Jesuit Stefan Bauberger ist Zen-Lehrer

Offenheit für Gottes Wirken

Ein geistlich-spiritueller Weg zeichnete sich bei Stefan Bauberger schon früh ab. In der Jugendgruppe bei den Jesuiten in den 70er Jahren in München-Schwabing lernte er den Orden und die Patres „als einen Gegenentwurf zu einer materialistisch ausgerichteten Welt kennen, in der ich einen Beitrag leisten wollte zu einer besseren Gesellschaft“.

Zen ist für Pater Stefan Bauberger ein reifer Weg der Meditation. (Bild: Hartmann)

Auch mit Zen war er bereits in der Jugendgruppe in Kontakt gekommen und praktizierte es seither. Nach dem Abitur folgten zwei Jahre Sozialarbeit in Rastatt, in einem Projekt für Familien, die ihre Wohnungen verloren hatten. Anschließend trat er in den Orden ein, machte dort sein Noviziat, absolvierte ein Philosophie-, Theologie- und Physikstudium. Dazwischen war er für ein weiteres Sozialpraktikum ein Jahr in Malaysia, wo er in einem Flüchtlingslager für vietnamesische Boatpeople arbeitete – „eine sehr bewegende und berührende Zeit“.

Während dieser vielen Jahre des Studiums besuchte er weiterhin Zenkurse beim Jesuitenpater Hugo Enomya Lasalle, der Wesentliches für die Vermittlung von Zen und Christentum und die Verbreitung des Zen in Europa geleistet hat. Im Physikstudium, als Stefan Bauberger – wie er es nennt – anfing, etabliert zu werden, wuchs die Sehnsucht wieder, verstärkt nach Gott, nach dem Letzten zu suchen. Im indischen Jesuitenpater Ama Samy fand er in dieser Zeit seinen Lehrer und pendelte zwischen Indien und München hin und her, wo er an der Hochschule für Philosophie inzwischen den Lehrstuhl für Naturphilosophie übernommen hatte. Bei Pater Ama Samy wurde er dann selbst zum Zenlehrer ausgebildet.

Was aber genau fasziniert Stefan Bauberger am Zen? Für ihn ist es ein reifer Weg der Meditation, der ihn gelehrt hat, diesen Weg innerlich und äußerlich zu gehen. Äußerlich im regelmäßigen, am besten täglichen Sitzen, so wie wir auch täglich beten sollten. Wichtig für die richtige äußere Haltung ist das aufrechte, stille Sitzen mit geöffneten Augen, im Idealfall im Lotossitz. Für Ungeübtere ist es aber auch auf einem Kniehocker oder Kissen möglich. Die Zunge liegt locker am Gaumen an, der Mund ist geschlossen. Der Kopf bleibt aufrecht. Diese Praxis des Zen hilft, im Jetzt zu sein. Man wird der eigenen Existenz gewahr und öffnet sich für die ganze Wirklichkeit. Man übt, etwas geschehen zu lassen und zu akzeptieren, was gerade ist. Man lernt, sich selbst und die Welt zu akzeptieren. Es sei eine Übung, in der Konzentration auf das Sitzen und Atmen das eigene Ego loszulassen, ruhig zu werden. „Man lässt die Gedanken kommen und gehen, ohne sie festzuhalten und gelangt in einen Zustand, wo das Ego sich nicht mehr einmischt – ein Zustand, den man auch beschreiben kann als das Offensein für das Wirken Gottes.“ Dabei wird die Welt nicht ausgeschlossen – durch die geöffneten Augen soll der Bezug zur Wirklichkeit immer hergestellt werden – und findet kein reiner Rückzug in das Innere statt.

Innerlich erlebte es Stefan Bauberger als die ihm gemäße Begleitung seines spirituellen Weges: „Das ist ein Weg, um das eigene Selbst, das wahre Selbst zu verwirklichen. Diese Verwirklichung des Selbst bedeutet Hingabe, sie ist gleichzeitig ein Aufgeben des Selbst.“ Im Alltag kann das dazu führen, dass eine neue, innere Weisheit gefunden wird, indem schädliche Handlungsmechanismen entdeckt werden und ein Umdenken geschieht, weg von eingespielten Reaktionen hin zu neuen Möglichkeiten des Handelns. Darin eröffnet sich dann ein neuer Raum der Freiheit.

Stefan Bauberger reizte am Zen aber auch die Begegnung mit dem Buddhismus. Es sei für ihn wie das Lernen einer Fremdsprache gewesen. Das Christentum sei seine eigentliche Sprache, der Buddhismus wie eine neu hinzugekommene, die das Eigene nochmals besser verstehen lerne. Dieses Eigentliche des Christentums ist für ihn die Liebe – „die Liebe zu Gott und grundsätzlich ein liebender Mensch zu sein“. Vor allem sei es aber auch die Begegnung mit der Mystik – die Karl Rahner, dem großen jesuitischen Theologen, schon so sehr am Herzen gelegen sei, der die wichtige Aussage gemacht habe: „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.“

Stefan Bauberger lehrt Zen in der von ihm gegründeten „Schule des Herzgrunds“, in einer für Interessenten immer offenen Gruppe in den Räumen der Glaubensorientierung in St. Michael in München, wöchentlich am Mittwochabend und einmal im Monat an einem Sonntagnachmittag. Längere Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene bietet er im Bayerischen Wald an, wo er im Oktober ein neues Zentrum eröffnet hat – das NordwaldZendo bei Spiegelau. Der dortige Pfar-rer habe sehr positiv reagiert und ihn eingeladen, sich und das Zentrum auch im Gemeindegottesdienst vorzustellen, ein gutes Zeichen für Pater Bauberger, dass Zen wie schon im Orden so auch in der katholischen Kirche vor Ort als eine Möglichkeit der Spiritualität akzeptiert werden. Annemarie Hartmann