Weihnachten im Zeichen der Flüchtlinge

Papst geißelt Konsum

Die katholische Kirche gedenkt am zweiten Weihnachtsfeiertag des ersten christlichen Märtyrers Stephanus und aller verfolgten Christen weltweit. Die Zusammenfassung der Weihnachtstage im Vatikan und weltweit hier:

Weihnachten im Zeichen der Flüchtlinge (Bild: enterlinedesign - fotolia.de) © enterlinedesign-fottolia.de

Vatikanstadt

Im Zeichen von Flüchtlingskrise, Verfolgung und Angst vor Terroranschlägen haben Christen in aller Welt Weihnachten gefeiert. Papst Franziskus prangerte im Petersdom einen ungehemmten Konsum und Materialismus an und forderte einen einfachen Lebensstil. In einer Gesellschaft, "die oft trunken ist von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe" rufe das Jesuskind zu einem "einfachen, ausgewogenen und gradlinigen Verhalten auf", sagte er.

Am ersten Weihnachtstag spendete das Kirchenoberhaupt vor mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz den traditionellen Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). In seiner Weihnachtsbotschaft forderte er ein Ende der Gewalt im Nahen Osten. "Wo Gott geboren wird, da wird der Friede geboren. Und wo der Friede geboren wird, da ist kein Platz mehr für Hass und für Krieg."

Zugleich rief er die internationale Gemeinschaft auf, dem islamistischen Terrorismus Einhalt zu gebieten. Er verursache ungeheures Leiden und verschone nicht einmal das historische und kulturelle Erbe ganzer Völker. Der Papst gedachte der Opfer der Terroranschläge von Paris, Beirut, Bamako, Tunis sowie der jüngsten Massaker in Ägypten. Auch am zweiten Weihnachtstag, dem katholischen Feiertag des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, gedachte der Papst der religiös Verfolgten in der Welt.

Deutschland

Auch in Deutschland riefen die Kirchen zu mehr Mitmenschlichkeit und Solidarität mit Flüchtlingen auf. Sie appellierten an die Christen, sich nicht abzuschotten. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, ermunterte dazu, sich angesichts der Krisen weltweit auf die identitätsstiftende Kraft des Weihnachtsfests zu besinnen. Zugleich betonte er, dass Weihnachten mehr bedeute als eine "liebgewordene Tradition oder sentimentale Folklore". Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte, das Weihnachtsfest sei die größte Quelle der Empathie, die die Welt habe.

Bethlehem

In Bethlehem rief der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, zu Barmherzigkeit auf. Sie sei "ein politischer Akt schlechthin" und allen Religionen eingepflanzt, sagte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken im Heiligen Land in der Mitternachtsmesse in der Katharinenkirche.
Twal beklagte einen Missbrauch von Religion: Sie sei zu einer Rechtfertigung für Gewalt geworden, anstatt zur Brüderlichkeit einzuladen. Er dankte Staaten wie Jordanien, dem Libanon, der Türkei und europäischen Ländern, die zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen hätten. Dies zeige, dass es noch Barmherzigkeit gebe.

Begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen hatten die Weihnachtsfeiern am Donnerstagmittag mit dem traditionellen Einzug des Patriarchen in Bethlehem begonnen. Am Weg des Patriarchen von der Jerusalemer Altstadt zur Geburtsbasilika und auf dem zentralen Krippenplatz hatten sich deutlich weniger Menschen als in den Vorjahren versammelt. Auf den Dächern waren palästinensische Scharfschützen postiert.

Bagdad

In Bagdad sagte der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako den traditionellen Weihnachtsempfang von Politikern und religiösen Repräsentanten ab. Der Wunsch "Frohe Weihnachten" würde seltsam klingen angesichts von Zehntausenden Christen auf der Flucht, hieß es zur Begründung.

Frankreich

In Frankreich hatte die Regierung nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November strikte Sicherheitsregeln für Gotteshäuser angekündigt. Uniformierte waren vor vielen Kirchen präsent. Im nordfranzösischen Lens übernahmen Muslime laut Medienberichten symbolisch die Überwachung eines Heilig-Abend-Gottesdienstes. Am Ende habe es Applaus für sie gegeben.

Großbritanien

In Großbritannien beklagte das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, eine geplante Auslöschung des Christentums im Nahen Osten. Der "Islamische Staat" (IS) säe Furcht, Gewalt und Hass. Welby bezeichnete den IS als "den Herodes von heute". König Herodes hatte laut Bibel den Kindermord von Bethlehem in Auftrag gegeben. (kna)