Appell an Ständige Diakone

Mahnwache für Frauen im Kirchenamt

Frost und Minustemperaturen haben die Menschen nicht abhalten können, sich am Mittwochvormittag vor Schloss Fürstenried zu versammeln. Mit Transparenten werben sie für das Diakonat der Frau in der katholischen Kirche. Drinnen tagt die Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakone in Deutschland.

Mahnwache vor Schloss Fürstenried

München – Es ist frostig an diesem Vormittag und einfach ungemütlich, draußen auf der Straße zu stehen. Die Füße werden schnell kalt. Darüber können auch der Sonnenschein und die Kulisse von Schloss Fürstenried nicht hinwegtäuschen. Bei Minustemperaturen haben sich vor dem Eingang des Münchner Exerzitienhauses rund 25 Menschen zu einer Mahnwache versammelt. Aufgerufen haben dazu verschiedene kirchliche Initiativen, der „Münchner Kreis“, „Wir sind Kirche“ und die „Gemeindeinitiative.org“. Ihr Anliegen: für den Diakonat der Frau in der katholischen Kirche zu werben. Denn drinnen im Schloss tagen die Männer, die eines Tages Kollegen sein sollen. Die Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakone in Deutschland hat sich zu ihrer Jahrestagung 2019 in München versammelt. Die Kundgebung stellt eine klare Forderung an die Arbeitsgemeinschaft: Deren Mitglieder sollen sich gegenüber ihren Ortsbischöfen und in den Diözesen für das Thema starkmachen. Elisabeth Stanggassinger hält mit ihren dicken Wollhandschuhen zusammen mit einer anderen Frau ein Transparent in die Höhe: „Was sagt ihr euren Töchtern, wenn Sie euch fragen, warum schließt ihr Frauen aus?“, steht darauf. Die Gemeindereferentin aus dem Münchner Westend sorgt sich, dass die Kirche „eines der wichtigsten Zeichen der Zeit, die Gleichberechtigung der Frau“ verpasst. Dass ein weibliches Diakonenamt theologisch möglich wäre, daran hat sie keinen Zweifel. „Dafür haben wir im Neuen Testament Beispiele und bis ins elfte Jahrhundert war das nicht ungewöhnlich.“

Dringender Bedarf an Frauen

Marion Ringler ist sogar aus dem Landkreis Rosenheim angereist, um bei der Mahnwache dabei zu sein. Sie ist ebenfalls Gemeindereferentin und hat ihre Mütze wegen der Kälte tief über die Ohren gezogen: „Unser Pfarrer ist 73 Jahre alt“, erzählt sie, „und er kommt mit seiner Arbeitslast einfach an Grenzen.“ Gerne würde sie ihn wie ein ständiger Diakon entlasten. „Ich habe eine ähnliche Ausbildung wie ein Diakon, darf aber eben nicht taufen, Eheschließungen begleiten oder predigen.“ Die Gemeinden vor Ort hätten einen dringenden Bedarf an Frauen, die etwa auch verschiedene Sakramente spenden dürfen. „Es fehlt an Personal“, sagt Ringler.

Diskussionen zum Diakonat der Frau in der Kaffeepause draußen vor dem Schloss Fürstenried.
Diskussionen zum Diakonat der Frau in der Kaffeepause draußen vor dem Schloss Fürstenried. © Kiderle

Ein Herzensanliegen

Noch ist unklar, ob die Vertreter der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft die Kundgebung einfach ignorieren oder mit den Teilnehmern reden wollen. Vielleicht nach dem Mittagessen, heißt es zunächst. Das würde bedeuten, noch zwei Stunden warten zu müssen. Dann kommen aber bald zunächst zwei Sprecher und kurz danach eine Reihe anderer Diakone in einer Kaffeepause nach draußen. „Wir wollen die Leute nicht einfach vor verschlossenen Türen stehen lassen“, erklärt der erste Vorsitzende, Thomas Nixdorf aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart. „Wer bei diesen Temperaturen in der Kälte ausharrt, der macht ja ein Herzensanliegen deutlich.“ Bei den Gesprächen und Diskussionen schlagen die Wellen zuerst trotzdem hoch. Die Arbeitsgemeinschaft will deutlich machen, dass sie für das Anliegen der Mahnwache die falsche Adresse ist, weil sie weder ein kirchenpolitisches noch ein kirchenrechtliches Mandat hat. Die Frauen und Männer der Mahnwache verlangen dagegen den persönlichen Einsatz der Diakone für das Anliegen als Sprecher in ihren Diözesen. Außerdem sind sie enttäuscht, dass die Arbeitsgemeinschaft das Thema nicht auf die Tagesordnung ihres Jahrestreffens gesetzt hat, wie das die Initiatoren der Mahnwache vorgeschlagen haben.

Mit Transparenten werben die Menschen vor Schloss Fürstenried für das Diakonat der Frau.
Mit Transparenten werben die Menschen vor Schloss Fürstenried für das Diakonat der Frau. © Kiderle

Appell an Kardinal Reinhard Marx

Als dann aber auch andere Diakone aus dem Schloss kommen, Verständnis und Sympathie äußern, werden die Diskussionen sachlicher. Elisabeth Stangassinger verteilt an die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft rote Schirme mit der Aufschrift „Für den Diakonat der Frau“, die dankbar angenommen und auch gleich aufgespannt werden, als Schutz gegen die jetzt gleißende Wintersonne. Stefan Schori von der Kircheninitiative Münchner Kreis wirbt fröstelnd und wortreich für das Vorbild der Diakone-Sprecher aus seinem Erzbistum. Sie haben bereits einen Appell an Kardinal Reinhard Marx gerichtet, dieses Weiheamt für Frauen zu unterstützen und sich in Rom dafür einzusetzen. „Es herrscht zurzeit eigentlich Tauwetter in dieser Frage“, sagt Schori. Dass die Befürworter des Frauendiakonats trotzdem an grundlegenden und traditionsreichen Überzeugungen der katholischen Kirche rütteln, lässt er nicht gelten. Auch nicht, dass ein Tauwetter zu Überflutungen und Dammbrüchen führen kann. „Die Kirche ist doch auf einen festen Fels und nicht auf Sand gebaut. Ein Hochwasser wird sie nicht wegspülen.“ Und er ist zufrieden, dass er darüber mit Diakonen aus ganz Deutschland reden konnte.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche