Freisinger Bischofskonferenz

Nullrunde für überdiözesanen Fonds der bayerischen Bistümer

Zwei Tage haben die bayerischen Bischöfe getagt. Bei den Beratungen drehte sich viel um das liebe Geld.

Kardinal Reinhard Marx (Mitte) bei der Abschlusskonferenz der Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe. © Kiderle

München – Die gegenwärtige Energiekrise geht auch an der katholischen Kirche nicht spurlos vorbei. Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe in der Katholischen Akademie in Bayern erklärte Kardinal Reinhard Marx, dass vor allem kirchliche Schulen und weitere Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft wie etwa Pflegeheime oder Krankenhäuser angesichts stark steigender Strom- und Heizkosten vor großen Herausforderungen stünden. Anders als Schulen in staatlicher Trägerschaft, deren Sachaufwand unmittelbar von öffentlicher Hand übernommen wird, muss die Kirche als privater Schulträger diese Kosten selbst finanzieren. Dies sei „eine außerordentliche Belastung“. Daher hoffe man, dass kirchliche Einrichtungen der sozialen Infrastruktur ebenfalls aus dem kürzlich vom Bayerischen Kabinett beschlossenen Härtefallfonds bei der Bewältigung der Energiekrise „kraftvoll unterstützt“ werden.

Neue Finanzquelle müssen erschlossen werden

Auch die weiteren Beratungen der Freisinger Bischofskonferenz drehten sich zu weiten Teilen ums liebe Geld. So müssen die einzelnen diözesanen Haushalte aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven und der sich abzeichnenden Tendenz rückläufiger Einnahmen der (Erz-)Diözesen aus Kirchenlohn- und Kircheneinkommensteuer mit immer stärkenden Einschränkungen rechnen. Als Konsequenz hieraus haben die Bischöfe eine Nullrunde für den Haushalt 2023 des Überdiözesanen Fonds Bayern (ÜFD) beschlossen. Das für 2023 geplante Volumen beträgt 42,3 Millionen Euro. Der Zweckverband ÜDF Bayern verfügt über kein eigenes Vermögen, sondern er finanziert sich ausschließlich aus den Einzahlungen der bayerischen Diözesen, die ihrerseits ihre ÜDF-Beiträge aus Kirchensteuern finanzieren. Über den ÜDF finanzieren die bayerischen (Erz-)Diözesen zusätzlich zu dem Engagement in ihren jeweiligen eigenen Bereichen ihr gemeinsames überdiözesanes Wirken für kirchliche, mildtätige und gemeinnützige Zwecke. Die drei größten Zuschussempfänger sind die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Katholische Stiftungshochschule und die Katholische Akademie in Bayern. Die Bischöfe haben nun drei Arbeitsgruppen eingesetzt, um Zukunftsperspektiven für diese Einrichtungen zu entwickeln. Kardinal Marx unterstrich, dass man alle drei erhalten wolle, allerdings müssten dafür auch weitere Finanzquellen erschlossen werden. „Wir können jedoch weder die Kirchensteuer erhöhen noch Schulden machen“.

Kardinal Marx übt indirekt Kritik an Protestaktion der Klima-Aktivisten

Außerdem wollen sich die bayerischen Bistümer weiter im Naturschutz engagieren. Daher tritt die katholische Kirche Mitglied dem sogenannten Blühpakt Bayern bei. Dieser will das Artensterben und den massiven Rückgang der Anzahl der Insekten stoppen. Des Weiteren sprachen sich die Bischöfe für eine landesweite Zentralveranstaltung im Rahmen der jährlichen Ökumenischen Schöpfungszeit aus. Diese solle stets nach dem Ende der Sommerferien in jeweils einem anderen Bistum stattfinden.

Indirekt Kritik übte Marx an den derzeitigen Klima-Aktivisten, die sich auf Straßen festkleben oder Protestaktionen in Museen und Kunstausstellungen durchführen. „Ein Kunstwerk zu zerstören, dafür habe ich keinerlei Verständnis“, so der Kardinal. Die kirchliche Form, öffentlich für Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit im Rahmen der Klimakrise zu demonstrieren, sei es, „zu beten, aufmerksam zu machen und Bildungsarbeit zu leisten“. Proteste müssten seiner Ansicht nach gewaltfrei durchgeführt werden, es dürften dabei keine Menschen gefährdet, undemokratische Parolen verbreitet oder andere in ihrer Lebensmöglichkeit oder Bewegungsfreiheit behindert werden. Man müsse gut darüber nachdenken, ob man dies verantworten könne.

Bischöfe verabschiedeten Mitbruder Ludwig Schick

Zum Auftakt ihrer Versammlung haben die Bischöfe zudem ihren Mitbruder Ludwig Schick verabschiedet, dessen Amtsverzicht nach 20 Jahren als Erzbischof von Bamberg Papst Franziskus für die meisten völlig überraschend am Allerheiligentag angenommen hatte. Kardinal Marx würdigte die Verdienste und den Menschen Schick. Man bete für eine guten Nachfolger. Gefallen ist ebenfalls die Entscheidung über die Neubesetzung der Leitung des Katholischen Büros Bayern. Aus rechtlichen Gründen könne sie aber noch nicht veröffentlicht werden, so Kardinal Marx. Der Münchner Domdekan Lorenz Wolf hatte die Leitung des Büros Ende März unter dem Eindruck des Münchner Missbrauchsgutachtens abgeben müssen. Seither wird es von seiner langjährigen Stellvertreterin, der Rechtsanwältin Bettina Nickel, kommissarisch geführt. Der ehemalige Münchner Generalvikar Peter Beer wurde zudem erneut zum Vorsitzenden des Stiftungsrates der Katholischen Universität Eichstätt- Ingolstadt berufen.          

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de