Ostermesse und Segen „Urbi et orbi“

Papst Franziskus: Gott überrascht

Zehntausende waren auf den Petersplatz zum Gottesdienst und Ostersegen mit Papst Franziskus gekommen. Er hielt eine kurze, frei gehaltene Predigt.

Ostermesse auf dem Petersplatz (Archivbild 2016)

Vatikanstadt – In Rom hat am Sonntagmorgen die feierliche Ostermesse mit Papst Franziskus stattgefunden. Gottes Botschaften seien immer für Überraschungen gut, sagte der Papst in seiner kurzen, frei gehaltenen Predigt. Das gelte besonders von der Osterbotschaft: Christus sei auferstanden. Dies habe Menschen in Eile versetzt, um anderen sofort davon zu berichten. Die Frage sei, was das für Christen heute bedeute: "Was mache ich, was machst du heute, am Ostersonntag 2018?", fragte Franziskus. In früheren Jahren hatte der Papst in der Ostermesse selbst wegen der folgenden Osterbotschaft keine Predigt gehalten, im vergangenen Jahr aber nach dem Evangelium kurz frei gepredigt.

Blumen aus den Niederlanden

Das Fürbittengebet wurde in den Sprachen Russisch, Englisch, Chinesisch und Italienisch gehalten. Die Bitte "für den Papst und alle Bischöfe der Kirche" wurde auf Russisch gesprochen, jene für Priester- und Ordensberufungen auf Chinesisch. Die Wahl der Sprache kann durchaus als ökumenische und politische Geste verstanden werden. So erfolgte die Fürbitte für Arme, Leidende und Opfer von Hass schließlich auf Arabisch.

Zu dem Ostergottesdienst mit dem Papst sind Zehntausende Christen aus Italien und der ganzen Welt gekommen. Der Altar und die Treppe vor dem Petersdom waren mit rund 50.000 Tulpen, Hyazinthen, Narzissen und andere Blumen geschmückt worden. Sie wurden für den Gottesdienst von Blumenzüchtern aus den Niederlanden gestiftet und angeliefert. Der Ostergottesdienst fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche italienische Sicherheitskräfte sind rund um den Petersplatz im Einsatz. Etliche Straßen rund um den Vatikan sind gesperrt.

Traditioneller Segen

Nach der Messe hat Franziskus vom Balkon des Petersdoms aus den traditionellen Segen "Urbi et orbi" - "der Stadt Rom und dem Erdkreis" – gesprochen."So bitten wir heute um die Früchte des Friedens angefangen beim geliebten und gequälten Syrien, dessen Bevölkerung erschöpft ist von einem schier endlosen Krieg", sagte er in der Ansprache am Sonntag im Anschluss an die Ostermesse auf dem Petersplatz. Die Verantwortlichen forderte der Papst auf, die "fortschreitende Vernichtung" sofort zu beenden.

Segen "Urbi et Orbi"

Mit dem Segen "Urbi et orbi" verbunden ist ein vollkommener Ablass. Er bezieht sich nach katholischer Lehre auf alle zeitlichen Sündenstrafen. Voraussetzung für seinen Erhalt ist, dass die jeweilige Schuld durch Beichte, Kommunionempfang und Gebete sowie Werke der Buße schon getilgt ist.Segen und Ablass gelten seit 1985 auch für alle Gläubigen, die die Zeremonie am Fernseher verfolgen. Für Radiohörer ist dies schon seit 1967 der Fall.

Ebenso bat das Kirchenoberhaupt um "Versöhnung für das Heilige Land, das in diesen Tagen durch offene Konflikte heimgesucht wird". Desgleichen ging der Papst auf den Jemen und den gesamten Nahen Osten ein. Zugleich erbat er Hoffnung für jene Teile Afrikas, die von Hunger, Konflikten und Konflikten heimgesucht werden. Eigens erwähnte er die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan. Die Führer der koreanischen Halbinsel forderte er zum Dialog auf; sie sollten "weise und mit Bedacht handeln". Desgleichen bat er um Frieden und Versöhnung in der Ukraine sowie für das venezolanische Volk, das "im eigenen Land wie in der Fremde lebt", so der Papst.

Kraft der Hoffnung erneuert die Welt

"Wir Christen glauben und wissen, dass die Auferstehung Christi die wahre Hoffnung der Welt ist", betonte Franziskus. Die Kraft dieser Hoffnung erneuere die Welt und trage Früchte in der Geschichte. In diesem Sinne bat er um "Früchte der Weisheit" für die politischen Verantwortungsträger, dass sie die Menschenwürde achten, für das Gemeinwohl arbeiteten sowie Entwicklung und Sicherheit ihrer Bürger gewährleisteten.(kna)