Laiengremium

Neue Vorsitzende des Katholikenrats gewählt

Die katholischen Laien der Region München haben einen neuen Vorstand gewählt. Die Amtszeit dauert vier Jahre.

Hiltrud Schönheit ist neue Vorsitzende des Katholikenrats der Region München

München – Wenigstens ist heute der erste spielfreie Tag bei der Fußball-WM und man verpasst kein Match“, scherzte einer der rund 60 Delegierten bei der konstituierenden Vollversammlung des Katholikenrats der Region München (KRM). In der Tat brauchten die von Pfarrgemeinderäten und Verbänden gewählten Laienvertreter an diesem Spätnachmittag im Pfarrsaal von St. Korbinian in München-Sendling viel Sitzfleisch: In einem mehrstündigen Marathon wählte das Gremium für die kommenden vier Jahre einen neuen Vorstand. Knapp war die Entscheidung für den Posten des Vorsitzes: Mit 29 zu 25 Stimmen setzte sich die 58-jährige Juristin Hiltrud Schönheit aus dem Pfarrverband Menzing gegen Bankkaufmann und Rechtsanwalt Ulrich Sandhövel (62) aus dem Pfarrverband St. Raphael-Maria Trost durch.

Schönheit engagiert sich im Pfarrgemeinderat und im Dekanatsrat Nymphenburg. Sie war bereits seit 2014 Vorstandsmitglied im KRM. Zudem ist sie für den Caritasverband aktiv, unter anderem als Mitglied der diözesanen Vertreterversammlung und als Kuratoriumsmitglied in München-West.

Neuanfang

Stellvertretende Vorsitzende wurden Politik-Professor Stefan Rappenglück (54), Vorsitzender des Sachbereichgremiums Flucht und Asyl im Diözesanrat, und Beate Meyer (51) von der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. In den Vorstand wurden zudem gewählt: Wolfgang Neuner (57) aus St. Korbinian, Joanna Lange (54) aus der Polnischen Katholischen Gemeinde, Erwin Dillmeier (50) aus St. Rupert, Jens-Uwe Raab (48) aus St. Johann Baptist und Ellen Grisar (66) vom Sozialdienst katholischer Frauen.

Nach mehr als zehn Jahren im KRM stellte sich die bisherige Vorsitzende, Johanna Rumschöttel, ebenso wie ihr Stellvertreter Markus Lutz nicht mehr zur Wahl. So sprachen einige der Kandidaten auch von einem „Neuanfang“ für das Gremium.

Im Engagement nicht nachlassen

Rumschöttel blickte in ihrem Bericht auf die vergangenen vier Jahre zurück. Schwerpunkte des Vorstands seien unter anderem die Themen Ökumene sowie Flucht und Asyl gewesen. Sie hob die erste gemeinsame Tagung von KRM und Evangelisch-Lutherischer Dekanatssynode im April 2017 hervor, aus der ein Memorandum hervorgegangen war (wir berichteten). Als weiteren Meilenstein nannte sie das Bennofest, das seit 2017 zeitgleich zum Stadtgründungsfest gefeiert wird, „um die Katholiken in München noch sichtbarer“ zu machen. „Wir dürfen nicht nachlassen, unseren Glauben zu bezeugen und uns in die Gesellschaft einzubringen“, mahnte Rumschöttel, auch im Engagement für Arme und Ausgegrenzte. Denn München sei keine „Insel der Glückseligkeit“. „Bleiben wir dran!“, rief sie dem Gremium zu, das ihr für ihr Engagment mit Applaus dankte. Offiziell verabschiedet wird Rumschöttel gemeinsam mit den anderen ausscheidenden Mitgliedern von Vollversammlung und Vorstand beim KRM-Jahresempfang. (kbr/gob)


Nachgefragt

Wir haben nach der Wahl mit der neuen Vorsitzenden des Katholikenrats der Region München gesprochen, Hiltrud Schönheit.

MK: Sie haben in Ihrer Wahl-Vorstellung den Begriff des „Seismographen in der Gesellschaft“ aufgegriffen, als der sich der Katholikenrat versteht. Was können Sie zu diesem Auftrag beitragen?

SCHÖNHEIT: Ich möchte zuhören – dem, was mir aus Pfarreien, muttersprachigen Gemeinden und Verbänden erzählt wird. Außerdem gilt es, bei Themen, die für das christliche Leben eine Rolle spielen, Standpunkte einzunehmen und diese gesellschaftlich sowie politisch zu vertreten.

MK: Welche Herausforderungen sehen Sie auf die Katholiken der Region München zukommen?

SCHÖNHEIT: Angesichts der Austritte müssen wir überlegen, wie wir die Bindung der Menschen an die Kirche verbessern können. Eine andere Frage ist, wie man gleichzeitig die Digitalisierung vorantreiben kann, ohne dass die Persönlichkeitsbildung dabei zu kurz kommt.

MK: Heuer feiern die Laienräte ihr 50-jähriges Bestehen. Die Räte sind auch heute wichtig, weil ...

SCHÖNHEIT: ... sie das Gesicht der Kirche zum Positiven hin verändern. Eine Herausforderung wird jedoch sein, dass sich Ehrenamtliche künftig wohl nicht mehr in gleichem Maße wie früher zur Verfügung stellen werden.

Interview: Karin Basso-Ricci