Oberammergauer Passionsspiele

Muslim ist zweiter Spielleiter

Christian Stückl wurde zum vierten Mal mit der Spielleitung der Oberammergauer Passionsspiele betraut. An seiner Seite wird der gebürtige Oberammergauer und Muslim Abdullah Kenan Karaca zweiter Leiter. 2020 werden die Oberammergauer die Passion auf die Bühne bringen.

Abdullah Kenan Karaca und Christian Stückl (Bild: Sankt Michaelsbund/Greckl)

Oberammergau – Mit einem Abstimmungsergebnis von 13:5 wurden Christian Stückl und sein Leitungsteam mit der Durchführung der Passionsspiel 2020 gewählt. Stückl wurde bereits zum vierten Mal nach 1990, 2000 und 2010 mit der Spielleitung der 42. Passionsspiele betraut. Neben ihm wurde auch das bewährte Team mit Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier und dem Dirigenten und Komponisten Markus Zwink im Amt bestätigt. Neu im Leitungsteam ist der Muslim Abdullah Kenan Karaca. Dieser ist 1989 in Garmisch-Partenkirchen geboren und wuchs in Oberammergau auf. Er arbeitete schon oft mit Christian Stückl zusammen, so war er beispielsweise nach dem Abitur 2009 Regieassistent am Münchner Volkstheater. Außerdem war er auch bei den Salzburgern Festspielen Regiesassistent unter Stückl bei „Der Jedermann“.

Ein neuer Blick

Er freut sich sehr auf die intensive Arbeit mit dem Text und die Auseinandersetzung mit der Person Jesu und den anderen Figuren, sagte er den Münchner Kirchennachrichten nach der Bekanntgabe des Leitungsteams. Dass Karaca Muslim ist kann nur „fruchtbar“ sein, da er vielleicht mal einen anderen Blick mit hineinbringt, sagte Stückl den Münchner Kirchennachrichten. So sieht er das selbst auch: Durch die gemeinsame Arbeit können andere Schlüsse gezogen werden, es können andere Gedankengänge und ein anderer Blick auf die Geschichte geworfen werden, sagt er selbst.

Der richtige Mann

Stückl findet Nachwuchs sowohl im Spielerbereich als auch in allen anderen Bereichen wichtig. Die Wahl auf Karaca sei für ihn seit 5 Jahren eine ganz klare Geschichte gewesen, sagte er. Er wäre mit viel Eifer gekommen und hätte ihm gesagt, dass er Regisseur werden will. Das Ziel hätte er mit großer Ernsthaftigkeit verfolgt. So war er drei Jahre sein Assistent in München, war in Oberammergau dabei und studiert in Hamburg – für ihn sei es daher die logische Konsequenz gewesen ihn vorzuschlagen und zu sagen, „Er ist der richtige Mann dafür“.

Über 2000 Oberammergauerinnen und Oberammergauern werden am Passionsspiel teilnehmen. Die seit über 380 Jahren fast lückenlos gepflegte und gelebte Tradition, das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi auf die Bühne zu bringen wird 2020 zum 42. Mal fortgesetzt und gilt als eines der wichtigsten religiösen und kulturellen Ereignisse in Deutschland. Es werden rund 500.000 Zuschauer aus aller Welt erwartet. Premiere ist im Mai 2020. (pm/mg/kas)

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