Alleinerziehende-Seelsorge

Offen für alle Familien

Dass Geschiedene und Alleinerziehende in der Kirche eine Heimat haben, können strenge Gläubige und Nicht-Gläubige oft kaum fassen. Die Alleinerziehenden-Seelsorge in München ist sogar offen für Konfessionslose.

Alleinerziehende demonstrieren für mehr Unterstützung. Das Erzbistum München und Freising setzt sich für diese Familien schon seit fast 50 Jahren ein.

„Das muss ja etwas ganz Neues sein“, sagte die kirchenkritische Bekannte erstaunt, als ich ihr am Wochenende von der Alleinerziehenden-Seelsorge im Erzbistum erzählt habe. „Das hätte ich Deinem Laden gar nicht zugetraut“, war dann ihr zweiter Satz. Manche Vorstellungen und Vorurteile halten sich eben hartnäckig. Die Alleinerziehenden-Seelsorge gibt es seit fast einem halben Jahrhundert. Noch mehr überrascht war die Bekannte, wie umfassend die Alleinerziehenden-Seelsorge ihre Aufgabe versteht. Geburtsvorbereitung für werdende Mütter, die schon vor der Entbindung wissen, dass sie nicht mit dem Vater des Kindes zusammenleben wollen oder können. Rechtsberatung, wenn die Unterhaltungszahlungen ausbleiben oder die Eltern um das Sorgerecht streiten. Gesprächsgruppen über Babyphase und Pubertät oder für Frauen und Männer, die gerade von der ersten Trennungsphase erschüttert oder verwitwet sind. Ferienreisen für Alleinerziehende und ihre Kinder, wie jetzt zu Pfingsten, gehören ebenfalls dazu. Genauso wie Gottesdienste, in denen der Schmerz über gescheiterte Ehen und Partnerschaften im Mittelpunkt stehen oder Besinnungsabende, an denen Männer und Frauen einen stillen Moment erleben dürfen und das selbstverständlich mit Kinderbetreuung.

Helfen, ohne zu vereinnahmen

Ganz wichtig: das Angebot richtet sich selbstverständlich auch an diejenigen, die nicht oder nicht mehr zur Kirche gehören, einfach an alle die in dieser besonderen Lebenslage Hilfe und Gehör suchen. Dabei verwirklicht die Alleinerziehenden-Seelsorge ein Prinzip der Kirche, das auch von den Gläubigen manchmal gerne vergessen wird. Da wird grundsätzlich nicht zuerst gefragt: Gehörst Du überhaupt dazu? Dieses Prinzip sagt viel mehr: Kirche ist für Dich da, egal wo Du herkommst. Kirche verwirklicht sich ja nicht dadurch, dass sie einen geschlossenen Kreis bildet, bei dem immer völlig klar ist, wer drinnen ist und wer draußen, wem sie sich zuwendet und wem nicht. Und diese Form der Evangelisierung akzeptiert sogar, dass Menschen auf Abstand zur Kirche bleiben, selbst wenn sie deren Angebot schätzen und wahrnehmen.
Dafür gibt es übrigens prominente Ermutigung von höchster Stelle: Der selig gesprochene Papst Paul VI. hat den Respekt vor unterschiedlichen Gewissensentscheidungen, Überzeugungen und Lebensentwürfen angemahnt, „die man nicht brüskieren soll“. Sie sind kein Grund, sich von bestimmten Menschen abzugrenzen. Die Alleinerziehenden-Seelsorge bringt diese respektvolle Zuwendung den Frauen, Männern und Kindern entgegen, die zu ihr kommen. Im Kleinen versucht sie die große Liebe Gottes zu den Menschen zu leben. Deshalb ist sie für mich sogar ein Grund, auf meinen Laden, auf meine Kirche stolz zu sein. Und das hat sogar meine kirchenkritische Bekannte verstanden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Kommentar im Münchner Kirchenradio