Preis der Katholischen Akademie

"Ökumene tut nicht weh"

Die Katholische Akademie Bayern hat den Ökumenischen Preis 2017 an Landsbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx verliehen. Das Preisgeld wollen beide für Projekte mit "ökumenischer Perspektive" geben.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm (von links), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Akademiedirektor Florian Schuller bei der Preisverleihung.

München – Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Münchner Kardinal Reinhard Marx haben für die Ökumene geworben. "Ökumene tut nicht weh, macht Freude, stärkt den Glauben und hilft Grenzen zu überwinden", betonte der Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Montag in München. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ergänzte, das Gedenkjahr zur Reformation habe gezeigt, aus einer konfliktreichen Geschichte könne man lernen. Dabei bleibe der Kern stets der christliche Glaube.

Beide Kirchenvertreter äußerten sich anlässlich des an sie verliehenen Ökumene-Preises der Katholischen Akademie in Bayern. Das damit verbundene Preisgeld von 10.000 Euro solle an diakonische Projekte gehen, die die gemeinsame ökumenische Perspektive sichtbar machten, kündigte Bedford-Strohm an. Marx ergänzte, dass vielleicht auch noch ein weiterer Preis von ihnen auf diesem Sektor ausgelobt werden könnte.

Keine "Ökumene der Not"

Die zunehmende Zusammenarbeit beider Kirchen wollte der Kardinal nicht als "Ökumene der Not" angesichts einer wachsenden säkularen Gesellschaft verstanden wissen. Vielmehr gehe es darum, im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), die Zeichen der Zeit zu deuten und sich gemeinsam, wie es etwa bereits in Krankenhaus- und Notfallseelsorge der Fall sei, zu betätigen. So sei zu überlegen, was zu zweit noch besser gelingen könne.

Die nach wie vor bestehende Trennung beider Kirchen beim Abendmahl sei von den Vertretern beider Seiten schmerzhaft auf der gemeinsamen Pilgerreise ins Heilige Land erfahren worden, erzählte Bedford-Strohm. So seien bewusst nicht nur ökumenische Andachten, sondern auch jeweils eigene Gottesdienste im Respekt vor dem anderen gefeiert worden, berichtete Marx. Doch: "Je näher man sich kam, umso mehr sagt man, das kann nicht so bleiben." Davon seien beide Seiten überzeugt gewesen.

Vielstimmige Gemeinschaft

Trotz seiner guten Zusammenarbeit mit Bedford-Strohm machte Marx deutlich, die katholisch-evangelische Gemeinschaft bleibe vielstimmig. Die Deutsche Bischofskonferenz wie auch die EKD seien "keine konfliktfreien Zonen". Auf die Frage, ob er sich je gewünscht hätte evangelisch zu sein, meinte der Kardinal: "Ich bin froh, wie es ist." Bedford-Strohm ergänzte, es gehe nicht um eine "Einheitssoße", sondern auch darum, sich an gewachsenen Traditionen zu freuen. So würde er für eine Einheit nie die Frauenordination in der evangelischen Kirche aufgeben. (KNA)