Religiöse Toleranz und Literatur

Noch viel zu tun bis zur Versöhnung

Zusammenleben der Religionen, Islam in Europa und islamistische Bedrohung sind Themen, die natürlich auch die Literatur aufgreift und das nicht erst mit dem neuen Houellebecq-Roman. Lessing schrieb darüber den Toleranz-Klassiker schlechthin „Nathan der Weise“, jetzt neu inszeniert am Münchner Volkstheater.

August Zirner als Nathan und Pascal Fligg als Sultan (Bild: © Arno Declair )

Er hat wie kein zweiter die Fähigkeit, religiöse Stoffe und Stücke so auf die Bühne zu bringen, dass sie dort eine aktuelle und aufregende Wirkung entfalten ohne das Publikum ratlos oder kopfschüttelnd zu entlassen. Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters und Passionsspielleiter in Oberammergau hat eine Neuinszenierung von Nathan der Weise herausgebracht. Ziemlich provokant das Plakat zum Stück: da ist der Oberkörper eines jungen Mannes zu sehen, um den Kopf gewunden trägt er einen nachtblauer Schleier, der vom Gesicht nur Stirn und Augen freilässt – eine Frauenbekleidung also. Stückl inszeniert seinen Nathan nah am Lessings Text mit wenigen Streichungen und verändert das Setting mit kleinen Kunstgriffen . Das Ende lässt er offen – keine große Umarmung wie bei Lessing. Warum, erklärt er im Interview.

Michel Houellebecq muss seit Erscheinen seines Romans „Unterwerfung“ ind „Endlosschleife“ erklären: „Erstens, dass mein Buch kein islamophobes Buch ist, und zweitens, dass man das Recht dazu hat, ein solches Buch zu schreiben“, so sagte der Autor bei seinem Auftritt in Köln. Der Theologe Werner Höbsch, Beauftragter für den interreligiösen Dialog hat das Buch gelesen.