Anstrengendes Programm für Franziskus

Osterbotschaft vor Millionenpublikum

Zum Osterfest erwartet die Stadt Rom ein enormer Touristenansturm. Papst Franziskus hat in den Kar- und Ostertagen ein umfangreiches Programm zu absolvieren. Wir sagen Ihnen, was in den kommenden Tagen in der Ewigen Stadt los ist.

Papst Franziskus spendet den traditionellen Ostersegen „Urbi et orbi“ –„der Stadt und dem Erdkreis“ am 27. März 2016 auf dem Petersplatz.

Die ungewöhnlich ruhigen Wintermonate sind laut Tourismusexperten in Rom eine fällige Erholungspause nach den vielen Großveranstaltungen des Heiligen Jahres 2015/16. Selten waren die Schlangen vor dem Petersdom so kurz und der Ansturm auf die Sixtinische Kapelle so verhalten wie seit Jahresbeginn. Aber mit den Frühlingstemperaturen kehren auch die Besucher zurück: Auffallend viele Chinesen mit ihren straff organisierten All-inclusive-
Programmen, wenige Amerikaner und zahlreiche deutsche Schulklassen.

Den richtig großen Ansturm erwartet die Ewige Stadt jetzt zum Osterfest. Wie viele Menschen kommen, lässt sich schwer abschätzen, es sollen ähnlich viele sein wie in den Vorjahren. In Rom herrscht weiterhin eine hohe Sicherheitsstufe. Bewaffnetes Militär kontrolliert die Zugangsstraßen und Plätze am Vatikan – und das schreckt manchen potentiellen Besucher ab. Gerade zu den großen Festen gilt Rom als ein „weiches Ziel“ von Terroristen.

Papst Franziskus, der im Dezember 80 Jahre alt wurde, absolviert in diesen Kar- und Ostertagen das gleiche intensive liturgische Programm wie zuvor. Es begann am Sonntag mit der Palmprozession auf dem Petersplatz. Dabei beging er mit mehreren zehntausend jungen Christen auch den Weltjugendtag, der diesmal jedoch nur auf Diözesan-Ebene gefeiert wird.

Den Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag mit der traditionellen Fußwaschung feiert der Papst erneut nicht in der ehrwürdigen Lateran- Basilika, sondern in einem Gefängnis: in Paliano, 65 Kilometer südlich von Rom. Römische Pfarrer hatten eine Petition eingereicht, ob der Papst dafür nicht wenigstens die „Chrisam- Messe“ am Gründonnerstag-Morgen im Lateran feiern könnte, seiner eigentlichen römischen Bischofskirche. Das Gesuch wurde abgelehnt.

Zu den Höhepunkten der Heiligen Woche zählt am Karfreitag der Kreuzweg am Kolosseum. Die antike Kampfarena, in der nach der Tradition frühe Christen das Martyrium erlitten, wird mit tausenden Kerzen und Lampen in ein geheimnisvolles Licht getaucht. Vor einer großen Menschenmenge erinnert der Papst hier an den Leidensweg Christi. Die Meditationstexte hat in diesem Jahr eine Frau verfasst: die französische Theologin Anne-Marie Pelletier, die 2014 als erste Frau den Ratzinger-Wissenschaftspreis erhalten hatte.

Für die Feier der Osternacht im Petersdom waren die Zugangskarten bereits viele Wochen zuvor ausgegeben. Es ist der Höhepunkt des römischen Kirchenjahres, wenn sich zum Gesang des „Lumen Christi“ die dunkle Vatikan-Basilika langsam erhellt, und die Kirche die Auferstehung Christi von den Toten feiert. Diese Osterbotschaft steht auch im Mittelpunkt der Papstansprache am Sonntagmittag vor Zehn- tausenden auf dem Petersplatz und einem Millionenpublikum via TV. Franziskus wird darin zu Frieden und Gerechtigkeit in den Krisenherden der Welt aufrufen und um Hilfe und Barmherzigkeit für die Leidenden und Bedürftigen bitten. Der abschließende Segen „Urbi et orbi“ ist feierlicher Schlusspunkt der Festwoche.

Eine Woche später reist Franziskus an einen dieser Krisenherde – erst am Palmsonntag sind in Ägypten bei zwei Anschlägen auf christlich-koptische Kirchen mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. In Kairo will der Papst für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts werben. Zugleich bemüht er sich in der Al-Azhar-Universität um einen neuen Brückenschlag zum Islam. Der Name Gottes dürfe niemals Anlass für Gewalt sein, lautet Franziskus’ Dauerbotschaft an die religiösen Extremisten und Terroristen der Welt. Aber er will auch der christlichen Minderheit der Region seine Rückenstärkung geben. Denn ohne lebendige Gemeinden wäre die Ursprungsregion des Christentums unvorstellbar. (Johannes Schidelko)

TV-Tipps an den Kar- und Ostertagen:
Karfreitag, 14.4., 21.10 Uhr, BR: Papst Franziskus betet den Kreuzweg. Live aus dem Kolosseum in Rom.
Karsamstag, 15.4., 22 Uhr, BR: Katholische Osternacht. Live aus dem Dom St. Kilian in Würzburg.
Ostersonntag, 16.4., 10 Uhr, ARD: Ostern in Rom. Katholischer Gottesdienst mit Papst Franziskus und Segen „Urbi et Orbi“. Live vom Petersplatz im Vatikan.
15.30 Uhr, München TV: Kirche in Bayern. Mit dem Münchner Kirchenfernsehen. Das große Osterspezial vom Altmühltaler Schnuckenhof mit Osteransprache von Kardinal Reinhard Marx. Außerdem: Eine Großfamilie feiert Ostern. (auch: 20 Uhr Regional Fernsehen Oberbayern und 20.30 Uhr Isar TV)
Ostermontag, 17.4., 10 Uhr, ARD: Evangelischer Gottesdienst zum Ostermontag aus der Zionskirche Bethel.