Allerheiligenlitanei in der Osternacht

Passwort für ein neues Leben

Menschen, die ihn auf seinem Glaubensweg begleitet haben, sind für Abt Johannes Eckert wie Passwörter.

Menschen können für Abt Eckert Passwörter sein. © pfeifferv - adobe.stock.com

Was haben Zahnbürsten und Passwörter gemeinsam? Sie sollten beide mindestens viermal im Jahr gewechselt werden. Als ich diesen humorvollen Hinweis eines IT-Beauftragten las, musste ich ein wenig schmunzeln … Beides wird anscheinend gerne vergessen! Passwörter wurden ursprünglich beim Militär ausgegeben, so dass der, der das richtige Passwort kannte, problemlos auch in der Dunkelheit den Eingang zur Kaserne passieren konnte. Damit ist das große Thema Sicherheit angesprochen, dass sich auch auf unser Leben übertragen lässt. „Wie schütze ich mich vor unguten Einflüssen in meinem Leben? Was sind die Passwörter, die mir Leben eröffnen, die mir Leben zusichern, meinem Leben Sicherheit geben?“

In der Ostergeschichte, wie sie uns der Evangelist Johannes überliefert, begegnen wir Maria von Magdala. Weinend steht sie frühmorgens am leeren Grab. Sie kann nicht fassen, was geschehen ist, und ist voller Trauer über den verlorenen Freund. In ihrem Schmerz kann sie den Auferstandenen nicht erkennen, sondern meint, es sei der Gärtner. Doch dieser spricht das erlösende Wort, das wie ein Passwort ihr neues Leben eröffnet. „Maria“ – Jesus ruft sie mit dem vertrauten Namen, so dass sie im vermeintlichen Gärtner ihren Herrn erkennt.

Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs.
Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. © privat

Jesus spricht mich mit meinem Namen an

Es lohnt sich, das für sich zu meditieren. Wie Maria so spricht auch Jesus mich mit meinem Namen an. Wir sind vertraut miteinander – spätestens seit unserer Taufe. Er ist der Gute Hirte, der jedes einzelne seiner Schafe mit seinem Namen kennt. Dabei ist stets zu bedenken, dass es konkrete Menschen sind, die mich mit Jesus vertraut gemacht haben, durch die er mich angesprochen hat: Die Eltern, Seelsorger und Lehrer, engagierte Christen, Heilige, Vorbilder aus der Geschichte der Kirche und so weiter. Bei der Tauferneuerung in der Osternacht, wenn ein Heiliger nach dem anderen mit seinem Namen angerufen wird, setze ich für mich immer noch eigene Namen hinzu von Menschen, die für mich wichtig sind. Auch sie sind für mich wie Passwörter, die mir Leben im Glauben eröffnet haben. Es lohnt sich, so seine eigene Allerheiligenlitanei von Verstorbenen und Lebenden zusammenzustellen. Mir wird bewusst, wie in unterschiedlichen Situationen und Phasen meines Lebens ganz unterschiedliche Menschen mich auf meinem Glaubensweg begleitet haben. In ihrer Vielfalt entdecke ich eine ungeheure Buntheit des Lebens, das Gottes Geist immer wieder weckt.

Ostern ist das Fest des Lebens, wie es die Farbenvielfalt des Frühlings zum Ausdruck bringt. Vielleicht lag ja Maria von Magdala gar nicht so falsch, wenn sie meinte, dass der Gärtner ihr begegnet sei. Der Auferstandene ist der Gärtner, der Freund des Lebens, der wie der Schöpfer uns zu neuem Leben erweckt. Das ist auch unser Auftrag und wer weiß, vielleicht setzen ja manche auch unsere Namen als Passwörter ein oder fügen sie ihrer persönlichen Allerheiligenlitanei hinzu.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern