Reformprozess

Opfer von Missbrauch sind nun Teil des Synodalen Weges

Ziel des Synodalen Weges ist es, verloren gegangenes Vertrauen nach dem Missbrauchsskandal zurückzugewinnen. Betroffene waren aber bisher nicht eingebunden. Das ändert sich jetzt.

Opfer von Missbrauch sind beim Reformprozess Synodaler Weg nun eingebunden. © patpitchaya -stock.adobe.com

Bonn – Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche arbeiten nun am Reformprozess Synodaler Weg aktiv mit. Das Präsidium des Synodalen Wegs hat beschlossen, dass Vertreter des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz von nun an eingebunden werden sollen. Die drei Vertreter Johannes Norpoth, Kai Moritz und Johanna Beck sind im Rahmen der Online-Konferenz des Synodalen Weges am Donnerstag vorgestellt worden.

In eindringlichen Statements haben die Drei ihr Engagement und ihren Willen deutlich gemacht, sich und ihre Erfahrungen einbringen zu wollen. "Wir wollen mutig sein, wir wollen mit ihnen mutig sein", sagte Kai Moritz vor über 350 Teilnehmern.

Nicht-Beteiligung von Betroffenen war „Leerstelle“

Johannes Norpoth mahnte mehr Engagement bei der Aufarbeitung an: "Mit Betroffenen zu reden, ist vorteilhafter und empathischer, als über sie zu reden". In dem Zusammenhang zitierte er auch wiederholt Adolph Kolping: „Schön reden tut's nicht, die Tat ziert den Mann!“

Auch wenn das jetzige Mitwirken bei den Dreien positiv aufgenommen wird, hielt Norpoth mit klaren Worten nicht hinter dem Berg: „Es wäre schön gewesen, von Anfang an der Wegstrecke dabei gewesen zu sein.“ Auch Johanna Beck betonte, dass die Beteiligung von Betroffenen nun eine "Leerstelle" des Synodalen Wegs geschlossen hat. Der Synodale Weg wurde bereits im Januar 2020 begonnen.

Vertrauen zurückgewinnen

Der Synodale Weg ist die Konsequenz aus dem Öffentlichwerden des jahrzehntelangen Missbrauchsskandals. Die MHG-Studie von 2018 hat aufgedeckt, dass es dafür strukturelle und systemische Ursachen innerhalb der katholischen Kirche gibt. In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ein Ziel ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Dass Betroffene nicht einbezogen wurden, ist bei den vergangenen Treffen immer wieder kritisiert worden. 

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg