ruder. „Ich kann eh nicht mehr so schnell gehen mit meiner Arthrose in den Knien.“

Ansonsten stellt sich aber nahezu nichts zwischen Bauer und seinen Dienst. So wie zuletzt bei einem Fahrradsturz: Sonntagabend Unfall, ein paar gebrochene Rippen, Schlüsselbein-OP am Dienstag. Fünf Tage später steht er am Sonntag schon wieder am Altar. Einen Trick gibt’s dafür nicht. „Man muss Interesse haben und bereit sein, zu dienen.“