Eröffnung der Osterfeierlichkeiten

Papst wäscht Häftlingen Füße

Wie Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, tat das auch Papst Franziskus am Gründonnerstag bei zwölf Häftlingen.

Papst Franziskus küsst den Fuß eines Häftlings.

Rom – Mit dem Gründonnerstagsgottesdienst in einem römischen Gefängnis hat Papst Franziskus in Rom die Osterfeierlichkeiten eröffnet. Am Nachmittag feierte er im römischen Gefängnis Regina Coeli das Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu. In Anlehnung an eine Demutsgeste Jesu an seinen Jüngern wusch er während des Gottesdienstes zwölf Häftlingen die Füße. Dabei erklärte der Papst, Jesus habe die gängigen Rangordnungen umgekehrt: "Wer Chef sein will, soll anderen dienen."

Christus wird euch vergeben

Eine solche Haltung sei durchaus mit Risiken verbunden. Aber hätten Könige und Herrscher dies mehr beherzt, "wie viele Kriege hätten nicht stattgefunden", so der Papst. Jesus habe sich nicht wie Pilatus die Hände in Unschuld gewaschen, sondern sich niedergekniet und anderen die Füße gewaschen. "Ich bin ein Sünder wie ihr", fuhr der Papst fort, "aber heute vertrete ich unter euch Jesus und knie mich nieder, um wie er euch die Füße zu waschen." Damit wolle er ihnen sagen: "Christus verlässt euch nie, er wird nicht müde, euch zu vergeben." Die zwölf Männer, ausgewählt vom Gefängnisseelsorger Vittorio Trani, stammen aus Italien und sechs anderen Ländern. Die meisten sind Katholiken, zwei Muslime, ein orthodoxer Christ und ein Buddhist.

Gerechte Strafe hat Aussicht auf Hoffnung

Am Ende der Messe mahnte Franziskus in Ergänzung auf eine Ansprache der Gefängnisdirektorin, gerecht könne eine Strafe nur sein, wenn sie Aussicht auf Hoffnung biete. Eine Strafe ohne Hoffnung, ohne Aussicht, dass jemand sich bessern und erneuern könne, sei unchristlich, ja unmenschlich. Daher sei die Todesstrafe an sich schon unchristlich und unmenschlich. Beim Friedensgruß im Gottesdienst hatte der Papst die Insassen zuvor aufgefordert, nicht nur an jene zu denken, die ihnen Gutes täten, sondern auch an jene, die ihnen Übles wollten, sie verletzt hätten.

Begonnen hatte der Besuch des Papstes auf der Krankenstation der Haftanstalt, bevor in der zentral gelegenen Rotunde der Anstalt der Gottesdienst mit der Fußwaschung folgte. Am Ende des Besuchs will der Papst einige Insassen der Abteilung VIII treffen; dort sind unter anderem Sexualstraftäter inhaftiert.

Älteste Haftanstalt Roms

Vor Franziskus hatten bereits Johannes Paul II. im Jahr 2000, Paul VI. 1964 sowie Johannes XXIII. 1958 das Gefängnis im Stadtteil Trastevere unweit des Vatikan besucht, allerdings nicht am Gründonnerstag. Regina Coeli ist die älteste Haftanstalt Roms. Den Namen "Königin des Himmels" hat sie von einem Frauenkloster aus dem 17. Jahrhundert, das der italienische Staat Ende des 19. Jahrhunderts zur Haftanstalt umbaute.

In seiner heutigen Form hat das Gefängnis eine Gesamtkapazität von 750 Plätzen. Wie viele Anstalten des Landes ist aber auch Regina Coeli konstant überbelegt. Diesen Missstand hatte auch Papst Benedikt XVI. 2011 bei seinem Besuch in Rebibbia, dem neuen, größeren Gefängnis Roms, kritisiert. (kna)

Fußwaschung

Zu vielen Abendmahlsgottesdiensten am Gründonnerstag gehört auch die Fußwaschung durch den Priester. Die symbolträchtige Handlung erinnert an die Demutsgeste Jesu, der seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl die Füße wusch. Papst Pius XII. hatte 1955 das jahrhundertealte Ritual als möglichen Bestandteil der Abendmahlsmesse festgeschrieben. Bis vor wenigen Jahren waren nur Männer zugelassen. Im Römischen Messbuch von 1970 etwa war nur von männlichen Teilnehmern die Rede. Das bestätigte 1988 ein Rundschreiben der Gottesdienstkongregation mit dem Titel "Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung". 2016 öffnete Papst Franziskus offiziell das Ritual für beide Geschlechter. In Deutschland und anderen Ländern war es schon zuvor in vielen Gemeinden üblich, auch Frauen zu beteiligen. Auch der Papst selbst hatte bereits vor 2016 Männern und Frauen am Gründonnerstag die Füße gewaschen. (kna)