Kardinal Marx in Berchtesgaden

Neuorientierung statt "Casino-Kapitalismus"

Zum 500. Geburtstag des Berchtesgadener Salzbergwerks hat Kardinal Marx einen Gottesdienst gefeiert. Dabei kritisierte Marx auch den Kapitalismus der heutigen Zeit.

Kardinal Reinhard Marx segnete drei Fahnenbänder, die an die Bergwerks-Fahne geheftet wurden.

Berchtesgaden – Die österliche Botschaft, zu deren Verstehen die 50 Tage bis Pfingsten nicht ausreichten, habe etwas zu tun mit Politik, Arbeitswelt und Wirtschaft. Das war eine der Grundbotschaften von Kardinal Reinhard Marx beim Gottesdienst am Pfingstmontag auf dem Berchtesgadener Schlossplatz. Anlass war die 500-Jahr-Feier des Salzbergwerks Berchtesgaden. Das Fest sei Auftrag für die Zukunft, für eine Gesellschaft und Arbeitswelt zu sorgen, in der jeder eine Chance habe, betonte der Kardinal.

Die Kraft von Ostern habe die Ausrichtung der gesamten Geschichte und der Schöpfung verändert und lasse sich auch in den großen Freiheits-Bewegungen entdecken, sagte Kardinal Marx. In der modernen Arbeitswelt, die die Technik in den Mittelpunkt stelle und sich von Natur und Schöpfer entfernt habe, gelte es, „sich immer wieder zu erinnern, woher wir kommen“. Marx erwähnte auch die durch das so genannte weiße Gold unter den Berchtesgadener Fürstpröpsten zuweilen ausgelöste Gier, die Toten im Bergbau und den Kampf der Bergleute um Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung. Angesichts eines verbreiteten „Casino-Kapitalismus“ in der Welt rief er zur Neuorientierung an der katholischen Soziallehre auf. Die Würde der Arbeit sei Kernsäule der demokratischen, freien Gesellschaft.

Viele Menschen in Lohn und Brot gebracht

Unter den Ehrengästen waren Prinz Leopold von Bayern, Staatsminister Marcel Huber und Rennrodel-Legende Schorsch Hackl. Michael Koller, Verwaltungsleiter des Pfarrverbands Stifts-land Berchtesgaden, erinnerte an die Feier zur Seligsprechung von Kaspar Stangassinger an diesem Platz vor 29 Jahren. Monsignore Thomas Frauenlob deutete den von acht Musikkapellen gestalteten Gottesdienst als Zeichen des Dankes dafür, dass das Salz viele Menschen in Lohn und Brot gebracht habe.

Zahlreiche Musikkapellen und Bergwerksvereine aus Deutschland und Österreich sowie die Vereine aus dem ganzen Berchtesgadener Talkessel gestalteten einen bunten Festzug durch den Markt. Auf Festkutschen wurden ein Stollen-Nachbau des Ferdinandbergs, ein Deichelbohrer, Berchtesgadener Natursalz und Bad Reichenhaller Salz befördert. (Veronika Mergenthal)