Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal

Mehr als Pflaster kleben - Malteser helfen Flutopfern

Trotz aller Unkenrufe: der Katastrophenschutz funktioniert. Die Malteser ziehen eine positive Bilanz ihres Einsatzes an der Ahr.

© Malteser/Thomas Häfner

München/Ahrweiler - Die Nacht auf den 15. Juli dieses Jahres wird für die Bewohner des Ahrtales in Rheinland-Pfalz zur Apokalypse. Die Ahr entwickelt sich innerhalb weniger Stunden zu einem reißenden Fluss, der alles zerstört, was sich ihm in den Weg stellt. Schon nach wenigen Tagen habe sich gezeigt, dass die Einsatzkräfte vor Ort die Lage nicht alleine meistern können, erzählt Markus Bretschneider, der bei den Maltesern die Notfallvorsorge koordiniert. Als die Malteser im Erzbistum München und Freising die Anfrage erreicht, ob sie mit einem Katastrophenschutz-Kontingent helfen können, bleiben Bretschneider gerade einmal 48 Stunden, die verschiedenen Schnell-Einsatzgruppen (SEG) zu mobilisieren. Neben technischer Hilfe und Verpflegung sei vor allem der Sanitätsdienst gefragt gewesen, so Bretschneider.

Schule dient als Stützpunkt

Am 25. Juli macht sich deshalb im Rahmen des Malteser Katastrophenschutz-Kontingentes auch die SEG Behandlung aus München auf den Weg nach Ahrweiler. Dort habe man eine Schule als Stützpunkt für den dreitägigen Einsatz nutzen können, berichtet Jan-Kevin Schanze, der als ausgebildeter Notfallsanitäter und ehrenamtlicher Leiter für den Sanitäts-Einsatz vor Ort verantwortlich war. Von dort seien die Sanitäts-Teams jeden Tag in die Region ausgerückt.

Organisation gegen das Chaos

Gleich zu Beginn habe sich gezeigt, dass es um mehr geht, als nur Pflaster an die Flutopfer zu verteilen. Schnell sei klar gewesen, dass vor allem organisatorische Probleme gelöst werden müssen, erinnert sich Schanze. Da ist zum Beispiel die junge Ärztin, die in einem Bus eine hausarztähnliche Praxis eingerichtet hat und dort bereits seit zehn Tagen im Alleingang ununterbrochen Patienten behandelt. Die Frau sei so erschöpft gewesen, dass man sich sofort um ihre Ablösung gekümmert habe, so Schanze. Und als die Malteser merken, dass niemand mit einfachen Schnittwunden, die sich die Leute bei den Aufräumarbeiten zuziehen, zum Behandlungsbus kommt, schwärmen sie zu Fuß aus, um Wunden zu desinfizieren und für die Tetanus-Impfung zu werben. Außerdem habe man Lösungen gesucht für die Fälle, die nicht im Erste Hilfe Modus zu behandeln waren: wie kommt der Patient ins Dialyse-Zentrum, oder kann eine anstehende Operation noch verschoben werden? Im Rückblick sind bei Jan-Kevin Schanze aber nicht nur die Probleme hängen geblieben. Die Dankbarkeit der Menschen „trotz allem, was sie da oben erlebt haben“, hat den Sanitäter so beeindruckt, dass er ohne zu zögern wieder in einen neuen Einsatz gehen würde.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de