Advent in der Abtei der Zisterzienserinnen

Ordensschwestern backen Lebkuchenmänner

Die Vorweihnachtszeit in Oberschönenfeld ist von vielen Traditionen geprägt: Es wird gebacken, aber auch geistlich bereiten sich die Schwestern auf Weihnachten vor. Zum Beispiel mit einem ganz speziellen „Krippenbau“.

In der Abtei der Zisterzienserinnen ist das Backen der Lebkuchenmänner Tradition. © kucherav - stock.adobe.com

Oberschönenfeld  – „Das Backen der Lebkuchenmänner hat bei uns eine lange Tradition. Damit wird hier in der Abtei der Advent eingeläutet“, erzählt Äbtissin Gertrud Pesch aus der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld nahe Augsburg. Die Klostervorsteherin war selbst lange in Küche und Backstube tätig und hat das Rezept von älteren Mitschwestern übernommen. „Die Schwestern hatten wenig Geld, und Schokolade war früher sehr teuer. Schokoladennikoläuse konnten sie sich nicht leisten“, berichtet Äbtissin Gertrud. So kreierten die Ordensschwestern früherer Generationen ein Rezept aus Zutaten, die im Kloster immer vorhanden und nicht kostspielig waren. Die Lebkuchenmänner hatten zudem den Vorteil, dass sie haltbar waren und auch noch zum Ende der Weihnachtszeits schmeckten.  

Der geistliche Krippenbau

Kurz vor Beginn der Adventszeit werden in Oberschönenfeld aus dem Lebkuchenteig Sterne gebacken. Sie kommen am ersten Adventssonntag zum Frühstück auf den Tisch. Am Abend stimmen sich die Schwestern auf den Advent ein, mit weiteren Lebkuchensternen, Glühwein, adventlichen Liedern und Geschichten. Ein alter Brauch hat sich an diesem Abend bis heute erhalten: der geistliche Krippenbau. Eine Schwester bereitet Zettel vor, auf jedem von ihnen ist ein Bestandteil einer typischen Krippe notiert, gemeinsam mit einer Eigenschaft, die mit diesem Krippenbestandteil korrespondiert. Auf einem der Zettel stehen beispielsweise der Begriff „Stroh“ und die dazu passende Eigenschaft „hilfsbereit sein“. Auf einem anderen steht „Stall“ und „offen sein für Überraschungen“. Auf dem nächsten „Stern“ und „Güte und Liebe weiterschenken“ oder „Ochs“ mit der Eigenschaft „fest im Glauben stehen“. Jede der Schwestern zieht einen Zettel. Die Begriff e, die sie darauf findet, sollen ihr ein Leitfaden für das ganze nächste Jahr sein.  

Kein Verkauf der Lebkuchenmänner  

Noch ein anderer, sehr schöner Brauch hat sich an diesem Abend etabliert: Ein kleines Gefäß mit weiteren Zetteln macht die Runde. Auf jedem von ihnen steht der Name einer Schwester. Nun zieht jede Ordensfrau des Konvents den Namen einer Mitschwester. Ihr soll sie das ganze Jahr über besondere Aufmerksamkeit schenken – zum Beispiel in Form von Gesprächen, Gebeten, besonderer Hilfsbereitschaft. Dies alles sind sehr schöne Gesten, die durchaus auch in den Alltag außerhalb der Klöster übernommen werden können. Wenn der Nikolausabend naht, warten schließlich bis zu 80 Lebkuchenmänner darauf, verschenkt zu werden. Am Vorabend des Festes erhalten alle Schwestern und Klostergäste einen Lebkuchenmann sowie Mandarinen und Nüsse. Am Nikolaustag selbst werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie dem Kloster besonders verbundene Menschen damit beschenkt. In den Verkauf gehen die Oberschönenfelder Lebkuchenmänner nicht.  

Rezept für Oberschönenfelder Lebkuchenmänner

Zutaten für ca. 8–10 Formen:
1 kg Honig
3 Eier
300 g brauner Zucker (Farinzucker)
1 kg Mehl
3 TL Natron
3 TL Zimt
2 TL Lebkuchengewürz
Puderzucker zur Dekoration
Milch zum Bestreichen

Zubereitung:
Eier und Farinzucker schaumig rühren. Dannden flüssigen Honig dazugeben. Zum Schluss das Mehl mit Natron, Zimt und Lebkuchengewürz
vermischen und unter die Masse geben. Alles gut verkneten, den Teig in eine Schüssel legen, mit einem Tuch bedecken und über
Nacht an einen kühlen Platz stellen. Vor dem Backen den Teig ausrollen und mit Nikolausformen Teigmänner ausstechen. Diese auf ein gefettetes Backblech legen undmit Milch bestreichen.

Im vorgeheizten Backofen bei 160 Grad Umluft so lange backen, bis die Nikoläuse goldbraun sind, dann abkühlen lassen. Anschließend Puderzucker mit sehr wenig Wasser mischen und in einen kleinen Gefrierbeutel
füllen, dessen Spitze vorher abgeschnitten wurde. Mit der Zuckerglasur kann man die Lebkuchenmänner dekorieren. Man kann sie in einer Box au° ewahren und kleine Apfelstücke dazulegen, damit der Lebkuchen
nicht hart wird.

Die klösterliche Adventsdekoration ist sehr schlicht: Kerzen, ein Adventskranz und Tannengrün. Die Adventszeit gehört in den Klöstern zu den traditionellen Fastenphasen, das Essen ist einfacher als sonst. In dieser Zeit herrscht viel Stille in der Abtei Oberschönenfeld. Vier Abende verbringen die Schwestern in völligem Schweigen. Äbtissin Gertrud veranstaltet einmal einen Gebetsabend für Außenstehende, eine Mitschwester einen Oasentag mit adventlichem Charakter. In dieser Zeit verzichten die Schwestern auch auf persönliche Besucher. Päckchen für ehrenamtliche Unterstützer werden vorbereitet und Weihnachtskorrespondenzen erledigt. Die Liturgie, die immer an erster Stelle steht, führt auf Weihnachten hin.  

Heiligabend ist „Klopfetag“

Am Donnerstag vor Heiligabend ist „Klopfestag“ in Oberschönenfeld. Die beiden jüngsten Schwestern klopfen als Maria und Josef auf der Herbergssuche an alle Türen der Abtei, singen ein Lied und bitten um eine milde Gabe, etwa in Form einer Süßigkeit. Die Gaben, die zusammenkommen, werden in der abendlichen Rekreation miteinander geteilt. Auch die Vorbereitung der Christmette ist eine gemeinschaftliche Aktion, für die sich die Schwestern viel Zeit nehmen. Schließlich ist Christi Geburt ein hoher Feiertag für die Ordensfrauen – wie für alle Christen. (Dr. Petra Altmann)

Weitere Rezepte aus der Abtei Oberschönenfeld gibt es in diesem Buch:
Petra Altmann/Äbtissin Gertrud Pesch, Backen in der Klostertradition Paulinus Verlag, Trier 2017
Bestellbar in der Buchhandlung Michalesbund per Mail oder unter Telefon: 089/23225-420.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten