Journalisten treffen Christen

Neues Internetprojekt "Gott im Abseits"

Junge Journalistin trifft katholischen Priester. Das war die Ausgangssituation für das einjährige Projekt "Valerie und der Priester" der Deutschen Bischofskonferenz. Es lief so gut, dass es jetzt einen Nachfolger gibt.

Journalist Giesbers begleitet die Schwestern bei ihrer Arbeit in der Straßenambulanz in Frankfurt. © Zentrum für Berufungspastoral

Bonn – Fremde Leute zu treffen und über sie zu berichten, ist der Job von Timm Giesbers. Der 24-Jährige ist Fernseh- und Radiojournalist. Doch dieses Projekt ist selbst für ihn ein besonderes. Er begleitet und porträtiert Schwester Karin Knötig von der Ordensgemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern in Frankfurt. Seine Erfahrungen und Eindrücke wird er ab Mittwoch in einem Blog, via Facebook, Twitter und YouTube teilen, kündigte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) an. Eigentlich hat Giesbers mit der Kirche nichts am Hut. Gerade dies ist aber das Spannende an "Gott im Abseits" – dem neuen katholischen Internetprojekt, das in Kooperation der DBK mit dem Zentrum für Berufungspastoral entstanden ist.

Nach dem Erfolg von "Valerie und der Priester", dem ersten Internetprojekt der DBK, das im Mai endete, war offenbar schnell klar, dass es einen Nachfolger geben soll. "Aus zahlreichen Rückmeldungen, die wir zum Projekt erhalten hatten, konnten wir ablesen, dass es tatsächlich gelungen ist, junge Menschen über Kirche und das Wirken eines Priesters ins Gespräch zu bringen", erklärt der Leiter des Berufungszentrums, Michael Maas. Dieses Mal stehe das Engagement für Menschen im gesellschaftlichen Abseits im Fokus. Junge, kirchenferne Journalisten begleiten demnach Ordensleute oder pastorale Mitarbeiter, die sich zum Beispiel für Drogenabhängige, Obdachlose oder Prostituierte einsetzen. Es würden "authentische Zeugen präsentiert, die davon berichten, wie ihr Glaube sie dazu motiviert, Jesus Christus gerade dort zu bekennen, wo man es nicht vermutet und von außen betrachtet kaum erwarten würde", so Maas.

Berufung soll im Mittelpunkt stehen

In der ersten Staffel geht es der Angaben zufolge um die Arbeit der Straßenambulanz in Frankfurt. Dort kümmere sich Knötig mit ihren Mitschwestern um Obdachlose und Geflüchtete und ermögliche ihnen eine medizinische Versorgung. Journalist Giesbers begleitete die Schwestern und wohnte bei ihnen im Gästezimmer. "Die Schwestern haben einen enormen Workload, also echt viel Arbeit", sagte er im Gespräch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Um acht Uhr geht es los, man kommt selten vor 23 oder 24 Uhr wieder nach Hause." Sie seien eigentlich nur zum Schlafen zuhause. Das Projekt sei nicht etwas gewesen, was er schon immer mal machen wollte, so der Journalist. "Ich musste aber auch nicht lange überzeugt werden."

Schwester Karin und Journalist Timm Giesbers.
Schwester Karin und Journalist Timm Giesbers. © Zentrum für Berufungspastoral

Bei der Dokumentation solle immer die Berufung der jeweiligen Person im Mittelpunkt stehen, erklärt Maas. "Es wird die Frage sein, was sie für eine solche aufopferungsvolle Arbeit motiviert und woraus sie für ihren Dienst Kraft schöpft." Zugleich werde aber auch deutlich, wie die Kirche sich für Benachteiligte und Bedürftige einsetze. Papst Franziskus hatte bereits zu Beginn seines Pontifikats dazu aufgerufen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. "Gott im Abseits" zeige dieses Engagement der Kirche. Dieser Einsatz sei ein Aspekt, an den man nicht direkt bei Kirche denke, so Giesbers. Der Norddeutsche bezeichnet sich selbst als kritisch gegenüber der Kirche. Dies ergebe einen spannenden Kontrast zwischen ihm und der Ordensfrau Knötig. Die 39-Jährige gehört seit 2010 der Gemeinschaft in Frankfurt an und steht kurz vor ihrer endgültigen Aufnahme in den Orden, der sogenannten Ewigen Profess.

Arbeit in der Straßenambulanz

"Es war interessant noch einmal Rede und Antwort zu stehen", so Knötig im Interview. "Es schadet uns ja auch nichts, uns hinterfragen zu lassen, was wir da eigentlich machen." Sie wolle mit dem Projekt ein Augenmerk auf den Bereich lenken, in dem sie und ihre Ordensgemeinschaft tätig sind. Gleichzeitig brachte "Gott im Abseits" für Knötig auch Herausforderungen mit sich. "Jemandem zu erklären, wieso ich glaube und dann noch dazu, warum ich das Ordensleben gewählt habe, das ist gar nicht so einfach", berichtet sie. Im Alltag bringe die Arbeit in der Straßenambulanz sie oft an ihre Grenzen. "Aber mein Glaube gibt mir die Kraft und das Vertrauen, dass gerade dann Gott ins Spiel kommen kann." (KNA)

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