Sozialcourage in Wort, Ton und Bild

Medienpreis der Münchner Caritas verliehen

Bereits zum dritten Mal hat die Caritas im Erzbistum München und Freising den „Sozialcourage-Medienpreis“ verliehen. Die Auszeichnung geht an Journalisten, die den mutigen Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft vorstellen.

Preisträger Kronawitter (links) und Caritasdirektor Prälat Lindenberger

München – Die Jury für den Sozialcourage-Medienpreis der Münchner Caritas hat den Fernsehjournalisten Max Kronawitter mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die Ehrung ist mit 2.000 Euro dotiert. Kronawitter hatte einen Film zum Thema Sterbebegleitung und Sterbehilfe produziert. In dem 45-Minüter mit dem Titel „genug gelitten“ zeigt er die verschiedenen Wege zweier Menschen: Er begleitet die letzten Tage einer Patientin, die in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch nimmt. Und er besucht einen Mann, der sich in die Obhut der Barmherzigen Brüder begibt, in ihre Münchner Palliativstation. Diese Dreharbeiten haben den Journalisten sehr bewegt: „Das Berührendste für mich war der Flug in die Schweiz. Neben einer Frau zu sitzen, von der ich weiß, dass sie sich zwei Tage später das Leben nehmen wird, das war einfach beklemmend.“ Gleichzeitig beobachtete Kronawitter bei den Dreharbeiten aber auch, dass die beiden Patienten Freude daran hatten, durch den Film etwas über ihren Tod hinaus zu bewirken.

Keine Wertung des Filmemachers zur Sterbehilfe

Entsprechend fiel das Urteil des Laudators Bernhard Remmers, des Leiters der katholischen Journalistenausbildung in Deutschland, aus: Der Film sei eine Zumutung, weil er den Zuschauer zwinge, der Vorbereitung auf das Sterben zuzusehen. Aber der Film sei keine Überforderung, weil er die beiden Sterbenden dem Publikum zwar sehr nahebringe, aber nicht ohne Hoffnung. Im Film sei die Mitmenschlichkeit zu spüren, die den beiden Patienten entgegenschlage.

Max Kronawitter, der der Riege der christlichen Filmemacher angehört, vermeidet es, den Freitod seiner Patientin zu verurteilen, oder generell im Kommentar Wertungen abzugeben. Gleichzeitig steht die Äußerung des Patienten in der Palliativstation bewusst am Ende. Er habe sich anfangs umbringen wollen, aber dann erkannt, dass sein jetziger Weg der bessere sei. Kronawitter nach der Siegerehrung: natürlich habe er mit dem letzten Statement auch seine eigene Meinung mit ins Spiel gebracht – bei einem Thema, das die Öffentlichkeit beinahe seit Jahrzehnten bewegt und spaltet.

Die Preisträger (v.l.): Anna Gauto, Max Kronawitter, Christian Heinrich

Hochkarätige Zweit-und Drittplatzierte

Thematisch ähnliche Schwergewichte waren auch die beiden anderen Preisträger: ein Zeitungsbeitrag des Starnberger Journalisten Christian Heinrich über einen Fußballschiedsrichter mit spastischer Behinderung und der Online- Artikel über den Konflikt in einem Münchner Konzert- und Kulturzentrum, in dem Geflüchtete und Homosexuelle aneinandergeraten, verfasst von der „Handelsblatt“-Mitarbeiterin Anna Gauto. Caritas-Direktor Hans Lindenberger lobte die Qualität nicht nur der drei Siegerbeiträge: die insgesamt dreiunddreißig eingereichten Beiträge kämen alle dem Thema Sozialcourage sehr nahe. Das Bestreben der Caritas sei, mit dem Medienpreis die Sozialcourage ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. „Unsere Gesellschaft kann nur überleben, wenn es immer wieder Menschen gibt, die an die Front gehen und sagen, dafür setze ich mich ein.“

Filmemacher Kronawitter sieht das von seiner Warte aus sehr ähnlich: ihn freut der Preis auch, weil er ein Anstoß sein kann, sich den Film anzuschauen – und sein Handeln entsprechend auszurichten.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de