Wallfahrtssaison

Mutter aller Menschen

Bis heute pilgern tausende Gläubige jedes Jahr nach Tuntenhausen, um Marias Hilfe zu erbitten. Aber auch andere Suchende kommen, weil sie hier einen besonderen Ort finden.

Die Wallfahrts-Basilika Tuntenhausen

Tuntenhausen – Wenn man eine Wallfahrtskirche wie etwa Tuntenhausen (Dekanat Bad Aibling) betritt, sieht man oft an den Wänden Votivtafeln. Sie erzählen von Gebetserhörungen bei Naturkatastrophen und Unfällen, in Krankheit und in Zeiten von Epidemien. In allen Gefahren haben Menschen zu Maria um Hilfe gebetet. Gerade in den schwersten Zeiten haben Wallfahrtsorte so einen großen Zulauf erlebt.

Manche glauben vielleicht, Votivgaben sind Relikte aus längst vergangen Zeiten, und Wallfahren ist längst abgeschafft und überholt. Wer aber genau hinsieht, entdeckt auch viele Dankesgaben aus unserer Zeit. Die Hilfe Mariens wirkt also auch heute noch.

Gelegenheit zum Genießen

Heutzutage hat sich dieses Wallfahrtswesen allerdings ein wenig verändert. Kirchen sind oft auch Sehenswürdigkeiten für Gäste, der Stolz der Einheimischen, aber auch immer noch ein Ort für Suchende. In Tuntenhausen, dem größten Wallfahrtsort der Erzdiözese, kann man sehr gut sehen, dass Marienverehrung nicht aus der Mode gekommen ist. Ganz im Gegenteil. Auch in diesen Tagen kommen viele mit dem Auto oder auf einer Radtour auf Besuch zu uns. Bei uns sehen sie schon von Weitem einen besonderen Ort, der seit über sechshundert Jahren Menschen anzieht und einlädt, um zu sehen, zu staunen und zu verweilen.

Gerade dieses Staunen über die Kunst und Schönheit lässt die Besucher ruhig, oft sogar ganz still werden. Dies ist eine Gelegenheit, das zu genießen, was man sonst im Leben kaum findet: Stille, die uns Menschen zum Nachdenken bringt. Man spürt jenen besonderen Geist, der von diesem und anderen Kraftorten des Glaubens ausgeht. Oft gehen Besucher erleichtert und getröstet zurück in ihr gewohntes Leben.

Jeder ist willkommen

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie kommen immer noch viele Suchende nach Tuntenhausen, um Halt zu finden in einer bedrückenden Zeit. Gottesdienste dürfen wir momentan noch nicht feiern. Aber trotzdem stehen unsere Kirchentüren weit offen für alle Besucher. Oft sagen mir Menschen, dass sie nach einem Besuch in Tuntenhausen erleichtert nach Hause fahren. Sie konnten ihre Sorgen vor der Muttergottes abladen. Denn Maria ist die Mutter aller Menschen, sie kennt alle Sorgen, und das ist seit zwei Jahrtausenden so. An Wallfahrtsorten ist man als Besucher und als Suchender anders als sonst gegenwärtig. Es sind attraktive Orte, die auch Menschen ansprechen, die keinen großen Bezug zu Gott haben, die auch zweifeln und trotzdem Gott hier aufsuchen. Hier ist jeder willkommen. Ein beruhigendes Gefühl, gerade für Menschen ohne feste religiöse Praxis, die Wallfahrtsorte ganz bewusst aufsuchen.

Lichtlein der Hoffnung

Auf der anderen Seite gibt es immer noch rund neunzig feste Wallfahrergruppen aus Bayern, Tirol und dem Salzburger Land, die jedes Jahr nach Tuntenhausen wallfahren und damit einer alten Tradition oder einem Gelöbnis aus früherer Zeit folgen. Durch die momentane Situation sind diese großen Wallfahrten heuer zumindest ein Zeit lang nicht möglich. In Zeiten von Abwendung und Rückzug vieler Gläubigen haben unsere Wallfahrtsorte immer noch eine große Chance, Menschen anzusprechen, mit ihnen in Kontakt zu kommen und – wenn auch nur ein kleines Stück – zu begleiten

Ein besonderes Zeichen in allen Kirchen ist das Entzünden einer Opferkerze. An Ostern feiern wir dieses Licht des Lebens. In der momentanen Situation mit der Bedrohung durch Corona soll dieses kleine Lichtlein den Menschen wieder Hoffnung für die Zukunft und Trost bei Trauer um einen lieben Menschen schenken. Wir wollen allen Suchenden unsere Kirchentüren weit öffnen nach dem Motto aus dem Johannesevangelium 1,39 „Kommt und seht“! (Bruno Bibinger)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie