München und Regensburg

Neue Denkmäler erinnern an den NS-Widerständler Fritz Gerlich

Der frühe Hitler-Gegner Fritz Gerlich blieb in der Geschichte des Widerstands lange links liegen. In der Erinnerung an die NS-Zeit spielte er keine Rolle. Jetzt werden ihm in München und Regensburg Denkmäler gesetzt.

Fritz Gerlich (Bild: smb/privat)

München/Regensburg - Fritz Gerlich war dem Regensburger Bildhauer Andreas Prucker (49) bis vor kurzem kein Begriff. Dabei wohnt der Steinmetz nur 200 Meter neben einer Straße, die nach dem Münchner Publizisten benannt ist. Dieser bot Hitler schon früh die Stirn und wurde deshalb am 1. Juli 1934 ermordet. Prucker, ein handfester Typ mit Pferdeschwanz, ist keiner, der sich so leicht für historische Themen erwärmt. Doch nach dem Tipp eines Gerlich-Kenners musste er alles verschlingen, was er über den Widerständler zu lesen bekam. Die Person fesselte ihn förmlich und ließ den Entschluss reifen: "Eine Büste muss her."

Kurz vor dem Regensburger Katholikentag im Mai 2014 war der Steinmetz mit seiner Arbeit fertig: In einen rauen Muschelkalk-Bruchstein gehauen, zeigt ein leicht überlebensgroßer Torso eine kantige Persönlichkeit, die leidenschaftlich diskutiert. Inspiriert wurde der Künstler durch eines der wenigen erhaltenen Fotos von Gerlich: Auf ihm sitzt er am Gartentisch mit Freunden, vertieft in ein intensives Gespräch. Nun freut sich Prucker, dass "sein" Gerlich "Karriere gemacht hat".

Prominente Gäste

Am kommenden Donnerstag wird ein Bronzeabguss der Büste auf dem Freigelände des Münchner Hansa-Hauses feierlich enthüllt. Das Gebäude am Königsplatz ist die Zentrale des katholischen Sozialverbands KKV und liegt am Königsplatz, schräg gegenüber zum neuen NS-Dokumentationszentrum, wo ebenfalls an Gerlich erinnert wird.

Zum Festakt haben sich prominente Gäste angemeldet: Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wird ein Grußwort sprechen, ein Großneffe Gerlichs will kommen, der Speyerer Historiker und wohl beste Gerlich-Kenner Rudolf Morsey wird aus seiner Forschung berichten. Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der den "kompromisslosen und radikalen Wahrheitssucher" seit seinen Münchner Studienjahren verehrt, wird einen Beitrag leisten.

Gerlich-Experte Voderholzer

Die Erinnerung an Gerlich und seinen kühnen Versuch, Hitler mit scharfen publizistischen Attacken in seiner Zeitschrift "Der gerade Weg" schon 1932 zu stoppen, zählt zu den Passionen Voderholzers. Beim Katholikentag in seiner Bischofsstadt erwähnte er den spät zum Katholizismus konvertierten Publizisten bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Ein zweiter Bronzeabguss der von Prucker gefertigten Büste soll deshalb demnächst auch in Regensburg aufgestellt werden - natürlich in der Gerlichstraße, "um ihren Namensgeber sichtbar zu machen", sagt Voderholzer. Für den Ankauf des Bronze-Porträts greift der Bischof tief in seine Privatschatulle. Die Stadt hat sich bereits grundsätzlich mit dem Standort einverstanden erklärt, wie ein Bistumssprecher mitteilt. Lediglich Details seien noch zu klären.

Unerträglich unbequem

Für die Wahl des Materials liefert Prucker eine spezielle Begründung: Bronze sei "vandalismussicherer" als Stein. Damit gibt der Künstler zu verstehen, dass der Märtyrer, der für seine Überzeugungen vor 81 Jahren im Konzentrationslager Dachau sterben musste, bis heute für manche geradezu unerträglich unbequem ist. Klarer und früher als viele andere hatte Gerlich schon vor Hitlers Wahl zum Reichskanzler prophezeit: "Nationalsozialismus heißt Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not."

Das Erzbistum München und Freising prüft indes seit mehr als einem Jahr, ob ein Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet werden kann. Kenner der Materie sehen gute Chancen, weil bei Märtyrern kein Wunder nachgewiesen muss, das auf ihre Fürsprache zurückzuführen ist. Die offizielle Eröffnung des Verfahrens lässt aber noch auf sich warten. (Christoph Renzikowski/kna)