Reaktionen auf Anschläge

Pariser Kardinal ruft zu Zusammenhalt auf

Die Attentäter der Terroranschläge von Paris wollten den sozialen Zusammenbruch der Gesellschaft erreichen, sagt der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois. Dem gelte es zu widerstehen. Weitere Reaktionen, etwa vom Zentralrat der Muslime in Deutschland, lesen Sie hier.

Menschen versammeln sich vor der Pariser Kathedrale Notre Dame beim Gedenkgottesdienst am Sonntag, 15. November, für die Opfer der Terroranschläge. (Bild: imago/PanoramiC)

Paris – Der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois ruft die Menschen in Frankreich zu Zusammenhalt auf. "Unser Land geht gerade durch eine Bewährungsprobe", sagte Vingt-Trois in einem Interview der französischen katholischen Tageszeitung "La Croix" (Montag). Die angeordnete dreitätige Staatstrauer sei eine gute Reaktion auf die Bedürfnisse der Menschen, sowie mit Blick auf Solidarität und Gemeinschaft.

Die französische Gesellschaft habe seit fünfzig Jahren in Frieden gelebt, so Vingt-Trois. Konflikte, in die das Land verwickelt sei, seien weit entfernt gewesen. Die aktuellen Ereignisse "geben das Gefühl, der Staat ist im Krieg", so Vingt-Trois. Und Krieg sei "eine Bedrohung für Jedermann". Gerade weil die Attentate in Paris rational nicht erklärbar seien, sei es wichtig, als Christen näher zusammenzurücken und den Landsleuten ein Zeichen der Hoffnung zu geben.

Ein Ziel der Attentäter sei der soziale Zusammenbruch der Gesellschaft, so der Kardinal. Er rief die Christen auf, dem zu widerstehen und die sozialen Bindungen unter den Religionen weiter auszubauen.

Trennlinie verläuft nicht zwischen den Religionen

Drei Tage nach den Terroranschlägen in Paris hält die Bestürzung auch unter weiteren Religionsvertretern an. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki mahnte zu Besonnenheit. Die Reaktion dürfe "nicht kopflos, ja: nicht würdelos" ausfallen, schreibt er in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Express" (Montag). Die Trennlinie in der Welt verlaufe nicht zwischen Religionen oder Kulturen, sondern "zwischen Freiheit und Unfreiheit".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte auf NDR Info, die Terroranschläge dürften nicht für einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik instrumentalisiert werden. Die Kirchen würben mit Nachdruck dafür, dass der Mensch in der Diskussion im Mittelpunkt stehe.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin rief politische wie religiöse Akteure auf, den Terrorismus auszurotten. "Muslime müssen Teil dieser Lösung werden", sagte er im Interview der französischen Tageszeitung "La Croix" (Montag). Frankreich, Europa und die ganze Welt müssten ihre Sicherheits- und Geheimdienste sowie die Polizei mobilisieren, um den Terrorismus zu vernichten. Dafür seien Bildung sowie die Überwindung von Hass notwendig. Zudem müssten Antworten gefunden werden für junge Menschen, die in den Dschihad ziehen wollten.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn wertet die Terrorattentate von Paris als eine "Kriegserklärung". Sie richte sich "nicht nur gegen das Christentum, sondern auch gegen den Westen, gegen die Zivilisation, die Menschenwürde und auch gegen den Islam, der nicht den IS-Vorstellungen entspricht", sagte Schönborn der "Kronen Zeitung" (Montag).

Distanzierung von "Kriegserklärung"

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Bischofs Gebhard Fürst mahnte, Muslime nicht unter Generalverdacht zu stellen. "Wir werden den Mördern und Extremisten nicht den Gefallen tun, das in der Regel gute Miteinander von Christen und Muslimen in unserem Land in Gefahr zu bringen." Es gelte nun, eine "freundliche Gesellschaft" zu verteidigen, betonte Fürst in einem Kondolenzschreiben an den Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois.

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi distanzierte sich von der Formulierung "Kriegserklärung" für die Terroranschläge. Es handele sich vielmehr um "ein Verbrechen", so die Organisation in Berlin. Es brauche nun europäische und internationale Zusammenarbeit. Auch müsse nach den Ursachen des Terrors gefragt werden. "Es muss nachdenklich machen, dass die Täter von Paris nach bisherigen Ermittlungen vor allem aus europäischen Gesellschaften kommen."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, warnte davor, die Anschläge in Zusammenhang mit der Zuwanderungsdebatte zu bringen. Flüchtlinge seien "nicht jene, die den Terror in sich tragen. Im Gegenteil: Sie suchen Zuflucht vor dem Terror", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Die islamischen Verbände in Deutschland verurteilten die Anschläge. "Wir sind bestürzt und entsetzt", heißt es in einer in Köln veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der in der Deutschen Islamkonferenz (DIK) vertretenen Verbände. Die Anschläge seien "auch ein Angriff auf uns", schreiben die Vertreter der Muslime, und weiter: "Die Mörder von Paris irren, wenn sie glauben, sie seien die Vollstrecker eines göttlichen Willens." Die Erklärung unterstützen auch mehrere Verbände, die nicht in der DIK organisiert sind. (kna)