Landshuter Hochzeit

Mit Herz und Hut

Katholikenratsvorsitzende Irene Saller arbeitet hinter den Kulissen der Landshuter Hochzeit mit. Auf welchen Moment sie sich am meisten freut, lesen Sie hier.

Irene Saller fertigt unter anderem Filzhüte für die Junker. © SMB/Jäger

Landshut – Eigentlich arbeitet sie als Verwaltungsangestellte am Klinikum Landshut und ist erste Vorsitzende des Landshuter Katholikenrats, aber in den kommenden drei Wochen tauscht sie den Kugelschreiber im Büro gegen die Schöpfkelle in der Hofküche. Denn Irene Saller ist bei der Landshuter Hochzeit aktiv dabei: Zum einen verköstigt sie die Mitwirkenden mit mittelalterlichen Spezialitäten, zum anderen ist sie Kammerfrau im Fundus.

Der befindet sich im Zeughaus direkt neben dem Turnierplatz, wo alle Kostüme, Schuhe, Hüte und sonstigen Accessoires gelagert sind. Und gerade hier gibt es vor Beginn der Landshuter Hochzeit jede Menge zu tun. Schließlich wollen rund 2.400 Mitwirkende ihr originalgetreues Kostüm haben.

Die Nähmaschinen rattern, die Dampfbügeleisen zischen, an der Stange hängen noch rund 30 Kostüme – Samtkleider in grün und rot, gelbe Jacken, braune Wämser. An ihnen müssen noch letzte Änderungen vorgenommen werden, bevor sie am 30. Juni beim ersten Umzug von den Zuschauern bewundert werden können.

Gänsehautfeeling

Auf diesen Moment freut sich Saller am meisten: „Wenn man vom Dreifaltigkeitsplatz Richtung Martinskirche geht, all die Menschen sieht und die Glocke der Martinskirche läutet – das ist Gänsehautfeeling pur.“ Das entschädigt auch für all die Zeit, die sie im Fundus verbracht hat: „Die Arbeitsstunden kann man gar nicht zählen. Wir sind hier etwa 35 Kammerfrauen und -männer, jeder hat seinen Schwerpunkt: Der eine macht Stickereien, der andere malt Fahnen, der nächste fertigt Ledertaschen.“

Alle sind mit Herzblut dabei, und zwar nicht nur alle vier Jahre, wenn die „LaHo“ stattfindet, wie Margot Mayr erzählt, die ebenfalls im Fundus mitarbeitet. „Wir treffen uns jeden Mittwoch von 19 bis 22 Uhr, außer in den Sommerferien“, berichtet sie. „Auch bei den Vorstellungsgesprächen sind wir gefragt zum Haare- und Größe-Messen. Und bei den Kostümausgaben sind wir auch dabei.“

Die Landshuter Hochzeit erinnert an die Vermählung des bayerischen Herzogs Georgs des Reichen mit Hedwig, der Tochter des polnischen Königs, 1475 und ist eines der größten historischen Feste Europas. Bei ihr mitwirken zu dürfen, ist für die Landshuter eine Ehrensache. Nachwuchssorgen haben die „Förderer“, die Veranstalter des Spektakels, deshalb nicht. Vor allem die jungen Mädchen im Alter zwischen 17 und 24 träumen davon, als Edeldame dabei zu sein. Außer dem richtigen Alter müssen sie noch etwas mitbringen: Haare, die mindestens die Schulterblätter bedecken. Bei den Männern reicht es, wenn die Ohrläppchen nicht zu sehen sind.

Mittelalter für alle Sinne

Für die Junker fertigt Irene Saller passgenaue Filzhüte. Dafür hat sie extra einen Kurs in der Schweiz besucht. Darüber hinaus versorgt sie in der Hofküche die Darsteller. Natürlich sind auch die Speisen originalgetreu: „Es gibt bei uns keine Kartoffeln oder Tomaten, denn die gab es hier damals ja auch noch nicht.“ Trotzdem müssen Darsteller und Besucher nicht hungern. Ochs am Spieß, Spanferkel, Kaiserschmarrn oder Gulaschsuppe, dazu ein Humpen Bier – das Mittelalter wird in Landshut für alle Sinne lebendig.

Bis zum 23. Juli herrscht Ausnahmezustand in der niederbayerischen Stadt. Gut eine halbe Million Besucher werden zur Landshuter Hochzeit erwartet. An allen vier Sonntagen gibt es nicht nur jeweils um 14 Uhr den Hochzeitszug, sondern auch besondere Gottesdienste.

Den internen Höhepunkt begehen die Landshuter aber am Montag nach der LaHo, am 24. Juli. Da feiert Stiftspropst Franz Joseph Baur einen Dankgottesdienst mit allen Mitwirkenden, bei dem es sehr emotional zugeht, verrät Irene Saller: „Am Ende gibt’s reichlich Tränen, weil dann einfach eine tolle Zeit mit viel Spaß und Freude zu Ende geht. Das ist immer nochmal ein sehr ergreifender Moment.“ (Lydia Jäger)