Odilo Lechner über seine Abtweihe vor 50 Jahren

Mit weitem Herzen

Altabt Odilo Lechner (83), einer der bundesweit bekanntesten Ordensmänner, feiert Jubiläum. Am 14. Juli 1964, vor 50 Jahren, wurde er zum 7. Abt der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs gewählt und am 8. September vor 50 Jahren durch den damaligen Münchner Kardinal Julius Döpfner in München geweiht.

Die Abtweihe des damals 33-jährigen Benediktinerpaters Odilo Lechner am 8. September 1964 in St. Bonifaz spendet Kardinal Julius Döpfner. (Bild: Tögel/Archiv)

Seinerzeit war Lechner mit 33 Jahren Deutschlands jüngster Abt. Das Amt hatte er bis 2003 inne. Wir trafen den Benediktiner in St. Bonifaz zum Interview.

MK: Was war in Ihrer langen Zeit als Klostervorsteher eine Ihrer wesentlichen Handlungsmaximen?
LECHNER: Als Abt darf man sich einen Wahlspruch suchen. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich gerade auf den meinen kam, aber am Ende des Prologs der Benedikts-Regel steht das Wort, dass das klösterliche Leben mitunter auch härter oder strenger sein kann, dass einem aber, wenn man im Glauben voranschreitet, „das Herz weit wird“. Das hat mich bewegt und wurde mein Wahlspruch: „Dilatato corde“ – „Mit weitem Herzen“. Es bedeutet, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass uns Gott führt und dass er in die Weite führt, nicht in die Enge.

MK: Ihre besonnene und unaufgeregte Stimme hatte und hat bis heute bei vielen Gläubigen großes Gewicht. Wie erklären Sie sich das?
LECHNER: Ich denke, wenn man aus dem Kloster kommt, kommt man aus einer gewissen Ruhe und Gelassenheit. Es ist wichtig, dass die Menschen spüren, wenn so ein Mensch predigt oder ein Interview gibt, dass er nicht etwas durchsetzen will, sondern dass er aus einer ruhigen Überlegung und aus einer inneren Überzeugung heraus spricht. (Interview: Florian Ertl)

Zum goldenen Abtjubiläum findet am Montag, 8. September, dem Fest Mariä Geburt, um 19 Uhr ein Gottesdienst in St. Bonifaz (Karlstraße 34) statt.