Pfarrverband lädt zu Werte-Diskurs ein

Moralisches Glaubensgerüst

"Welchen Wert haben christliche Werte?" So lautete die Frage des Abends bei der Münchner Diskussionsrunde „Klosterforum Isarvorstadt“. Die Antworten der Gesprächsteilnehmer um Kapuzinerpater Stefan Walser ließen aufhorchen.

Die Gesprächsrunde: Dieter Müller, Professor Thomas Graf von Arnim, Stefan Walser, Christine Fischer, Christian Vorländer und Xander Zimmermann (von links) (Bild: Ertl)

M-St. Anton - Für einen Lacher sorgt ein Mann, der im unverkennbaren O-Ton Süd in die Kamera spricht: „Mir san christlich erzogen, mir san in Bayern.“ Ja, dann. Die per Beamer an die Wand des Pfarrsaals von St. Anton geworfene Straßenumfrage aus der Münchner Fußgängerzone lieferte interessante Einblicke: „Was sind für Sie christliche Werte?“, hatte man gefragt. Der kurze Einspieler bildete den Auftakt zum „Klosterforum Isarvorstadt“. „Welchen Wert haben christliche Werte?“ lautete das Thema des Abends und bei den Passanten fielen Begriffe wie „Toleranz“, „Ehrlichkeit“, „Solidarität“ oder „Treue“.

Aber wo steckt denn nun bei diesen generell moralisch-ethischen Werten das explizit Christliche? Kapuzinerpater Stefan Walser, der die Veranstaltungsreihe zusammen mit dem örtlichen Pfarrgemeinderat organisiert, fragte bei seinen Gesprächspartnern nach. Die Antworten an diesem gut 90-minütigen Diskussionsabend waren interessant und durchaus kurzweilig: Der Münchner Jesuitenbruder Dieter Müller, seit 16 Jahren für seinen Orden in der Flüchtlingsarbeit tätig, betonte, „dass wir als Christen keinen Anspruch darauf haben, zu glauben, gegenüber anderen Kulturen und Religionen die besseren Werte zu vertreten“. Als Jesuit liegt ihm „Gerechtigkeit“ besonders am Herzen, getreu der ordenseigenen Satzungs-Passage: „Wer den Glauben vermitteln möchte, muss sich einsetzen für Gerechtigkeit.“ Diese ergänzt er durch den zweiten Wert, die „Barmherzigkeit“. Seine Aussage untermauert Müller mit dem biblischen Gleichnis der Arbeiter im Weinberg, die am Ende des Tages trotz unterschiedlicher Arbeitszeit alle den gleichen Lohn ausbezahlt bekommen: „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind nicht widersprüchlich, sondern nur, wenn der Neid dazukommt“, ist der Jesuit überzeugt.

Der SPD-Stadtrat Christian Vorländer stammt aus einem protestantischen Pfarrhaus. Auch für ihn ist „Barmherzigkeit“ ein besonders christlicher, wenn auch „sperriger“ Begriff: „Bei Barmherzigkeit merken viele Menschen auf, da hält man inne, das Wort ist fast aus der Zeit gefallen.“ Des Weiteren sind ihm die Werte „Verantwortung für das Gemeinwohl“ sowie ein „intaktes moralisches Glaubensgerüst“ bei seiner täglichen (nicht nur politischen) Arbeit wichtig.

 

Auch Pfarrer Stefan Maria Huppertz (rechts) diskutierte mit. (Bild: Ertl)

Der Mediziner Professor Thomas Graf von Arnim, 25 Jahre Ärztlicher Direktor des Münchner Rotkreuzklinikum und ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei den Johannitern, führte den Wahlspruch seines über 900 Jahre alten geistlichen Ritterordens an: „Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum“ – „Schutz und Bezeugung des Glaubens sowie Hilfe für die Bedürftigen, Schwachen und Armen“. Dieser sei heute aktuell wie ehedem und ein großer Auftrag (und Wert) für eine christliche Hilfsvereinigung.

Christine Fischer arbeitet in einer Münchner Unterkunft des Alveni- Flüchtlingsdienstes der Caritas. Sie sieht im christlichen Wertekanon eine „Schubkraft“ für ihre tägliche Arbeit. Aus Respekt und Rücksicht auf ihre Kollegen und die von ihr zu Betreuenden, die aus diversen Kulturkreisen stammen und verschiedenen Religionen angehören, spricht sie lieber von „moralischen Werten“.

Der Komponist und Musiker Xander Zimmermann, Mitglied im Pfarrgemeinderat Isarvorstadt, brachte am Ende das „spezifisch Christliche“ nochmals auf den Punkt: Es sei so etwas wie eine „Beständigkeit gegen jegliche Zeitströme“, jenseits allen gesellschaftlichen Meinungsstreits. Ein „Sich-getragen-Fühlen“ in der Welt, gespeist aus dem Selbstverständnis des uns von Christus selbst zugesagten „Fürchte dich nicht!“. (Florian Ertl)

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