50 Jahre Rätearbeit

Neue Wege suchen

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte erzählen Ehrenamtliche von ihrem Engagement. Diesmal benennt Rita Spangler aus der Pfarrei St. Martin in München-Moosach, wo sie im Miteinander von Laien und Seelsorgern dringenden Handlungsbedarf sieht.

Rita Spangler aus der Pfarrei St. Martin in München-Moosach ist ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrats. © Kiderle

Mein Engagement in der Rätearbeit reicht bis in meine Jugendzeit zurück. Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde ich noch vom Pfarrer als Jugendvertreterin in den Rat berufen. Später – in Schwabing – arbeitete ich, neben anderen ehrenamtlichen Bereichen, auch zwei Perioden im Pfarrgemeinderat (PGR) mit.

Ab 1994 übernahm ich im Vorstand des Diözesanrates unterschiedliche Aufgaben, die mich auch persönlich sehr bereichert haben. Seit 2006 gehöre ich dem PGR St. Martin in München-Moosach an und leite seit 2015 den Pfarrverbandsrat (PVR) Moosach-Olympiadorf.

Befreites Christsein

Die Einsatzbereitschaft und Möglichkeiten hängen sehr eng von der jeweiligen Leitung der Pfarrei ab. Je mehr das Seelsorgeteam im Geiste nachkonziliarer Prägung in der Gemeinde wirkt, umso mehr können sich auch die Ehrenamtlichen einbringen und Akzente setzen. Leider erlebe ich aber auch immer wieder, dass sich manche Gemeinden wieder rückwärtsgewandt entwickeln. Das schadet nicht nur dem Image unserer Kirche, sondern kann für Gläubige ein Grund zum Rückzug aus der Gemeinde oder für einen Kirchenaustritt werden.

Das Konzil hat für mich erst ein befreites Christsein ermöglicht! Aus einem „Droh-Gott“ wurde für mich der „gütige Gott“, bei dem ich mich geborgen fühlen kann. Die Liturgiereform trug das ihrige dazu bei. Auch hier müssen wir darauf bedacht sein, dass die Gläubigen unserer Zeit in den Gottesdiensten sich wirklich angesprochen fühlen und ihr zeitgemäßes Bedürfnis nach Spiritualität ernstgenommen wird.

Viele wichtige Themen des Konzils sind bei vielen, besonders in der Seelsorge-Ausbildung, ins Hintertreffen beziehungsweise in Vergessenheit geraten! Hier ist aus meiner Sicht ein dringender Handlungsbedarf!

Auf Augenhöhe Verantwortung tragen

So traurig es auch ist, aber mit zunehmenden Problemen beim Nachwuchs in den Seelsorge-Berufen wachsen der Einfluss und auch die Möglichkeiten der Ehrenamtlichen in der Mitgestaltung der Gemeinde. Das bedeutet heutezutage: gemeinsam auf Augenhöhe Verantwortung tragen! Die Räte müssen auch dringend daran mitarbeiten, dass fernstehende Mitmenschen die Gemeinden als offen, empathisch und einladend wahrnehmen. Dazu gehört, dass neue Wege des Miteinanders gesucht werden.

Am liebsten denke ich an meine ersten Jahre in München zurück, als ich in Schwabing in eine unglaublich kontaktfreudige, rege und konzilsbewegte Gemeinde zog. Bei Pfarrer Lipold lernte ich, was es heißt, aufgeschlossen zu sein, Neues auszuprobieren und auch zuzulassen! (Rita Spangler)

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement. Am Samstag, 30. März, wird das Jubiläum mit einem großen „Fest der Räte“ in München gefeiert.