Erzbistum München und Freising

Missbrauch in der Kirche: Diskussionsabend mit Betroffenen

Erneut findet im Münchner Erzbistum eine Veranstaltung mit von Missbrauch Betroffenen statt. Es soll um die sachliche Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche und die Frage: "Was Betroffene wirklich bewegt?"gehen.

Im März 2022 stellte sich Kardinal Marx (2.v.r.) im Münchner Künstlerhaus der Begegnung mit Missbrauchsbetroffenen. © Kiderle

München – Unter dem Titel "Betroffene hören. Worte von Menschen mit Missbrauchserfahrung" findet im Erzbistum München und Freising am 5. Juli um 19 Uhr erneut ein Diskussionsabend. Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung in der Katholischen Akademie in München vom Unabhängigen Betroffenenbeirat in der Erzdiözese. Thematisch steht diesmal die Frage im Mittelpunkt "Was Betroffene wirklich bewegt".

Erstmals war nach der Vorstellung des Münchner Missbrauchsgutachtens im Januar, im März ein solches Gesprächsformat angeboten worden. Seither hätten sich ingesamt rund 44 weitere Betroffenen gemeldet, sagte der Sprecher des Betroffenenbeirats, Richard Kick, auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur. Das Gremium wird am Donnerstag dieser Woche wieder zusammentreffen. Von den Vertreten des Erzbistums wollten die Mitglieder wissen, was seither von den im Gutachten gemachten Empfehlungen umgesetzt worden sei.

Sprecher Kick: "Worte statt Taten"

Kick kritisierte, dass nach wie vor noch viel zu viel geredet werde, aber nicht wirklich Taten folgten. Das gelte auch für die von beiden Seiten gewünschte, neutrale Ombudsstelle, die es noch immer nicht gebe. Er zeigte sich überzeugt, dass die Kirchen für die weitere Aufarbeitung der Hilfe des Freistaats bedürften. Kraft seines Amtes habe er mittlerweile "vertrauliche Gespräche" mit Vertreter der Staatsregierung diesbezüglich geführt.

Ein weiteres Thema bei der nächsten Sitzung wird laut Kick das Angebot der Berufsgenossenschaft VBG sein. Diese hatte die Kirchen im April aufgefordert, ihr Fälle von sexuellem Missbrauch zu melden. Auch hier werde es Zeit, dass dringend etwas vorangehe. Dabei begrüßte er es, dass die VBG auch erwäge, Lebensrenten für Betroffene zu bezahlen, was vonseiten der Kirche ausgeschlossen werde.

Kardinal Marx mit dabei

Bei der Veranstaltung am 5. Juli steht nach einer Begrüßung durch die Amtschefin des Erzbischöflichen Ordinariats München, Stephanie Herrmann, ein Podiumsgespräch zum Thema "Was Betroffene wirklich bewegt" auf dem Programm. Moderator ist Kick. Seine Gesprächspartner sind die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel, die katholische Theologin Barbara Haslbeck, die unabhängige Ansprechperson der Erzdiözese für Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch, Martin Miebach, und Kardinal Reinhard Marx. Im Anschluss bestehe die Möglichkeit zum informellen Austausch. (kna)

Wer an der Diskussionsvveranstaltung interessiert ist, kann sich bis 4. Juli online anmelden. Der Eintritt ist kostenfrei. Die Veranstaltung wird auf der Internetseite des Erzbistums live im Internet übertragen oder auf der des Betroffenenbeirats. Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Stream verfolgen, können während der Veranstaltung per E-Mail Fragen an das Podium richten. Diese werden von der Moderation soweit zeitlich möglich gesammelt oder in einer Auswahl live vor Ort mit eingebracht.