Ökologie und Orden

Naturschützer übernehmen Pasinger Klosterpark

Die Congregatio Jesu Münchner Stadtteil Pasing besaß bis vor kurzem einen ökologisch wertvollen Park. Die Ordensgemeinschaft will das Biotop erhalten und hat das Grundstück an den BUND Naturschutz verkauft.

In Zukunft soll der Magdalenenpark für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. © Congregatio Jesu, Sr. Gonzaga Wennmacher CJ

München-Pasing - Alte Bäume, von denen das Laub abgefallen ist. Eine Insel umgeben von einem Wassergraben. Ein altes Gewächshaus und eine große Streuobstwiese. So groß wie zwei Fußballfelder ist dieses kleine Paradies das hinter dem Pasinger Kloster der Congregatio Jesu verborgen ist.

Vielen sind die Schwestern noch als Englische Fräulein bekannt, die in Bayern viele Schulen gegründet haben. Um 1860 ließen sie sich auch im Münchner Westen an dem kleinen Fluss Würm nieder. Sie erwarben den großen Park, waren Selbstversorger und eifrige Gärtnerinnen. „Wir haben ihn bis vor einigen Jahrzehnten mit eigenen Schwestern gepflegt“, erzählt Schwester Veronica Fuhrmann beim Spaziergang durch den Park. Sie gehört als Provinzassistentin zur Leitung der mitteleuropäischen Ordensprovinz.

Erbschaft ermöglicht Erhalt des Klostergartens

Nachdem es nicht mehr genügend Schwestern gab, die sich um das Gelände mit seinen 400 Bäumen, Blumenrabatten und Gemüsebeeten kümmern konnten, hat die Congregatio Jesu einen Gärtnerbetrieb beauftragt. Der Aufwand und damit auch die Kosten dieses verträumte Stück Natur zu erhalten sind hoch. Gleichzeitig will die Ordensgemeinschaft diesen ökologischen Schatz für die Nachwelt bewahren. Darum hat die Congregatio Jesu den Park an den BUND Naturschutz (BN) verkauft. Der Verband verwendet dafür eine Erbschaft. Das damit erworbene Gelände muss aber den Vornamen ihrer Mutter tragen, so hat es die Gönnerin verfügt. Das weitläufige Klosterareal heißt nun Magdalenenpark.

Über den Preis ist Stillschweigen vereinbart. Aber die Schwestern hätten das riesige Grundstück wohl für deutlich mehr Geld an einen Investor oder eine Privatperson losschlagen können. Eine Frage, die sich Schwester Veronica und der Provinzleitung immer wieder stellt, wenn sie Liegenschaften verkaufen: „Wir müssen eine Balance halten zwischen notwendigen Einnahmen, die wir brauchen, um unsere alten Mitschwestern zu versorgen; auf der anderen Seite ist es uns wichtig, nachhaltig und werteorientiert vor zu gehen.“

Ältestes erhaltenes Baudenkmal Pasings

Der BN will das Gelände nun behutsam weiterentwickeln und möglichst wenig verändern. Zudem dort auch ein historischer Schatz ruht.  Auf der von einem künstlichen Flussarm umschlossenen Parkinsel ist das älteste erhaltene Baudenkmal Pasings zu finden. Ein mittelalterliches Gewölbe aus dem 12. Jahrhundert mit einer mächtigen Säule. Darüber erhob sich einmal ein Wasserschloss, das längst abgerissen ist. In dieses Gewölbe könnten vielleicht wieder einmal Bewohner einziehen. Der BN schließt nicht aus, hier Fledermäuse anzusiedeln. Das dürfte aber noch dauern, wenn es überhaupt möglich ist.

Biber in Pasing

Andere Gäste kommen dagegen schon seit längerem vorbei: Die Biber. „Jede Familie besiedelt etwa einen Kilometer am Würmufer und so sind die Biber auch hier“, erläutert Peter Heller, BN-Projektleiter für den Magdalenenpark. Nachdem sich die Tiere nach und nach vorarbeiten, könnten sie einigen Bäumen zu nahe rücken, die am Flussarm wachsen, der sich durch einen Teil des Parks zieht. Darum hat der BN an einigen Stämmen Drahtgeflechte angebracht. Die schmecken den Bibern nicht, die den Naturschützern sonst willkommen sind. Schließlich hat der BN die in Bayern zeitweise fast ausgerotteten Nager selbst vor einigen Jahren wieder angesiedelt. Sie gehören jetzt wieder zum Ökosystem an der Würm im Münchner Westen.

Magdalenenpark wird für die Öffentlichkeit zugänglich

Für das spielt auch der Magdalenenpark eine herausragende Rolle: „Das ist hier mit das älteste Naturgelände, das es in Pasing gibt, mit den mächtigsten Bäumen, die der Stadtteil überhaupt noch hat “, schwärmt Peter Heller. Und erläutert auch gleich, wie wichtig der Park als Teil einer „Frischluftschneise und eines Kaltluftentstehungsgebietes“ ist, mit einer „Vielzahl an Flora und Fauna“. Die will der BN teilweise zugänglich machen. Denn der bisherige Klosterpark war für die Öffentlichkeit verschlossen. Die große Streuobstwiese und der Blick auf die Würm und ihre Insel sollen für die Pasinger offen sein. Allerdings erst in einigen Jahren.

Peter Heller muss verschiedene Behörden einbinden und der BN plant auf lange Sicht. Auf alten Plänen hat er aber schon herausgefunden, dass es schon einmal eine Wegeverbindung und einen Zugang nach außen gab. Daran ließe sich anknüpfen. Bis dahin sind die Biber die einzigen Gäste und können sich freuen, dass der BN dieses Biotop erhält. Genauso, wie das die Klostergemeinschaft in den 160 Jahre zuvor getan hat.

Audio

Beitrag über den Pasinger Magdalenenpark im Münchner Kirchenradio