100 Jahre Landesverband Bayern

Marx und Seehofer würdigen Caritas

Seit 100 Jahren gibt es den Caritasverband Bayern. Bei einem Festakt in München sagte Ministerpräsident Seehofer, die Caritas sei ein Segen für die Menschen. Auch auf den Umgang mit Flüchtlingen ging der CSU-Politiker ein.

Ministerpräsident Horst Seehofer beim Festakt in München.

München – Der Landes-Caritasverband Bayern hat in München sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Bei einem Festakt im kirchlichen Zentrum Haidhausen bezeichnete Ministerpräsident Horst Seehofer die Caritas als "Segen für die Menschen". Der Verband könne "mächtig stolz" sein auf das, was er für die Bevölkerung geleistet habe, sagte der CSU-Politiker dem Münchner Kirchenradio. In der Frage, wie man mit Flüchtlingen, die nach Bayern kommen, "anständig" umgeht, gäbe es "überhaupt keine Differenz" zwischen Staatsregierung und Caritas. Diskussionen würden sich allerdings beim Thema ergeben, ob die Zuwanderung begrenzt werden müsse, "damit Humanität und Integration gelingen", so Seehofer. Er wünsche der Caritas viel Glück und Gottes Segen bei ihren Aufgaben in den kommenden Jahren.

Großer Einsatz

Die Kirche wolle bei der Integration von Flüchtlingen weiterhin ihren Beitrag leisten, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Ziel sei es etwa, Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache und bei der beruflichen Bildung zu helfen. "Ich bin auch sehr begeistert davon, wieviele Helfer mit großer Einsatzbereitschaft aus dem Bereich der Kirche hier tätig sind", sagte Marx.

Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl
Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl © Kiderle

Keine Wohlfahrtsindustrie

Die Caritas sehe in den Menschen, die nach Bayern kommen, eine Bereicherung, so Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl. Er wünsche sich deshalb, dass der Verband sich in Zukunft noch stärker um die jüngsten Zuwanderer kümmert, beispielsweise in den Kindertagesstätten. "Denn bei wem soll Integration gelingen, wenn nicht bei den Kindern? Da steht eine gewaltige Aufgabe an", so Piendl.

Der Landes-Caritasdirektor verwies darüber hinaus auf das breite Einsatzspektrum seiner haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Diese seien "in allen sozial relevanten Feldern aktiv, von der Obdachlosenhilfe bis zur Hochleistungsmedizin". Längst bedienten sie sich moderner Instrumente des Managements sowie Erkenntnissen aus der Forschung. Entscheidend für die Identität der Caritas bleibe aber die "große Idee" der Nächstenliebe. "Wenn wir zur Wohlfahrtsindustrie werden, haben wir etwas falsch gemacht."

Kardinal Marx feierte in St. Johann Baptist in München-Haidhausen einen Gottesdienst zum Caritas-Jubiläum.
Kardinal Marx feierte in St. Johann Baptist in München-Haidhausen einen Gottesdienst zum Caritas-Jubiläum. © Kiderle

Landtagspräsidentin Barbara Stamm sagte, angesichts der Leistungen der Caritas in den vergangenen 100 Jahren sei ihr nicht bange um "die Zukunft einer zivilisierten Gesellschaft, die auf christlichen Werten basiert, in der die Würde des Menschen immer noch Maßstab unseres Handelns ist und bleibt".

Symbol für das Christsein

Vor dem Festakt hatte Kardinal Marx einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johann Baptist gefeiert. In seiner Predigt unterstrich der Münchner Erzbischof die Bedeutung der Caritas für das Wirken der Kirche. "Niemand zweifelt daran, dass Caritas ein Erkennungszeichen dafür ist, was Christsein bedeutet", sagte er. Das Reich Gottes blitze in der Welt auf, "wenn die Liebe vorbehaltlos geschenkt wird - insbesondere an die Armen und Schwachen, Kranken, Sünder, Gefangenen, wenn niemand ausgegrenzt oder übersehen wird." (ksc/ph/KNA)

Der Landes-Caritasverband wurde 1917 ursprünglich als "Caritasverband für das Königreich Bayern" gegründet. Seither vertritt und vernetzt er die Interessen der Caritasverbände in den sieben bayerischen Diözesen. Mit ihren derzeit mehr als 100.000 Mitarbeitern sowie rund 6.000 Einrichtungen und Diensten ist die Caritas der größte Wohlfahrtsverband Bayerns. An der Spitze des Landesverbands steht seit 2012 der Regensburger Prälat Bernhard Piendl (63). Einen eigenen Landesverband unterhält die Caritas in Deutschland in keinem anderen Bundesland.

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