Fußballweltmeisterschaft

Marx kritisiert "Foulspiel" in WM-Gastgeberländern

Trotz aller Euphorie warnt Kardinal Marx davor einen kritischen Blick auf die Lebensbedingungen abseits des Spielstätten zu verlieren. Denn Fouls gibt es nicht nur auf dem Platz. Für das "Geschäft mit dem Fußball" hat er klare Regeln im Blick.

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München - Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat bei aller Fußballbegeisterung dazu aufgerufen, einen kritischen Blick auf die Lebensbedingungen abseits der Spielstätten in den Gastgeberländern großer Sportereignisse zu werfen. Die Debatten über die Arbeits- und Lebensbedingungen in Brasilien, Russland oder Katar zeigten, dass es nicht nur um ein Spiel gehe, betont Marx im Bayerischen Rundfunk. "Wir diskutieren nicht nur über ein Foul auf dem Platz, sondern auch über so manches Foulspiel im Gastgeberland und in den Fußballverbänden."

Zugleich aber unterstreicht der Kardinal das völkerverbindende Element einer Fußballweltmeisterschaft: "Das Interesse am Fußball verbindet Menschen über Nationen und Kontinente hinweg." So gebe es in Brasilien viele fußballbegeisterte Menschen. Doch dieser Sport verschaffe den meisten von ihnen keinen Arbeitsplatz, den Kindern keine Bildung und verkürze auch nicht den Weg zum Arzt. Außerdem erinnerte Marx daran, dass es aus Sicht der Armen nicht gerecht sei, Milliarden in den Bau neuer Stadien zu investieren, aber das Geld für eine ausreichende Gesundheitsversorgung und für den Bau von Schulen fehle.

Der Kardinal mahnt auch für das "Geschäft mit dem Fußball" die Einhaltung der "Regeln des ehrbaren Kaufmanns" an. Dieser dürfe und solle Gewinn erwirtschaften, aber nicht gegen das gesellschaftliche Interesse und vor allem nicht auf Kosten anderer Menschen. Es gehe darum, dass auch wirtschaftliches Handeln an Tugenden und Werten orientiert sein müsse: "Und der höchste Wert ist immer die Würde des Menschen." So wie es für Spieler und Fans, Trainer und Schiedsrichter feste Regeln und Grenzen nach dem Motto "Das tut man nicht" gebe, so gelte dies auch für die Wirtschaft. (kna)