Corona und Kinder

Moralische Impfpflicht für Erwachsene

Gezielte Durchseuchung der Kinder? Aus Sicht der Moraltheologin Kerstin Schlögl-Flierl nimmt die Politik das gerade in Kauf. Nun stehen die Erwachsenen in der Pflicht, um das Risiko einer Erkrankung der Kinder gering zu halten.

Für Theologin Kerstin Schlögl-Flierl gibt es eine moralische Impfpflicht. © Deutscher Ethikrat

Augsburg – Gerade bei Kindern und Jugendlichen steigen aktuell die Inzidenzen. Das teilte das Robert-Koch-Institut vergangene Woche mit. Diese Gruppe kann zum Teil noch nicht geimpft werden und hat in Schule und Kitas viel Kontakt mit anderen. Immer wieder wird deshalb auch von einer gezielten Durchseuchung der Kinder gesprochen. Das Ziel sei zwar nicht wirklich ausgegeben, aber im politischen Handeln in Kauf genommen worden, sagt Moraltheologin Kerstin Schlögl-Flierl. Sie ist Lehrstuhlinhaberin in Augsburg und seit vergangenem Jahr Mitglied im Ethikrat. Jetzt sei es wichtig, das Risiko für die Kinder, zum Beispiel auch an Long Covid zu erkranken, genau im Auge zu behalten.

Moraltheologin: Erwachsene sollten sich impfen lassen

Den „Sozialraum Schule“ solle man den Kindern auf keinen Fall vorenthalten, allerdings gäbe es hier Nachbesserungsbedarf in Sachen Luftfiltern und auch Platz. Nicht alle Schulen könnten den Abstand bewahren. Aber nicht nur die Schule, auch andere Sozialräume müssten offengehalten werden. „Sport, Kultur, Freunde, ich würde sagen: Wir müssen uns impfen lassen, als Erwachsene, um den Kindern ein Leben zu ermöglichen.“

Sie würde sich Solidarität der Älteren gegenüber der Jüngeren wünschen, so Schlögl-Flierl weiter. Zu Beginn der Pandemie hätten die Jüngeren stark Rücksicht genommen, jetzt sei es Zeit, das zurückzugeben. Außerdem sollte den Jüngeren auch wieder mehr zugestanden werden, wie beispielweise feiern zu gehen. Vor allem braucht es mehr Dialog, „es sollte kein Kampf der Generationen daraus entstehen.“

Über Impfung aufklären

Wichtig sei jetzt mehreres, so müsse die genaue Impfquote ermittelt werden, um planen zu können. Bei Jugendlichen und Eltern müsste eine gezielte Aufklärung zur Impfung erfolgen und es gelte, die Eingriffstiefe von Maßnahmen zu bewerten. „Mund- und Nasenbedeckung im öffentlichen Nahverkehr würde ich noch länger beibehalten, weil sie wenig eingriffstief sind“, so Schlögl-Flierl. Nicht zuletzt gilt es, sich auf neue Krisen vorzubereiten.

Im Hinblick auf Impfgegner fordert die Moraltheologin zuerst eine Versachlichung der Debatte, „die emotional irrsinnig aufgeladen ist.“ Es sei wichtig, mögliche Impffolgen ins Verhältnis zu setzen mit den Schäden, die aus einer Coronainfektion resultieren können, „also, dass man Impfung und Coronainfektion miteinander vergleicht“. Außerdem müsste die so genannte Infodemie (In der Pandemie hat die Informationsflut zugenommen, aber auch die gezielte Desinformation, das nennt sich Infodemie, Anm. der Redaktion) gezielt bekämpft werden.

Nebenwirkungen sind bekannt

Aber gibt es eine moralische Pflicht, sich impfen zu lassen? Zu Anfang der Pandemie habe sie noch von einer moralischen Pflicht gesprochen, sich zu überlegen, sich impfen zu lassen, auch weil man wenig wusste zum Impfstoff und möglichen Nebenwirkungen. „Jetzt wissen wir immer mehr und es gibt immer mehr Studien. Jetzt würde ich wirklich davon sprechen wollen, dass es eine moralische Pflicht gibt, sich impfen zu lassen."

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie