Mit Blick auf die Alpen

Meditationsweg in Ebersberg eröffnet

Lange wurde der Meditationsweg "Endlichkeit und Weite" geplant. Er besteht aus zehn Stahl-Stelen, deren Motive neben dem Alpenpanorama zum Verweilen einladen.

Stele 4 bei der Haselberger Kirche © Noske

Ebersberg – Den Glauben sichtbar machen“ nennt Gabriele Berger als Beweggrund für ihr Engagement. Sie ist neben Edeltraud Pals, Sabine Hofmann und Waltraud Winter eine der vier Initiatorinnen des neuen Ebersberger Meditationsweges „beWEG-gründe“. Am vergangenen Sonntag wurde er in der Pfarrkirche St. Sebastian eröffnet. Die große Feier sollte bei der neunten Stele des Meditationswegs auf dem Vorplatz der Pfarrkirche stattfinden. Doch es regnete und so wurde die Feier in den barocken Innenraum der Kirche verlegt. Nachher lud die Pfarrei alle Besucher zum Umtrunk wie bei einer echten Vernissage. 

Das Projekt wurde 2012 im Zuge des Pastoralplans der Gemeinde initiiert. „Was lang währt, wird gut und stimmt hier genau“, freut sich Ebersbergs Pfarrer Dekan Josef Riedl. „Wir waren uns schnell einig über den Wegverlauf und über die Plätze und Überschriften. Wir haben uns von anderen Meditationswegen inspirieren lassen, aber nicht abgeschrieben“, erläutert Hofmann. Pfarrer Riedl lobt das Engagement für das Konzept und die lange Geduld der vierköpfigen Projektgruppe. 

Mehrere Weg-Varianten

Der Meditationsweg beginnt bei der Antoniuskapelle. Auf dem Kapellenweg sind es einige Minuten zu gehen bis zur einbetonierten Stele „Anfangen“. Der Ort liegt hinter Wohnhäusern versteckt. Von dort können die Besucher zu zwei Weg-Varianten starten: dem kleineren nördlichen oder dem ganzen circa drei Kilometer langen Rundweg bis zur Stele 9. Eine dritte behindertengerechte Tour führt entlang des Mittelwegs. Hier befindet sich auf halber Strecke die Stele 2 „Verweilen“. Auf einem Bankerl können Meditierende mit der Bergwelt die Fernsicht genießen. Für Familien mit Kinderwägen empfiehlt sich die „Rückwärtsrunde“ über die Jesuitengasse zur Stele 9. Dieses Wegstück führt auf schotterigem Untergrund hinunter zum alten Mediationsweg und zur Salzstraße. Das letzte Stück führt zur „Erlösung“ bergauf. 

Stelen mit Texten und geometrischen Formen

Zehn Stationen sind eingerichtet. Zehn Stelen aus zwölf Millimeter dickem Cortenstahl hat der Bildhauer und Kunstschmied Matthias Larasser-Bergmeister dafür mit der Firma Mückenberger produziert. Neun Motive, eines davon wurde zweimal gegossen. Die größte Stele steht neben der Gabelung an der B304 und misst 3,20 Meter. Fast zart wirkt das Stück im Gegensatz zur Straßenwelt. In die Stelen eingestanzt sind Texte, ornamentale und geometrische Formen: Eine Spirale, Röhren, ein Labyrinth, Wellen und ein Haus entstanden. Cortenstahl betont den Gegensatz zur Natur. Er sieht rostig-mittelbraun aus. Mit diesem besonderen Charme behaupten sich die Kunstwerke in der Umgebung. Sie verschmelzen geradezu mit dem landschaftlichen Hintergrund. Fast keck wirkt neben dem meterhohen Baumstumpf die Stele 7 „Auf alten Wegen“. Ein Text aus Ex 23,20 erinnert an den Engel, der den Lebensweg der Menschen behütet. Die Texte der Stelen stammen aus der Bibel und von Schriftstellern. Auch Firmlinge, Kommuniongruppen und Jugendliche durften auswählen. Neben allen Stelen sind Stempen mit QR-Codes zum Mithören eingepflanzt. Den angebotenen Hörpfad für Kinder und Jugendliche hat die Volkshochschule beigesteuert.

Umsetzung des Meditationswegs war schwierig

Das Projekt sollte 2016 abgeschlossen werden. Doch die Gestaltung und die Absprachen, Fragen von Landschafts-, Natur- und Denkmalschutz sowie die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern an den Aufstellungsorten zogen sich, ganz abgesehen von der Corona-Pandemie, die auch noch dazwischenkam. Bei Stele 5 bremste der Naturschutz, weil Bodenverdichtung durch Besucher schaden könnte. Über ein halbes Jahr musste man auf eine Amtsantwort warten. 

Großzügige Spender und Sponsoren

Das Material für die Stelen sollte beständig, wertig, wiedererkennbar und pflegeleicht sein. Granitstein war im Gespräch. Dann kam jemand in der Pfarrei 2015 auf Larasser-Bergmeister. Dieser verzichtete auf Honorar mit der Begründung: „Ich bin in der Kirchenverwaltung tätig.“ Jede Stele kostete 3.000 Euro. 30.000 Euro zusammen. 6.000 Kilo Stahl wurden verarbeitet. Als Türöffner für Spenden ließ der Künstler ein Modell der Stele 5 im verkleinerten Maßstab gießen. Sponsoren und Spender waren großzügig. „Wir haben keine Sorgen mehr wegen Schulden“, strahlt Pfarrer Riedl. 

„Emotion, tiefe Verbundenheit, Endlichkeit und Weite“ genießen nun alle Beteiligten. Was noch fehlt? Eine Webseite gibt es schon. Im Stadtgebiet sollen noch Hinweisschilder für Fremde und Besucherinnen aufgestellt werden, damit sie die Antoniuskapelle sicher finden. (Elisabeth Noske/flo)