Kirche in der Münchner Innenstadt

Neue Seelsorgerin für City- und Tourismuspastoral

Auch wenn die Touristen im Moment coronabedingt auf sich warten lassen, hat Judith Seipel schon Pläne für ihre neue Arbeitsstelle. Rund um den Liebfrauendom sollen Gäste und Münchner mit dem Evangelium in Berührung kommen.

Die Münchner Innenstadt ist der neue Arbeitsplatz von Judith Seipel. © IMAGO/Christian Offenberg

Mit Gästen in der Sommerfrische hat Judith Seipel (39) von Kindesbeinen an Erfahrung. In Prien am Chiemsee aufgewachsen, machte sie sich mit Freunden gern den Spaß, wenn ein besonders norddeutsch klingender Tourist oder Kurgast leicht näselnd nach dem „Schiemsee“ fragte, ihm den Weg zum Simssee, der unbekannteren Schwester des Chiemsees, zu erklären. Eine nette Anekdote der neuen Seelsorgerin für die City- und Tourismuspastoral in der Münchner Innenstadt. Diese kleine Jugendsünde würde sie sich heute natürlich nicht mehr erlauben, versichert sie lachend, großes Ehrenwort!

Kirchliche Ansprechpartnerin und Gestalterin

Zugeordnet ist die Pastoralreferentin jetzt dem Seelsorgeteam der Dompfarrei sowie St. Peter und Heilig Geist, nachdem sie die vergangenen fünfeinhalb Jahre im Pfarrverband (PV) Feldkirchen-Höhenrain-Laus (Dekanat Bad Aibling) arbeitete. Dort brachte Seipel ein Pilotprojekt des Erzbistums mit auf den Weg, bei dem ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen die Leitung des PVs übernahm. Sie habe dabei „gute Erfahrungen“ machen dürfen: „Gerade die kleinen Pfarreien sind so sehr viel eigenständiger geworden, vor allem auch in der Corona-Krise.“ Das Modellprojekt sei ihr „eine Herzensangelegenheit“ gewesen.

Doch die einmalige Chance, in München, das sie von ihrem Theologiestudium her noch in guter Erinnerung hat, eine neu geschaffene Stelle von Anfang an gestalten und ihr Profil verleihen zu dürfen, ließ sie nun den Schritt zu dieser neuen Aufgabe wagen.

Seit 1. Februar offiziell im Amt, schränkt die Corona-Krise Seipels Aktivitäten derzeit noch arg ein: Lokale, Cafés und die meisten Läden in der Fußgängerzone sind derzeit pandemiebedingt geschlossen, die berühmten Kirchen der Altstadt nur spärlich besucht, etliche Geschäfte sind in der Krise inzwischen pleitegegangen. „Die nächsten eineinhalb Jahre werden entscheiden, wie sich die Innenstadt entwickeln und neu zusammenfinden wird“, wagt Seipel einen Blick in die noch ferne Nach-Corona-Zeit. Sie will hierbei ihren Beitrag leisten als kirchliche Ansprechpartnerin und Gestalterin.

Pläne trotz Corona

Ein paar fixe Projekte hat sie natürlich trotz der derzeitigen Beschränkungen auch schon vor Augen: Im Herbst soll ein Publikumsmagnet, der Dom-Südturm, wieder für Besucher geöffnet werden, in Heilig Geist plane man eine Installation, die sich mit der Corona-Pandemie befasse. Dazu betreibt Seipel derzeit eifrig Sozialraumanalysen und knüpft Kontakte. Citypastoral, ist sie überzeugt, müsse maßgeschneidert auf die jeweilige Örtlichkeit sein, es gebe hier keine Patentrezepte. „Leben und leben lassen“, das etwa mache München bis heute aus. Mit all diesen und vielen weiteren Ideen im Hinterkopf will sie künftig Touristen und alle anderen Menschen, die täglich in der Innenstadt unterwegs sind, ansprechen und dabei auch mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung bringen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de